„Ich nenne ihn den größten Mäzen Bayerns“, sagt der Kunstminister voller Freude und macht Platz am Rednerpult für Markus Söder (CSU), den Ministerpräsidenten. Freilich wissen alle im Publikum, dass da was nicht ganz stimmen kann. Schließlich gibt es doch den Haushaltsausschuss im Landtag, der immerzu allerlei Geldsegen erst bewilligen muss. Und überhaupt, ist und bleibt nicht der Steuerzahler der größte Mäzen im Freistaat? Oder ist Söder nicht auch ein Steuerzahler, und hat Markus Blume (CSU) deshalb vielleicht sogar recht, einfach mal so pars pro toto gedacht?
Bevor sich durch derlei Grübeleien all die Museumsdirektoren, Hochschulpräsidentinnen, Tänzer, Autorinnen, Künstler, Musiker samt Leslie Mandoki und Schauspielerinnen wie Veronika Ferres die Köpfe verwirren lassen, feiern sie lieber. Dazu sind sie schließlich eingeladen worden zu dieser Kultur Sommer Lounge im Haus der Kunst. Und die hat sich seit ihrer Premiere 2022 zu einem der nettesten alljährlichen Feste Bayerns entwickelt. In lauen Sommernächten geht sie auf der Terrasse hinterm Haus, unweit den Surfern auf der Eisbachwelle, bis in die Puppen.
Zu den Ritualen dieses Fests gehört, dass Ministerpräsident und Minister wichtige kulturelle Auszeichnungen vergeben. Und siehe da, in diesem Jahr sind zwei zweifelsfrei große Mäzene unter den Geehrten: Eva-Maria Fahrner-Tutsek, die Gründerin der Alexander-Tutsek-Stiftung, die unter anderem das Haus der Kunst unterstützt, und Stefan Vilsmeier, der Gründer von Brainlab.

Vilsmeier gehört doppelte Aufmerksamkeit an diesem Abend, hat er doch erst vor wenigen Tagen den Börsengang seines weltweit agierenden Medizintechnologie-Unternehmens verschoben. Oder hat er ihn gar ganz abgesagt? Er lächelt sein besonderes Lächeln und antwortet im Getümmel nonchalant: „Es wird sich zeigen. Man muss immer einen Plan B haben.“
Stefan Vilsmeier ist Experte dafür, das lässt sich auch an seiner Vita ablesen. Sein Studium an der Technischen Universität München (TUM) hat der heute 57-Jährige damals abgebrochen, weil er im ersten Semester bereits seine Firma gegründet hatte. Das Geld dazu hatte er sich als 19-Jähriger verdient. Mit einem Buch über die Konstruktion von 3D-Objekten und als Autodidakt in der Programmierung jener Commodore-64-Computer, die unsereins lediglich zum Spielen von „Last Ninja“ und „Bubble Bobble“ nutzte.

Und doch war die Welt der Rechner Stefan Vilsmeier, der in Poing bei München aufgewachsen ist, nie genug. Er sammelt Kunst und hat sich früh für die Musik interessiert. „Ich habe Klarinette gespielt. Ganz gut, dachte ich, bis ich mich in einem Ensemble als dritte Klarinette beworben habe“, sagt er, „da merkte ich, ich bin höchstens Mittelmaß.“ Das stimmt natürlich nicht. Stefan Vilsmeier, der seit Jahren die Bayerische Staatsoper unterstützt, kann einfach nur anderes noch besser.
Markus Blume formuliert das so: „Stefan Vilsmeier ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Wissenschaft und Kunst einander bereichern und stärken.“ Mit seinem Unternehmen Brainlab habe er die physische mit der digitalen Welt „verschmolzen“ und ein neues Kapitel im Kampf gegen lebensbedrohliche Krankheiten aufgeschlagen. Mittlerweile sitzt er im TUM-Hochschulrat. Wenn nicht gerade in der Oper. „Wir haben unseren Fernseher abgeschafft“, hat Vilsmeier einmal erzählt. „Wenn ich in München bin, bin ich im Nationalthater.“
Blume überreicht ihm folgerichtig ebenfalls die Auszeichnung „Pro Meritis Scientiae et Litterarum“. Sie besteht in einem kleinen Bronze-Relief, das beidseitig zu betrachten ist und symbolisiert: Wissenschaft und Kunst sind zwei Seiten derselben Medaille.

