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Marode Hochschule für Musik:Wasser im "Führerbau"

Die Musikhochschule München hat einen hochrangigen Mitarbeiter suspendiert.

Die Außenwände sind ramponiert: Zum Teil wurden hier Kriegsschäden konserviert, dann aber zeigt sich schlicht der Verfall.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Das Hauptgebäude der Münchner Hochschule für Musik und Theater ist dringend sanierungsbedürftig.
  • Jetzt zeichnet sich eine mögliche Generalsanierung des früheren "Führerbaus" der Nationalsozialisten ab.
  • Die Hochschule muss sich weiterhin in Geduld üben - sie ist eine der letzten in ganz Deutschland, die in den vergangenen Jahren nicht erneuert und modernisiert wurde.

Das Wasser kommt von oben, und es kommt von unten: Bei starkem Regen drückt es durch die Mauern in den Keller, die Wände sind fleckig, nicht nur hier. Unter dem Dach ist die Decke durchfeuchtet, Steinteile bröckeln von den Gesimsen, im Grunde bröckelt es am gesamten Gebäude. Auch die Leitungen sind marode, und viele Fenster sind undicht, Scheiben sitzen locker, zum Teil so locker, dass sie in die Räume zu kippen drohen. Seit Jahren klagt die Hochschule für Musik und Theater über die Schäden an ihrem Hauptgebäude, dem früheren "Führerbau" der Nationalsozialisten an der Arcisstraße. Jetzt zeichnet sich zaghaft eine mögliche Generalsanierung ab - doch die Hochschule braucht weiterhin Geduld: Bis die Arbeiten beginnen könnten, würden im günstigsten Fall noch immer mindestens zweieinhalb Jahre vergehen.

Hochschule für Musik und Theater Holde Kunst, braune Folie
Nazibau am Münchner Königsplatz

Holde Kunst, braune Folie

Einst "Führerbau", dann Treffpunkt für Neonazis, heute Hochschule für Musik und Theater: Das monumentale Bauwerk am Münchner Königsplatz ist ein beliebter Drehort für Filme - vor allem solche, die im Dritten Reich spielen.   Von Michael Ortner

Wenn Bernd Redmann demonstrieren will, in was für einem Zustand sein Gebäude ist, dann muss er nur die Hand ausstrecken. Seit einem knappen Jahr ist der Komponist und Musikwissenschaftler Präsident der Musikhochschule. Und seit Kurzem liegt auf dem Schreibtisch seines Eckbüros im zweiten Obergeschoss der Kopf einer Venus-Statue aus Gips. Der zugehörige Torso steht in der Ecke. "Das Fenster", sagt Redmann. Als der Sturm Niklas vor wenigen Wochen über München hinwegfegte, hielt das Fenster dem Wind nicht stand. Es flog auf, der Griff prallte gegen die Gipsfigur - und köpfte sie.

Es geht nicht ohne Gelassenheit

Redmann nimmt es gelassen. "Die Figur war offenbar schon einmal geklebt", sagt er. Aber dann erzählt er vom Alltag in der Musikhochschule, beispielsweise von spontanen Stromausfällen oder davon, dass der Wasserdruck an manchen Tagen nicht für das zweite Obergeschoss reiche, dann ziehe Toilettengestank durch die Räume. Oder er berichtet von den Dreharbeiten der benachbarten Filmhochschule zuletzt: Als die Filmer das Flutlicht einschalteten, stürzte der Server der Musikhochschule ab, die Elektrik hatte den plötzlichen Spannungsunterschied im Netz nicht verkraftet. Die Webseite der Hochschule war stundenlang nicht erreichbar.

Der ehemalige "Führerbau" an der Arcisstraße, früher ein Repräsentationsgebäude der Nationalsozialisten, ist dringend sanierungsbedürftig.

(Foto: Stephan Rumpf)

Es gäbe noch viel mehr zu erzählen. Im vergangenen Jahr etwa wollte eine Studentin eines der oberen Fenster in der Bibliothek der Musikhochschule öffnen, da fiel die Fensterscheibe herab, die Studentin musste zur Seite springen. Die gekachelten Wände der Männertoiletten im ersten Obergeschoss sind brüchig, an manchen Stellen kann man durch Lücken in den Fliesen in die Kabinen sehen. Und wenn es stark regnet, dann steigt das Grundwasser derart an, dass regelmäßig der Keller unter Wasser steht. Die Musikhochschule lagert hier unten unter anderem Musikinstrumente.

Immerhin dieses Problem soll nun kurzfristig behoben werden: Der Freistaat Bayern hat drei Millionen Euro für eine Sofortmaßnahme bewilligt. "Sofort", das heißt: Das Staatliche Bauamt wartet noch die Einweihung des neuen NS-Dokumentationszentrums nebenan ab. Dann, vom 4. Mai an, lässt die Behörde Dichtwände ins Erdreich treiben, um die Musikhochschule trockenzulegen. Wenn alles fertig ist, steht das Gebäude in einer Art Wanne - und wartet weiter auf seine Sanierung.