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Maxvorstadt:Das Kino-Open-Air auf dem Königsplatz fällt wohl aus

Kino-Open-Air auf dem Königsplatz in München, 2013.

Seit 22 Jahren ist das Open Air fester Bestandteil des Münchner Festkalenders - an guten Tagen kamen 10 000 Besucher.

(Foto: Florian Peljak)
  • In diesem Jahr wird es wohl kein Kino-Open-Air am Königsplatz geben, obwohl es bereits angekündigt ist.
  • Grund für die Absage sind Finanzierungsschwierigkeiten.
  • Wie es in den kommenden Jahren weitergeht, ist noch unklar.

So richtig hatte er damals nicht damit gerechnet, dass Christian Ude mitmachen würde. Alexander Wolfrum, im Jahr 1994 gerade in den Anfängen seiner heutigen Tätigkeit als Veranstalter, fragte beim Oberbürgermeister an, ob man nicht auf dem Königsplatz ein Open-Air-Kino abhalten könne.

Ude sagte: Mach. So kamen vor 23 Jahren zum ersten Mal Besucher in den Genuss, in der Abendsonne auf die Propyläen zu schauen, mit einem Getränk auf den Stufen der Glyptothek oder auf dem Kopfsteinpflaster der Straße einem Kinofilm zu folgen.

Doch nun, 400 000 Besucher später, wird es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kein Kino-Open-Air am Königsplatz geben, obwohl das für den Zeitraum vom 17. bis 25. Juli bereits angekündigt ist. Und wie es in den kommenden Jahren weitergeht, ist noch unklar. Wie kam es dazu, dass eine Veranstaltung, die seit Jahren auf den Lebenswertlisten der Stadt München aufgezählt ist, nun nicht mehr stattfindet?

Dem Veranstalter fehlt nach eigenen Angaben in diesem Jahr ein sechsstelliger Betrag. Zuletzt hatte das Umweltministerium "die Veranstaltung in den Jahren 2015 und 2016 für den Auftakt der Bayerischen Klimawoche genutzt", heißt es aus dem Ministerium, und dafür unter anderem Werbeflächen bei Veranstalter Wolfrum gebucht. Da allerdings der Auftakt der Klimawoche an wechselnden Orten stattfindet, fiel dieser Budget-Posten für 2017 weg.

"Mit so einer Finanzierungslücke macht die Veranstaltung betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr", sagt Wolfrum. Bis Mitte nächster Woche habe man zwar noch Zeit, um einen Sponsor zu finden, allerdings seien erfahrungsgemäß die Budgets der potenziellen Partner lange verplant. "Zu 99 Prozent wird das Open Air in diesem Jahr nicht stattfinden", sagt Wolfrum.

Seine Veranstaltung wurde nach dem erfolgreichen Auftakt 1994 in kurzer Zeit fester Bestandteil des Münchner Sommerkalenders: Zehn Tage im Juli, an denen man "Pulp Fiction", "Fack ju Göhte" oder traditionell am Tag vor dem offiziellen Start zwei Folgen "Monaco Franze" oder "Kir Royal" zur Generalprobe ansehen konnte. An normalen Tagen kamen 6000 Gäste, an guten 10 000 und an Regentagen wurde das Programm einfach verschoben.

Auch wenn seine Agentur Gral mit dem Open Air groß wurde, mache die Veranstaltung heute nur noch etwa ein Prozent des Umsatzes aus, , sagt Wolfrum, "der Agentur geht es besser denn je". Als Alternative planen die Veranstalter nun, zwischen Mitte Juni und Mitte August das ehemalige Mahag-Gelände in der Karlstraße 77 mit Flohmarkt, Food-Markt, Partys und auch einem Filmprogramm zu bespielen. Außerdem soll es ein Bud-Spencer-Spezial geben, "mit Gedächtnisprügelei", sagt Wolfrum mit einem Lächeln, in dem die Enttäuschung über das Scheitern deutlich zu sehen ist.

© SZ vom 24.5.2017/anm
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