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Umgang mit Maskenpflicht:"Mit Höflichkeit kommt man am weitesten"

Oft hilft schon ein böser Blick, um Menschen dazu zu bewegen, ihre Maske aufzusetzen, sagt Alfred Schmidt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Wie fordert man jemanden in der Öffentlichkeit auf, seine Maske aufzuziehen, ohne dabei oberlehrerhaft zu wirken? Benimm-Trainer Alfred Schmidt rät: nicht gleich vorwurfsvoll werden.

Interview von Lea Arbinger

Man trifft sie überall - Menschen, die trotz Maskenpflicht keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, keinen Abstand halten oder bei denen die Maske grundsätzlich unter der Nase sitzt. Wie man Mitmenschen freundlich auf das Fehlverhalten hinweist, ohne dabei oberlehrerhaft zu wirken, weiß Alfred Schmidt. Er ist seit fast 20 Jahren Benimm-Trainer in München.

Haben Sie selbst schon einmal jemanden darauf hingewiesen, die Maske aufzusetzen?

Alfred Schmidt: Es war tatsächlich schon umgekehrt. Ich bin ohne Maske mit dem Rad am Odeonsplatz unterwegs gewesen. Dann habe ich gemerkt, dass mich einer angestarrt hat, und dachte mir: Das ist eine gute Methode, um jemanden auf die Maskenpflicht aufmerksam zu machen. Mir war in diesem Moment völlig klar, dass dieser Blick heißt: "He, he, he - du hast die Maske vergessen!"

Warum hatten Sie keine Maske auf?

Ich habe es einfach vergessen, das geht sicher vielen Leuten so. Gerade am Anfang ist mir das oft passiert. Es war aber nie Absicht. Die bösen Blicke von anderen haben mich dann meistens daran erinnert.

Ein böser Blick hilft also?

Bei mir schon. Meistens sind die Blicke ja eindeutig. Trotzdem wird das nicht bei jedem funktionieren.

Was dann?

Ich würde nicht vorwurfsvoll sagen: "Sie haben keine Maske auf." Besser wäre: "Warum haben Sie denn keine Maske auf?" Ich gebe meinem Gegenüber damit die Chance, zu sagen, dass er schlicht vergessen hat, die Maske aufzusetzen. Ich gehe vom Besten aus und nicht davon, dass ich es mit einem Maskenverweigerer zu tun habe. Eine andere Möglichkeit wäre, einfach auf die eigene Maske zu deuten. Damit blamiere ich den anderen nicht, weil seinen Fauxpas nicht gleich jeder mitbekommt.

Und wenn das nichts bringt?

Meine Partnerin erklärt dann: "Wissen Sie, ich habe eine pflegebedürftige Mutter, die schon recht alt ist. Ich bin deswegen sehr vorsichtig." Bisher hat sie noch nicht erlebt, dass jemand die Maske trotzdem nicht aufgesetzt hat. Was auch helfen kann, ist: "Wir sind uns ja beide einig, dass wir nicht krank werden wollen - ob mit Grippe oder Corona. Wir sind bloß unterschiedlicher Meinung, was die Maskenpflicht betrifft."

Diskutieren Sie mit Maskenverweigerern?

Nein, grundsätzlich diskutiere ich nicht über irgendwelche Gesetze. Will doch jemand diskutieren, sage ich schlicht: "Ich habe eine andere Meinung. Ich setze die Maske auf, weil ich mich und andere schützen will." Dann verabschiede ich mich und gehe. Mit Freundlichkeit und Höflichkeit kommt man am weitesten.

© sz.de/imei/van

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