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Marionettentheater:Die nackte Wahrheit

Der Kaiser legt größten Wert auf seine Garderobe. Das weiß auch sein Minister, der Mühe hat, bei ihm Gehör zu finden.

(Foto: Münchner Galerie Theater)

Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene haben ihren Spaß mit dem nackten Kaiser. Das Heppel & Ettlich zeigt das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" als Puppenspiel.

Von Barbara Hordych

Ein Kaiser liebt nichts so sehr wie schöne, neue Kleider. Statt auf Ratsversammlungen zu gehen, steht er vor dem Spiegel und probiert seine Garderobe aus. Eines Tages kommen zwei Betrüger. Sie behaupten, dass sie den wunderbarsten Stoff weben und daraus die herrlichsten Kleider nähen könnten.

Aber diese Kleidungsstücke seien für Leute, die dumm sind, unsichtbar. Um nicht als dumm zu gelten, bewundern alle die nicht vorhandenen Kleider. Erst als der Kaiser stolzen Hauptes splitternackt durch die Straßen stolziert, ruft ein kleines Kind: "Er hat ja gar nichts an!". Und nun verbreitet sich die Wahrheit über des Kaisers Nacktheit wie ein Lauffeuer. . .

"Gerade die Münchner fallen ja gerne auf solche Versprechungen herein", sagt Manuela Clarin und lacht. Gemeinsam mit ihrem Partner Ingmar Thilo vom Münchner Galerie Theater brachte sie 2010 Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" als Marionettentheaterspiel auf die Bühne. An diesem Wochenende zeigen sie die Produktion erneut im Heppel & Ettlich. Warum gerade dieses Stück?

"Nicht nur die Kinder haben ihren Spaß mit dem nackerten Kaiser, auch die Erwachsenen amüsieren sich prächtig", sagt Clarin. Sie seien sogar schon von Großeltern, die mit ihren Enkeln die Aufführung besuchten, für private Jubiläumsfeiern engagiert worden. Dabei ist die Zahl der Darsteller begrenzt. "Nur der Kaiser und seine zwei Minister sind bei uns Marionetten", sagt Clarin. Sie und Ingmar Thilo wechseln sich als Erzähler ab, wobei sie sich ganz eng an Andersens Vorlage halten.

In die betrügerischen Weber verwandeln sie sich, indem sie sich Mützen aufsetzen. "Die Kinder müssen also schon aufpassen, um zu verstehen, wer jetzt gerade an der Reihe ist und spricht", sagt Clarin. Bei der Figur des Kindes, das als einziges wagt, die "nackte Wahrheit" auszusprechen, ließ sie sich von Stoffpuppen inspirieren, wie sie die Teilnehmer ihrer Kurse "Kinder machen Theater" in Neuperlach bauten. "Deren Gesichter fanden wir so toll - da dachten wir, unsere Figur soll auch so aussehen, wie Kinder sie sich vorstellen".

Des Kaisers neue Kleider, Fr., 19. bis So., 21 Mai, 16 Uhr, Heppel & Ettlich, Feilitzschstr. 12,089/181163

© SZ EXTRA vom 18.05.2017/amm
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