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Maxvorstadt:Für Freiheit und Demokratie

Studentenheim Geschwister Scholl wird um einen weiteren Bau vergrößert.

Fünf weiße Rosen und ein Lied: Der Schollheim-Chor singt den Cup-Song aus der Filmkomödie "Pitch Perfect".

(Foto: Florian Peljak)

Der Erweiterungsbau des Geschwister-Scholl-Studentenwohnheims wird eröffnet. Die Gäste erinnern an die "Weiße Rose"

Fünf weiße Rosen stehen auf einem Tisch. Sie sind nicht nur hübsch anzusehen. Nein, sie erinnern vor allem an die Geschwister Scholl: Hans und Sophie. Und deren Widerstandsgruppe "Weiße Rose" im Kampf gegen Diktatur und den Nationalsozialismus. Und sie stehen für Freiheit und Demokratie. Daran will das Geschwister-Scholl-Studentenwohnheim am Steinickeweg 7 immer erinnern.

Im Saal des Wohnheims gibt es zwei Gründe zu feiern: zum einen das 60-jähriges Bestehen. Zum anderen die Fertigstellung des Erweiterungsbaus: Haus 3. Ausgestattet mit 55 Einzelapartments - 13 davon sind barrierefrei zugänglich - mit eigenem Sanitärbereich sowie Kochnische. Baubeginn war im August 2017. Der Freistaat Bayern hat das Projekt insgesamt mit 2,4 Millionen Euro gefördert. Der gemeinnützige Verein "Studentenwohnheim Geschwister Scholl" will Studenten günstiges Wohnen ermöglichen - und ist daher auf Spenden und Fördermittel angewiesen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) betonte in seiner Rede, ihm sei es ein großes Anliegen gewesen, das Fest zu begleiten. Es gebe aktuell Entwicklungen, die er nicht gutheiße: Rassismus, Diskriminierung, Antisemitismus. Entwicklungen, die in München zum Glück zwar noch "überschaubar" seien, sagte Reiter und bekräftigte: "Wir wollen das in dieser Stadt nie wieder sehen." Außerdem sei es ihm wichtig, im teuren München bezahlbaren Wohnraum für Studenten zu schaffen. Denn sie "beleben die Stadt".

Peter von Rüden, Vorstandsmitglied des Vereins, begab sich in seiner Rede auf Zeitreise und blickte auf die Anfänge zurück: 1956 wurde der Verein aus der Taufe gehoben. Zu den Initiatoren gehörte unter anderem Hans-Jochen Vogel, der spätere Münchner Oberbürgermeister. Er kann aus gesundheitlichen Gründen nicht am Fest teilnehmen, lässt aber ein Grußwort verlesen.

Einziges Ziel damals, so Rüden weiter: Wohnungsnot der Studenten beseitigen, bezahlbaren Wohnraum schaffen. Das Grundstück verkaufte die Stadt an den Verein. Und gewährte im selben Zug eine Förderung über die gleiche Summe. Die Vereinsmitglieder waren ausgewiesene Gegner des NS-Regimes oder Verfolgte des Nationalsozialismus. Alle vereint in dem einzigen Gedanken: nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg. Auch deshalb sei man auf den Vater von Hans und Sophie, Robert Scholl, zugegangen, erzählte Rüden. Und habe um Erlaubnis für die Namensgebung gebeten. Man wollte "die aktuelle Studentengeneration zum Engagement für die Grundwerte der Demokratie und des Grundgesetzes motivieren". Ein Gedanke, der auch heute noch die Studenten leiten soll. 1960 zogen die ersten Bewohner ein.

Eine Dame sorgte auf der Feier mit einem Geständnis für gute Laune bei Zuhörern und Gästen: Dagmar Schmidt-Thinat. Sie war eine der ersten Bewohner des Heims. Die "Alt-Scholli", wie Thomas Knappstein, Geschäftsführer des Vereins, sie freundschaftlich nannte, plauderte ein bisschen aus dem Nähkästchen. Dass es nachts zum Beispiel schon mal etwas lauter werden konnte. "Von der ersten Woche an, hatten wir schon Probleme mit den Nachbarn und der Polizei", gestand sie. Und lächelte.

© SZ vom 16.01.2020
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