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Nachruf:Vielseitig begabt, treu der Musik

Trompeter, aber auch erfolgreich als Gitarrist, Bassist, Krimi-Autor und langjähriger Musiker beim Lach- und Schieß-Ensemble: Martin Spiegelberg.

(Foto: Markus Krämer)

Zum Tod des Trompeters und Krimi-Autors Martin Spiegelberg

Von Oliver Hochkeppel

Sein Leben war die Musik. Aber Martin Spiegelberg, geboren 1955 in Hamburg, dann in Marburg und Stuttgart aufgewachsen, wurde später auch ein Mann des Wortes. Am Anfang stand freilich die Begeisterung für den Jazz, die sich 1975 in der Gründung der Band Kitty Winter Gipsy Nova mit Stuttgarter Schulfreunden niederschlug. Das zwischen traditionellem Jazz, Blues, Gypsy Swing und Bossa Nova stehende Projekt lief prächtig an, schon ein Jahr später gewann man den Sonderpreis beim Jazznachwuchswettbewerb in Nagold, sodass sich Spiegelberg 1977, nach Abitur und Zivildienst, entschloss, Berufsmusiker zu werden.

Vielseitig wie er war, spielte er in vielen Bands der schwäbischen Szene, bis er 1983 der Begleiter der tschechoslowakischen Chansonsängerin Hana Hegerova wurde, die als "Edith Piaf aus Prag" nicht nur in ihrer Heimat ein Star war. Dabei muss ihn wohl Sammy Drechsel entdeckt haben, der nimmermüde Gründer und Chef der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Ein Anruf von ihm lenkte Spiegelbergs Leben in eine neue Richtung. Ob er nicht als Musiker ans berühmte Haus kommen wolle, fragte Drechsel, und Spiegelberg wollte, zog 1985 nach München, das fortan seine Wahlheimat werden sollte, begleitete die Programme des Ensembles, oft als musikalischer Leiter, und vertonte zahlreiche Texte von Werner Schneyder, Henning Venske oder Klaus Peter Schreiner. Bis 1998 blieb er dem Laden treu, bis zur größten Krise, die dann etwas später mit Ensemblepause, Umbau und Neuaufstellung endete.

Vielleicht von diesen Turbulenzen inspiriert, begann Spiegelberg erfolgreich Krimis zu schreiben, Kurzgeschichten und vor allem Regionalkrimis, lange, bevor das groß in Mode kam. Doch der Musik blieb er treu, trat in der Münchner Region regelmäßig auf, etwa mit dem Art Jazz Trio, den Flying Dixie Dogs oder Alexanders Jazzband. Oft mit dem Geiger Marcus A. Woelfle, der ihn nicht nur als Musiker schätzte, sondern auch als "einen der feinsten und besten Menschen, die ich zu meinen Freunden zählen durfte". Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Martin Spiegelberg am 3. Juli nach schwerer Krankheit 65-jährig in München gestorben.

© SZ vom 16.07.2020

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