Maxvorstadt:Ein Funke Hoffnung

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Nach einem Besuch des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst des Bayerischen Landtages in der Tierklinik an der Königinstraße setzen die Altstadtfreunde darauf, die Abrisspläne zumindest teilweise verhindern zu können

Von Alfred Dürr, Maxvorstadt

Die Initiative "Altstadtfreunde", die sich für den Erhalt der Tierklinik-Gebäude an der Königinstraße, direkt beim Englischen Garten, einsetzt, schöpft neue Hoffnung. Mitglieder des Landtags-Ausschusses für Wissenschaft und Kunst verschafften sich bei einer Besichtigungstour einen Eindruck von dem Zustand der Nachkriegsbauten. Diese sollen bekanntlich abgerissen werden und in den kommenden Jahrzehnten Zug um Zug einem modernen Physik-Campus Platz machen.

Eine Entscheidung ist bei dem Rundgang zwar nicht gefallen, aber der Ausschussvorsitzende Michael Piazolo (Freie Wähler) machte deutlich, dass für ihn ein Totalabriss nicht infrage kommt. Die Altstadtfreunde sehen darin ein Signal, dass an den bestehenden Plänen noch etwas geändert werden kann.

Die Landtagsdelegation, der neben Piazolo auch die Abgeordneten Robert Brannekämper (CSU), Isabell Zacharias (SPD) und der früher Staatsminister Thomas Goppel (CSU) angehörten, wurde von Demonstranten empfangen. "Kein Abriss - rettet die Tierklinik" forderten sie. Die "städtebaulich herausragenden Gebäude" der Tierklinik prägen seit Jahrzehnten das Bild am Eingang zum Englischen Garten, sagte Florian Grüning von den Altstadtfreunden: "Sie geben ein Gefühl von Heimat." Die Substanz der Häuser sei noch so gut, dass diese weiterhin genutzt werden könnten.

Maxvorstadt: Unübersehbarer Protest: Die Altstadtfreunde kämpfen nicht nur mit Plakaten für den Erhalt der Nachkriegsbauten am Englischen Garten.

Unübersehbarer Protest: Die Altstadtfreunde kämpfen nicht nur mit Plakaten für den Erhalt der Nachkriegsbauten am Englischen Garten.

(Foto: Catherina Hess)

"Wie machen wir einem einfachen Bürger klar, dass er seine schöne alte Haustüre pfleglich behandeln soll, wenn an anderer Stelle der Freistaat mit der Abrissbirne unterwegs ist und intakte Altbausubstanz vernichtet?", fragte Grüning. Es sei keine Lösung, wenn am Englischen Garten "moderne Gebäudemaschinen" entstünden.

Die Forschungslabors des künftigen Physik-Campus der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) könnten nicht in den alten Gebäuden der Tiermedizin untergebracht werden, sagte LMU-Präsident Bernd Huber den Vertretern des Landtages; die Tiermediziner werden deshalb nach Oberschleißheim in moderne Gebäude umziehen. Damit wird das Areal am Englischen Garten frei für eine neue Nutzung. Insgesamt acht Komplexe sollen entstehen. Den Auftakt bildet das sogenannte Nano-Institut, das derzeit im Bau ist.

"Die jetzigen Gebäude wirken wie Riegel am Rand des Parks; künftig wird es attraktive Übergänge in den Englischen Garten geben", sagte Joachim Braun, der Dekan der LMU-Tiermediziner. Das überzeugt die Gegner allerdings nicht. Die Gebäude der Tiermedizin seien ein besonders anschauliches Beispiel aus der Zeit des Wiederaufbaus in München, sagt der Architekturexperte Florian Zimmermann. Er hat in einem ausführlichen Gutachten herausgearbeitet, welche besonderen Qualitäten seiner Ansicht nach verloren gehen, wenn alles Bestehende abgerissen wird.

Maxvorstadt: Überzeugungsarbeit: Denkmalpfleger Körner (rechts) erläutert die Innenarchitektur.

Überzeugungsarbeit: Denkmalpfleger Körner (rechts) erläutert die Innenarchitektur.

(Foto: Catherina Hess)

Der Generalkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, räumte bei der Besichtigung ein, dass die Trakte "einen gewissen Charme" hätten, aber nach objektiven Kriterien keine Denkmaleigenschaft vorliegt. Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg seien die Häuser "pragmatisch wieder instandgesetzt" worden; man könne nicht "inflationär alles auf die Denkmalliste setzen", was nach dem Krieg wieder aufgebaut worden sei. Auch Burkhard Körner, der im Landesamt unter anderem für München zuständig ist, erkennt keine herausragenden Qualitäten: "Ein schönes Treppenhaus ist zu wenig, um gleich das ganze Gebäude als Denkmal auszuweisen."

Als Grundeigentümer müsse der Freistaat Bayern nun eine Kompromisslösung vorlegen, fordert Michael Piazolo. Zumindest Teile der Bauten sollten also erhalten bleiben. Auch Isabell Zacharias ist der Ansicht, dass genau untersucht werden müsse, was stehen bleiben kann. Robert Brannekämper warnt davor, den Flair des Ortes aufs Spiel zu setzen: "Da muss es Zwischenlösungen geben." Nun werde man ausloten, was an den Plänen für den Physik-Campus noch geändert werden könne, sagte Piazolo am Ende des Rundgangs.

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