Maxvorstadt:Elf Gramm Überwindung

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Wicked Cricket

Obacht beim Snacken: Josef Hirte (links) und Mathias Rasch bieten mittlerweile auch Insekten mit winterlichen Gewürzen als Zwischenmahlzeit an.

(Foto: Julian Schöll/OH)

Jung-Unternehmer bieten neuerdings Grillen mit Zimt und Zucker als Saisonware an

Von Stefanie Witterauf, Maxvorstadt

Wer bei gerösteten Grillen mit Zimt und Zucker noch mal nachfragen muss, der gehört wohl zu den fünf Milliarden Menschen auf der Welt, die nicht regelmäßig Insekten essen. Das wollen die beiden Münchner Josef Hirte und Mathias Rasch ändern. Mit ihrem Start-up "Wicked Cricket" haben sie einen nachhaltigen Protein-Snack aus gegrillten Insekten entwickelt. Für die kalte Jahreszeit haben sie eine neue Geschmacksrichtung erfunden.

"Winter Spezial" nennen die Gründer die Grillen, die sie mit Ahornsirup und Zimt und Zucker verfeinert haben. Vor einem Dreivierteljahr haben Physiker Josef Hirte und Mathias Rasch mit fünf Kilogramm Grillen angefangen. Die gefriergetrockneten Tiere haben sie in Industrieküchen in ihrer Nachbarschaft in der Maxvorstadt geröstet und mit rosa Pfeffer, Meersalz oder Kräutern aus dem Allgäu gewürzt. Verpackt in Elf-Gramm-Portionen für 3,90 Euro vertreiben die Gründer seitdem regelmäßig neue Grillen und verschicken sie durch ganz Deutschland. Die Winter-Variante kostet 4,50 Euro.

"An der Rezeptur, die wir am Anfang experimentell herausgefunden haben, mussten wir nichts mehr ändern. Aber vom ganzen Ablauf her sind wir besser geworden", sagt Hirte. Die Münchner arbeiten beide Vollzeit. Für die Grillen ist nur nach Feierabend und am Wochenende Zeit. "Aber als reines Hobby sehen wir es schon lange nicht mehr", sagt Rasch. Doch ein Herzensprojekt sei es geblieben. "Insekten sind die Nahrung der Zukunft", sagt Rasch, der als Lehrer im Münchner Norden unterrichtet. Seit Jahren beschäftigt sich der 30-Jährige mit Entomophagie - dem Verzehr von Insekten. Es sei nachhaltig und ressourcenschonend. "Aber viele schrecken immer noch zurück, Insekten zu essen", bedauert der Food-Kreateur. Doch ein Umdenken sei seit dem Beginn ihrer Unternehmung sichtbar. "Mittlerweile wissen die meisten, was Entomophagie ist. Da wurde dieses Jahr viel in den Medien berichtet", erzählt Rasch. Die Schweiz hat dieses Jahr Insekten als Lebensmittel zugelassen. Seitdem gibt es in manchen Supermärkten Burger mit Insekten zu kaufen. Eine Veränderung könnte es auch im kommenden Jahr in Deutschland geben, meinen die Münchner. Die Europäische Gemeinschaft aktualisiert die Novel-Food-Verordnung und nimmt Insekten als Lebensmittel auf. "Noch sind unsere Grillen ein Luxusprodukt, weil sie teuer sind. Wir hoffen, dass sich das ändern wird", sagt Mathias Rasch.

Das Ziel für nächstes Jahr sei, die Qualität des Produktes so weit zu verbessern, dass sie es auch in Supermärkten verkaufen können. Dafür müssen die Verpackungen so gestaltet werden, dass die gerösteten Grillen eine längere Haltbarkeit haben. Aktuell werden sie in einem kleinen Laden in Augsburg feilgeboten. Ein Münchner Hotel habe auch schon angefragt - die Grillen soll es als alternativen Snack an der Hotelbar geben. Außerdem wird sich das Team des Duos erweitern. Eine Lebensmitteltechnologie-Studentin aus den Niederlanden wird als Praktikantin das Start-up unterstützen.

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