Maxvorstadt:Leibesübungen vor der Antikensammlung

Aufstehen für Kultur

Ein beliebter Ort für Veranstaltungen aller Art: Im Mai demonstrierten Künstler auf dem Königsplatz für Corona-Lockerungen, im Bild ein Auftritt des Circus Krone, im Hintergrund die Antikensammlung.

(Foto: Catherina Hess)

Einige Wettkämpfe der European Championships im August 2022 werden auf dem Odeons- und dem Königsplatz ausgetragen. Sperrungen sollen möglichst vermieden werden, aber viele Details sind noch offen

Von Ilona Gerdom, Maxvorstadt

50 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen kommen die European Championships im Sommer 2022 nach München. Sie finden nicht nur im Olympiapark, sondern auch am Königsplatz und am Odeonsplatz statt. Was in der Maxvorstadt geplant ist, wurde dem Bezirksausschuss (BA) nun vorgestellt. Das bisherige Konzept nahmen die Lokalpolitiker überwiegend positiv auf. Bedenken gab es dennoch. Wettkämpfe in neun Sportarten werden im kommenden Jahr von 11. bis 21. August in München ausgetragen. Die Planung läuft über den Olympiapark. Deshalb traten Marion Schöne, Geschäftsführerin der Olympiapark GmbH, und zwei Mitglieder des Organisationskomitees am Dienstagabend an, um das Vorhaben zu präsentieren und sich den Fragen des BA zu stellen.

Demnach sollen am Königsplatz sowohl die Kletter- als auch die Beachvolleyballwettkämpfe stattfinden. Für erstere werden vier Kraxelwände vor den Propyläen aufgebaut. Daneben gibt es sechs Volleyballfelder. Der Center Court - der Hauptspielplatz - soll vor der Staatlichen Antikensammlung angelegt werden. Also an der Stelle, an der erst im Mai ein Mahnmal, das an die Bücherverbrennungen im Nationalsozialismus erinnert, eingeweiht wurde. Durch das Feld wird es verdeckt werden. Schuld daran ist, so Schöne, "ein Kommunikationsproblem". Man wolle aber auf den Gedenkort hinweisen. Wie? Das wird laut Pressestelle noch geprüft.

Überhaupt wolle man sich mit der "dunklen Geschichte des Platzes" auseinandersetzen. Schöne und ihre Begleiter sagten, sie seien jedoch Experten für Events - nicht für erinnerungspolitische Themen. Daher hole man sich Rat. Im engen Austausch stehe man mit Kulturreferat und NS-Dokumentationszentrum. Auch des Attentats, das bei den Spielen 1972 auf die israelische Olympiamannschaft verübt worden ist, will man gedenken. Konkrete Pläne gibt es bisher nicht.

Viele im BA freuten sich, dass ein "Multi-Sportevent" in die Stadt kommt. Einige sahen den Königsplatz als Veranstaltungsort dennoch kritisch. Gerade weil er mit dem "Sommer in der Stadt" und der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) ohnehin viel bespielt wird. Georg Jakob (Grüne) merkte an, dass der Platz "nicht nur auf 100, sondern Tausende Jahre Geschichte zurückblickt". Ihm sei nicht wohl dabei, ihn mit "Kletterwänden und mutmaßlich Sponsoring-Plakaten" zu "pflastern".

Marion Schöne versuchte, die Bedenken zu zerstreuen. Man hoffe auf eine Win-Win-Situation. Durch die Athletinnen und Athleten, die ihren Aufenthalt auch auf Social-Media-Kanälen dokumentieren, könne man die Antikensammlung vielleicht bekannter machen. Die Ausstellungsräume sollen während der ganzen Zeit zugänglich bleiben, ebenso wie der Platz selbst, der nicht gesperrt wird. Zudem können Bürgerinnen und Bürger die Sportflächen an wettkampffreien Tagen selber nutzen. Ob Beachvolleyballplätze auch nach dem Event bestehen bleiben, wie es sich einige Lokalpolitikerinnen und -politiker wünschen, ist noch nicht zu sagen. Dazu sei man bereits mit dem Referat für Bildung und Sport im Gespräch, erklärten die Organisatoren.

Klar wurde auf Nachfragen der BA-Mitglieder aber, dass einige Parkplätze in der Maxvorstadt während der Championships wegfallen. Außerdem werde es ein "umfangreiches Sicherheitskonzept geben", so Markus Schnetzer, Leiter des Orga-Teams: "Wir gehen wie bei der Wiesn von Taschenkontrollen aus."

Nur wenig Diskussionspotenzial lieferte der Odeonsplatz. Der soll an mehreren Tagen als Start- und Zielbereich für die Disziplinen Radsport, Gehen und Marathonlauf dienen. Für "Stadionatmosphäre" sorgen dann Tribünen. Der Besuch bleibt voraussichtlich kostenfrei, so Schnetzer. Ebenso wie die Vorrunden beim Klettern und beim Volleyball. An Tagen, an denen keine Medaillen zu holen sind, können Busse und Radfahrer Odeonsplatz und Ludwigsstraße wahrscheinlich passieren, sagen die Organisatoren. Wie es mit Autos aussieht, ist noch nicht sicher.

Beide öffentlichen Orte werden außerdem in das "The Roofs"-Festival eingebunden, das die Meisterschaften begleitet. Neben Food-Trucks soll es Kunst und Kultur geben. Schöne betonte immer wieder: "Das ist mehr als nur ein Sport-Event".

Eine wichtige Frage betraf den Umgang mit der Pandemie. Das sei jetzt, ein Jahr vorher, schwer absehbar, erklärten die Organisatoren. Aber: "Wir können in verschiedene Richtungen agieren."

© SZ vom 21.07.2021
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