Masern-Epidemie:Riskante Ignoranz

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Sie heißen auch "die kleine Pest": Masern. Sie sind gefährlich und breiten sich in München aus. Eine Impfung würde helfen. Doch gerade in angeblich aufgeklärten Kreisen gibt es viele Vorurteile dagegen. Eine Fehleinschätzung, die lebensbedrohlich werden kann.

Werner Bartens

Wissen kann man es längst: Masern sind nicht harmlos, sondern gefährlich - und sie werden noch immer unterschätzt. Dabei verdeutlicht der Fachbegriff für die Infektion, wie dramatisch die Krankheit verlaufen kann: Morbilli heißt so viel wie "kleine Pest". Bei immerhin bis zu 20 Prozent der Infizierten treten lebensbedrohliche Komplikationen auf - am häufigsten Lungenentzündungen. Einer von 1000 Masernfällen geht sogar mit einer Hirnhautentzündung einher; jede vierte davon verläuft tödlich. Ganz selten leiden Kinder Jahre nach der Masernerkrankung an der schweren Hirnentzündung SSPE, die immer tödlich endet.

Dabei wäre Vorbeugung so einfach: Eine Impfung im zweiten Lebensjahr und eine zweite Impfung wenige Wochen danach bieten langfristig Schutz und bergen kaum Risiken. Doch gerade in angeblich aufgeklärten Kreisen ist eine skeptische Haltung gegenüber Impfungen verbreitet.

Aus Halbwissen und Vorurteilen entstehen Mythen rund ums Impfen, die lebensgefährlich sind. Einige Eltern und fahrlässige Kinderärzte glauben immer noch, es sei besser, die Krankheit "durchzumachen" als geimpft zu werden. Um in den vermeintlichen Nutzen einer Infektion zu kommen, werden sogar "Masern-Partys" veranstaltet.

Ein weiterer unausrottbarer Irrglaube besteht darin, dass die Krankheit ungefährlich sei - anders als die Impfung, der schreckliche Komplikationen nachgesagt werden. Dabei ist erwiesen, dass die Impfung ungleich harmloser ist als die Erkrankung.

Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, geimpfte Kinder würden Schwangere anstecken und öfter an Autismus oder der Darmentzündung Morbus Crohn erkranken. Diese irrige Vermutung ist längst widerlegt und als Fälschungsskandal in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen. Wenn Eltern und Ärzte von der Masern-Impfung abraten, ist das nicht umsichtig, sondern zeugt von riskanter Ignoranz.

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