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Maxvorstadt:Einspruch

Tierärztliche Fakultät der LMU in München, 2014

Stolz: der Torbogen auf dem Gelände der Tierärztlichen Fakultät.

(Foto: Stephan Rumpf)

Eine Petition an den Landtag soll zumindest einen Teil der alten Tierklinik retten

Unter Oppositionspolitikern im Bayerischen Landtag formiert sich Widerstand gegen den geplanten Abriss der Tierklinik-Gebäude am Englischen Garten, die dem neuen Physik-Campus der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) weichen sollen. Die hochschulpolitischen Sprecher von Freien Wählern und SPD haben am Freitag ihre Unterstützung für eine Petition an den Landtag deutlich gemacht, die sich für einen teilweisen Erhalt des Komplexes an der Königinstraße einsetzt. "Es geht nicht darum, das Projekt zu verhindern. Aber man muss überlegen, ob es eine Lösung gibt, die Baudenkmäler nicht abzureißen", sagte Michael Piazolo (Freie Wähler), der auch Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses im Landtag ist. SPD-Hochschulexpertin Isabell Zacharias sieht es als nötig an, "genau hinzusehen, ob man nicht Alt- und Neubauten in eine Harmonie bringen kann".

Die beiden Politiker wenden sich damit gegen die längst auf den Weg gebrachten Pläne für ein Prestigeprojekt des Kultusministeriums. Die Sieger des Architekten-Wettbewerbs stehen seit Januar 2013 fest. Auf dem vier Hektar großen Gelände zwischen Veterinär- und Ohmstraße soll die auf mehrere Standorte verteilte Physik-Fakultät konzentriert werden. Vorgesehen ist ein kompletter Abriss des Altbestandes in mehreren Abschnitten. Das Projekt ist auf bis zu 20 Jahre Bauzeit angelegt und soll einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Dafür muss die Tierärztliche Fakultät abschnittweise nach Oberschleißheim umziehen. Im Dezember 2014 genehmigte der Landtag 26 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt; die Bauarbeiten für das Nano-Institut sind bereits im Gange.

Im vergangenen Herbst meldete sich der Verein Altstadtfreunde zu Wort, um vor allem die Kopfbauten beim Entree zum Englischen Garten zu retten, und formulierte die Petition. Auslöser für das Engagement der Landtagspolitiker ist ein Privatgutachten, das der denkmalschutzfachlichen Einschätzung des Landesamtes für Denkmalpflege widerspricht. In Auftrag gegeben hat es die Anwaltskanzlei Schönefelder, Ziegler und Lehners aus "Privatinteresse", wie es heißt. Entgegen der Ansicht der Behörde schätzt der Verfasser, der emeritierte Architekturprofessor und vereidigte IHK-Sachverständige Florian Zimmermann, sowohl einzelne Bauwerke als auch Teile des Ensembles als Denkmäler ein. "Die meisten Gebäude sind Baudenkmäler aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg", sagte Zimmermann am Freitag. Er hob hervor, dass die Häuser nicht als Denkmäler der ursprünglichen Entstehungszeit zu sehen seien. Die Besonderheit liege darin, "dass in einem Areal verschiedene Facetten des Wiederaufbaus weitgehend unverfälscht und in hoher dokumentarischer Dichte (. . .) überliefert sind", wie er im Gutachten schreibt.

Das Landesamt für Denkmalpflege zeigt sich indes unbeeindruckt von der Expertise. Er hege Sympathien für die Gebäude, sagt der Behördenchef, Generalkonservator Mathias Pfeil. Stadtplanerisch mögen sie erhaltenswert sein, aber eben nicht denkmalschutzfachlich. "Es sind von der Kriegszerstörung stark überformte Gebäude, wie es in München viele gibt", stellt er fest und fügt hinzu: "Eine besondere Art des Wiederaufbaus kann ich hier nicht erkennen." Man könne die Gebäude erhalten, müsse es aber nicht tun. Zacharias und Piazolo wollen sich dennoch für ein Moratorium einsetzen. Nach ihrer Vorstellung sollen sich die Mitglieder des Wissenschaftsausschusses bei einen Ortstermin einen Eindruck verschaffen. "Es muss möglich sein, in aller Ruhe zu überlegen, wie die Physik-Fakultät in den Altbestand integriert werden kann", sagt Piazolo. Zacharias zeigt sich überzeugt: "Wir müssen prüfen, ob und wie wir das hinbekommen. Es ist noch nicht zu spät."