Maxvorstadt Großes Bedauern

Denkmalpfleger kritisieren eilige Abbauaktion an der Schellingstraße

Bayerns oberste Denkmalschutzbehörde hat nach einer Besichtigung des Gebäudekomplexes an der Schellingstraße 25/27 und der Türkenstraße 66 die Umbauarbeiten in diesen Häusern scharf verurteilt. Das Vorgehen des Eigentümers habe die Aussagekraft des Gebäudes weiter reduziert, teilte die Sprecherin des Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD), Dorothee Ott, am Mittwochnachmittag mit, "weshalb dieser Schritt aus Sicht des BLfD bedauerlich und äußerst kritisch zu sehen ist".

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass der Hauseigentümer, eine Projektgesellschaft der Münchner Immobilienfirma Omega AG, noch vor der Begutachtung der Experten das historische Treppengeländer, die Stufen, Fenster im Treppenhaus sowie andere Ausstattung durch Neuteile oder Provisorien ersetzen ließ. Der Vorstand der Omega AG, Ralph Reinhold, gab an, er habe den bereits verabredeten Besichtigungstermin verschoben, weil er im Urlaub gewesen sei, aber selbst habe anwesend sein wollen. Die Bauarbeiten begründete er mit "Notsicherungsmaßnahmen": Das Treppenhaus sei wegen schon in früherer Zeit beanstandeter Mängel nicht verkehrssicher, was auch durch Gutachten belegt sei.

Die Mieter zeigten sich von den Bauarbeiten vollkommen überrascht. Sie äußerten den Verdacht, die Omega habe historisch schützenswerte Bauteile rechtzeitig entfernt, um einen Abriss des Gebäudes genehmigt zu bekommen. Die Omega dementierte das entschieden. Alle entfernten Gegenstände seien eingelagert und könnten auf Verlangen wieder eingebaut werden, hieß es.

Derzeit sei die Denkmaleigenschaft des Komplexes allerdings noch nicht geklärt, wie das BLfD mitteilt; die Prüfung dauere an. Die Behörde hat bisher eruiert, dass die Gebäude teilweise aus den 1830er Jahren stammen, mehrfach erweitert und aufgestockt wurden. Sie zählten zu den "typischen und häufig vorkommenden Serienbauten des späten 19. Jahrhunderts", sagt Sprecherin Ott. Nach diversen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurden die Bauten stark vereinfacht wieder instandgesetzt, die Fassadendekoration ging weitgehend verloren. Als Überrest des historischen Bestands nennt die Behördensprecherin die Ladenfront des Antiquariats Kitzinger, "sowie die durch die Räumarbeiten des heutigen Eigentümers leider entfernten historischen Ausstattungsteile wie Treppenanlagen und Türen".