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Maximilian Schell im "Weissen Rössl":Blöderweise müssen sie proben

Das heißt, dass man erst in der Reaktion der Umgebung die Bedeutung des Individuums erkenne. Und das kann doch auch dann gelten, wenn die Umgebung Musik macht. Lauter großartige Geschichten. Schell erzählt davon, wie er den Hamlet in Gründgens' Abschiedsinszenierung am Hamburger Schauspielhaus spielte. Wie er mit Robert Altmann am Old Vic in London arbeitete. Wie er in Amerika "Das Urteil von Nürnberg " drehte - dafür erhielt er Oscar und Golden Globe -, mit Marlon Brando zusammen einen Film machte und in den Pausen immer in New York ins Musical ging, in "My Fair Lady" und in die "West Side Story".

Es ist ein Theaterleben, das er hier ausbreitet, in herrlicher Größe. Doch eines, das nicht allein der Vergangenheit angehört. Dafür ist seine Freude, jetzt wieder spielen zu können, zu groß.

"Das Schöne ist das Recherchieren, das Suchen. Es ist wie in der ehemaligen DDR: Es bleibt immer ein Rest von früher." Schell kennt die Orte, an denen sich der Kaiser, den er spielt, aufhielt. Und gerne hätte er noch mehr Material von diesem gesehen. Viele Filmaufnahmen gibt es nicht. Es geht ja dabei gar nicht darum, wie der Kaiser auszusehen. "Man muss einen Bezug zu ihm herstellen." Der Bezug kann eine bestimmte Art zu grüßen sein, die Hand nachlässig an der Hutkrempe. "Findest du die Ursache für dieses müde Grüßen, findest du auch den Gang, die Stimme." Für seinen Kaiser.

Dann fällt ihm Arthur Kutscher ein. Für diesen bestand das Phänomen Theater aus Dreierlei: Stück, Schauspieler, Publikum. Er erhob es zum Gesetz, dass der Regisseur auf der Bühne nichts verloren habe. Worauf Köpplinger mit einer anderen Weisheit kontert: "Das Theater ist als demokratisches Sprachrohr ein höchst hierarchischer Betrieb."

So könnte es ewig weitergehen. Blöderweise müssen die beiden proben, dem herrlichen Hin und Her zwischen Anekdoten. Lebens- und Theaterweisheiten wird so ein professionelles Ende gesetzt. Mitunter beantworten sie sogar eine Frage, nur hat man hinterher vergessen, welche. Eines noch: Zum Abschied aus Klagenfurt spielte Köpplinger den Solopart in einem Haydn-Klavierkonzert, Schell saß in der Loge. Schell hatte einst mit Leonard Bernstein zusammen vierhändig Klavier gespielt.

Bei welcher Gelegenheit? Bevor man dies noch einmal fragen kann, kommt Schells reizende Gattin Iva Mihanovic - sie spielt im "Rössl" die Ottilie - und holt ihren Mann zur Arbeit.