Martinsried Umstrittenes Zentrum

Buntes Spektakel

Martinsried - Der Martinsplatz in der neuen Ortsmitte steht im Mittelpunkt der Festivitäten am Samstag, 18. Mai. Sein Name war von der Mehrheit der rund 3200 Bürger ausgewählt worden, die sich an der Namenssuche beteiligt hatten. Um 15 Uhr ist die offizielle Namensenthüllung, zugleich wird der Brunnen in Betrieb genommen, Straßenmusiker und Stelzenläufer treten auf, es gibt ein buntes Kulturprogramm. Die Gastronomen rund um den Platz beteiligen sich, ebenso viele der Unternehmen, die sich rund herum angesiedelt haben. Die Röntgenstraße wird ganztägig gesperrt.

"Mir war es wichtig, den Martinsplatz nicht nur einfach einzuweihen, sondern ihn gleich so richtig mit Leben zu füllen", sagt der Planegger Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) und verspricht: "Das Fest wird wirklich etwas Besonderes sein, das wir in dieser Form noch nie gemacht haben - ein buntes Spektakel, bei dem man richtig feiern, aber auch einfach die Seele baumeln lassen kann." rar

Nicht alle halten die neue Ortsmitte für gelungen, die am Samstag offiziell eröffnet wird

Von Rainer Rutz, Martinsried

Wenn die Gemeinde Planegg zusammen mit den Bürgern am Samstag, 18. Mai, offiziell die Eröffnung der neuen Ortsmitte von Martinsried feiert (siehe Kasten), liegen hinter Politikern und Planern fast 20 Jahre intensiver Gedankenspiele, wie man dem Wissenschaftsstandort Martinsried, einst ein Bauerndorf, ein modernes Zentrum geben könnte. Rund 4000 der damals 10 000 Einwohner Planeggs lebten um die Jahrtausendwende in Martinsried, heute sind es mehr als 5000 von rund 11 000 Einwohnern. Zählt man die Studenten, Wissenschaftler und Gewerbetreibenden hinzu, die jeden Tag meist von München kommend in den Campus-Vorort pendeln, erhöht sich die Zahl um einige Tausend Menschen.

Es waren die Gemeinderäte der Gruppe 21/Grüne, wie sie damals noch hieß, die das Thema Ortsmitte auf die Agenda brachten und immer wieder nachhakten. Massenweise Anträge auf Bürgerversammlungen und Aktivitäten zweier Bürgerinitiativen brachten das Thema schließlich in den Gemeinderat.

Ein Architekturwettbewerb mit breiter Bürgerbeteiligung führte 2012 schließlich zu einem Masterplan, gewissermaßen ein Fahrplan für die Zukunft des Planegger Ortsteils. Heute hat sich der Ort grundlegend verändert: Ein Teil der Röntgenstraße ist verschwunden, entstanden sind monolithische Häuserblöcke mit ausgesprochen städtischem Charakter, neue Parkplätze, Kreisverkehre, aber auch ein Zentrum zum Verweilen mit einem Brunnen, einem Spielplatz und einem Café. Diverse Läden sollen die Grundversorgung sichern, alles in allem ein ausgesprochener Kontrapunkt zum nur zweihundert Meter entfernt liegenden idyllischen Kirchplatz mit St. Martin. So heißt auch der Platz, der im Mittelpunkt der Feierlichkeiten am Samstag stehen wird.

Noch ist es zu früh, ein endgültiges Urteil über das Zusammenspiel von moderner Architektur und Funktion zu fällen. Zurzeit wirkt die gesamte Ortsmitte, trotz der vielen Anpflanzungen grau in grau, sieht der Betrachter Tausende Pflastersteine, versehen mit viel Beton. Aber das werde sich ändern, versprechen die Planer, dann, wenn alles eingegrünt ist und die letzten Bauarbeiter verschwunden sind.

Die "Bürgerinitiative Planegg-Martinsried" (BPM), die schon im Vorfeld heftige Kritik an der künftigen Gestaltung übte, sieht sich jetzt bestätigt. "So gut wie nichts zu tun mit dem ursprünglichen Masterplan" habe die Ortsmitte nun, sagt Vorsitzende Barbara Gutmann, die nach eigenem Bekunden ständig mit rund 500 Martinsrieder Bürgern in Kontakt steht. Es fehle das zugesagte "Haus der Bürger" und der ebenso versprochene "grüne Markt" westlich des Kopfbaus. Man habe "das Baurecht in der Ortsmitte auf ein Höchstmaß ausgereizt". Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) wiegelt ab: Man plane einen Wochenmarkt und sei bereits mit Obst- und Feinkosthändlern im Gespräch. Über einen Versammlungsraum sei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Kopfzerbrechen bereitet Hofmann nach eigenem Bekunden allerdings der starke Verkehr. Man wolle versuchen "den Durchgangsverkehr in der Röntgenstraße auf Höhe des Einkaufsbereichs zu vergrämen, damit dieser, wie gewünscht, die Fraunhoferstraße nutzt". Im Übrigen verweist der Bürgermeister darauf, dass "der halbe Verkehr hausgemacht" sei, also von den Martinsriedern selbst stamme. Man sei aber "am Problem dran". Hofmanns Hoffnung gründet sich auch auf die geplante kleine Umgehungsstraße, für die gerade wieder einmal ein Teilgutachten erstellt wird. Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen.