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Maxvorstadt:Sensibel brettern

Skater dürfen den Josephsplatz für ihren Sport nutzen, sie sollen aber Rücksicht auf die Anwohner nehmen. Damit das klappt, bietet die städtische Schlichtungsstelle Akim am Mittwoch zum dritten Mal einen Austausch an

Von Stefan Mühleisen, Maxvorstadt

Die professionellen Schlichter vom "Allparteiliches Konfliktmanagement" (Akim) unternehmen einen neuen Versuch, im nach wie vor schwelenden Streit um Skateboard-Fahrer auf dem Josephsplatz zu vermitteln. Die städtische Stelle, angesiedelt beim Sozialreferat, lädt nun erneut am Mittwoch, 23. September, von 17 bis 19 Uhr zu einer "Skater-Session" auf dem Platz zwischen der Kirche St. Joseph und der Hiltenspergerstraße im Stadtbezirk Maxvorstadt. Es ist eine Offerte an die jungen Sportler, sich zu einem Austausch über Skaten im öffentlichen Raum auf dem Platz zu treffen. "Es geht darum, die jungen Menschen zu sensibilisieren", sagt Akim-Leiterin Brigitte Gans.

Die Veranstaltung ist ein weiterer Anlauf, die verfahrene Situation am Josephsplatz zu lösen - sie dürfte aber auch das Bemühen sein, eine liberale Position im Zuge der stadtweit immer wieder aufflammenden Konflikte um Skater im öffentlichen Raum über längere Zeit durchzuhalten. Die Aktion - es ist die dritte ihrer Art auf dem Josephsplatz - soll den Blick der jungen Sportler auf die Befindlichkeit der Anwohner lenken, auf Augenhöhe, ohne Druck und keinesfalls mit Drohungen, im Gegenteil. "Skaten ist hier erlaubt", steht auf einem zwischen zwei Bäumen aufgespannten Einladungsplakat, gefolgt von dem Ersuchen: "Bitte achtet ab 22 Uhr auf Eure Lautstärke und verzichtet bitte auf laute Tricks."

Umstrittene Tricks: Skater schätzen zwar die Skateparks in der Stadt - ihr Aktionsfeld ist aber vor allem der urbane Raum, also die Straßen und Plätze. Das macht viel Krach und geht Anwohnern auf die Nerven.

(Foto: Mauritius Images/Cultura)

Denn die Tricks sind die Krux. In der Skater-Szene wird es zwar sehr geschätzt, dass es in München mehr als 30 Skateparks gibt; dort lassen sich die Tricks perfekt üben - doch vorführen wollen Skater ihre kunstvollen Sprünge gerne im öffentlichen Raum, als genuin urbane Sportart in der Stadtlandschaft gewissermaßen. Doch zwangsläufig machen die Tricks mit den Boards einen Heidenkrach; das nervt die Anwohner - und deren Beschwerden hatten immer wieder zur Folge, dass die Skater quasi vergrämt wurden: Am Georg-Freundorfer-Platz auf der Schwanthalerhöhe wurde ihnen der urbane Parcours mit Holzbänken verbaut, im Arnulfpark Sitzbänke mit Lehnen versehen, damit sie als Parcourselemente ausfallen.

Eben dies hatte eine Anwohnergruppe, die sich selbst "Freunde des Franziskusbrunnens" nannte, mit einer Art Guerilla-Aktion am Josephsplatz vor: Die störte sich nicht nur am Krach, sondern auch daran, dass die Skater mit ihren Brettern über die Stufen eben jenes Brunnens auf dem Josephsplatz schlittern, was das denkmalgeschützte Bauwerk beschädige, wie es in Eingaben an den Bezirksausschuss hieß.

Über Nacht stellten die Anwohner Blumentröge auf die Stufen des Brunnens; doch bald entwendeten Unbekannte die Pflanzenkübel, woraufhin neue, mit Metallklammern gesicherte, hingestellt wurden. Offiziell entfernt haben die dann Mitarbeiter des Baureferats. Eine Beschädigung des Brunnens durch Skateboards konnte die Behörde übrigens nicht feststellen, ebenso wenig die Identität der "Freunde des Franziskusbrunnens" - sie blieben und bleiben anonym, erschienen weder zu Sitzungen des Bezirksausschusses (BA) noch zu Ortsterminen. Beim BA laufen unterdessen weiter Monat für Monat Beschwerdebriefe ein.

Nachtschwärmer am Josephsplatz in München, 2020

Im Fall des Josephsplatzes will die Stadt die Skater keinesfalls vertreiben - und hofft auf eine Lösung im Dialog.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Allerdings haben die Lokalpolitiker - und übrigens auch einige Anwohner - klargestellt: Eine Vertreibung der Skater ist keine Option, sie dürfen und sie sollen den Platz für ihren Sport nutzen - das, so der Appell, sollen die Nachbarn akzeptieren. Umgekehrt sollen aber die Skater Rücksicht nehmen. Der Akim-Schlichtungstelle fällt dabei die Aufgabe des Vermittlers zu. Der Ortstermin auf dem Platz am 23. September soll bei den jungen Skatern das Bewusstsein schärfen, etwa auf die Uhrzeit zu achten, die artistischen Einlagen auf den Rollbrettern nicht zu lang am Stück und nicht bis in die Abendstunden zu absolvieren. "Es ist keine pädagogische Aktion", stellt Akim-Mitarbeiterin Brigitte Gans klar. Ein lockeres Gespräch über soziales Miteinander soll es sein - und eine gemeinsame Sport-Aktion; die Skaterinnen und Skater sollen ihre Boards mitbringen, denn auch Profi-Skater werden anwesend sein und Tricks zeigen - allerdings wohlweislich nicht auf dem Josephsplatz, wie zu hören ist. Fürs Gebretter nach den Gesprächen wollen die Veranstalter den Bolzplatz beim Alten Nordfriedhof ansteuern.

© SZ vom 22.09.2020

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