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Maxvorstadt:Mehr gefällt als gepflanzt

Die Baumbilanz im Viertel weist für 2018 einen leicht negativen Saldo aus

Zwischen den Koordinaten Arnulfpark, Prinz-Carl-Palais, Siegestor und Georgenstraße ist der Stadtraum ziemlich zugebaut - die Maxvorstadt ist ein schöner, aber auch ein ganz schön versiegelter Stadtbezirk. Kein Wunder, dass die örtlichen Politiker mit Argusaugen über den Erhalt der raren Grünflächen und vor allem der vorhandenen Bäume wachen. Zuletzt verlangten sie von der Unteren Naturschutzbehörde Auskunft, wie viele Bäume in den vergangenen Jahren gefällt und wie viele im Gegenzug nachgepflanzt wurden. Die Bilanz liegt jetzt vor, jedoch nur für das Jahr 2018 - sie weist einen negativen Saldo von knapp acht Prozent auf.

Konkret heißt das: 118 Bäumen, die umgesägt wurden, stehen 109 Gehölze gegenüber, die dafür nachgepflanzt wurden. Im Einzelnen waren dies 59 Einzelfallgenehmigungen, für die 51 Ersatzbäume nachwachsen. Im Rahmen von Baugenehmigungen holzten die Arbeiter 15 Bäume um, die Behörde legte ebenso viele als Ersatz fest. Verkehrssicherungsmaßnahmen fielen zwölf Bäume zum Opfer (zehn Nachpflanzungen), in öffentlichen Grünanlagen waren es 13 (Ersatz: zwölf). Wohingegen im Alten Nördlichen Friedhof die Behörde mit 14 Gehölzen zwei mehr nachpflanzen ließ, als umgehauen wurden. Ausgeglichen ist der Saldo bei Neubauten in der Von-der-Tann-Straße (je drei) und am Oskar-von-Miller-Ring (je vier). Zufrieden sind die Lokalpolitiker mit den Auskünften allerdings nicht. Sie wollten nicht nur eine Bilanz von 2018, sondern der vergangenen fünf Jahre vorgelegt bekommen. Und die fordern sie nun erneut.

Unterdessen nehmen die Stadtteilpolitiker jede noch so kleine Fläche, die nicht zugebaut ist, in den Blick, um sie der Verwaltung zur Aufwertung zu empfehlen. Jüngstes Beispiel: Die CSU hatte vier kleine Rasenflächen identifiziert, die sie zu Wildblumenwiesen umgewandelt haben wollte: das Rondell Arcis-/Schnorrstraße, den Grünspitz Ecke Sandstraße/Dachauer Straße sowie die Rasenflächen an den Kreuzungen Barer-/Nordend-/Neureuther Straße und Luisen-/Zieblandstraße. Doch das Baureferat wird dem Wunsch nicht entsprechen. Die Flächen sind schlicht zu klein, wie die Behörde dem Bezirksausschuss mitteilt, also zwischen 180 und 300 Quadratmeter groß. Wegen des Ansaat- und Pflegeverfahrens sowie der Größe der Maschinen sei aber eine Mindestgröße von 1000 Quadratmeter nötig, heißt es in dem Papier durchaus bedauernd. "Im Stadtbezirk Maxvorstadt stehen leider keine Grünflächen mit entsprechend großflächigen, besonnten Grünflächen zur Verfügung."

Wenn es im öffentlichen Raum keinen Platz gibt, dann auf Privatgrund, dachten sich zuletzt die Grünen im Gremium - und formulierten einen Antrag, Baumpflanzungen von Grundstückseigentümern mit insgesamt 30 000 Euro aus dem BA-Budget zu sponsern. Doch es stellte sich heraus, dass der BA einen solchen Fördertopf nicht einrichten, sehr wohl aber Geld für Einzel-Gesuche verteilen darf. Von der SPD wurde das Ansinnen ohnehin skeptisch gesehen. "Ich habe ein Problem damit, dass Vermieter Steuergeld zum Aufwerten ihrer Immobilie bekommen", sagte Katharina Blepp von der SPD.