Prozess um versuchten Totschlag30-Jähriger soll Dealer Schraubenzieher in die Brust gestochen haben

Lesezeit: 2 Min.

Verhandelt wird der versuchte Totschlag im neuen Strafjustizzentrum in der Dachauer Straße.
Verhandelt wird der versuchte Totschlag im neuen Strafjustizzentrum in der Dachauer Straße.
Foto: Florian Peljak

Ein Sprachlehrer soll sich in einen Streit um die Qualität von Marihuana eingemischt und einen Mann attackiert haben. Vor Gericht spricht er von einer „Torheit“.

Von Andreas Salch

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Ihm sei klar gewesen, sagt Jan S., dass er sofort verhaftet werden würde, sobald er zurück nach Deutschland kommt. Schließlich lag ein Haftbefehl gegen ihn vor. Im November 2023 hatte sich S. nach Iran zu Verwandten abgesetzt. Doch im vergangenen Jahr, Ende September, kehrte er zurück nach München – und wurde, wie er es erwartet hatte, von der Polizei festgenommen. Nun muss sich der 30-jährige Sprachlehrer wegen versuchten Totschlags vor einer Schwurgerichtskammer am Landgericht München I verantworten.

Ob er seinen Entschluss, wieder nach Deutschland zu kommen, schon bereut habe, erkundigte sich der Vorsitzende Richter Markus Koppenleitner bei Jan S. zum Auftakt des Prozesses. „Bis jetzt nicht, noch nicht“, lautete die Antwort. In der Nacht des 2. November 2023 soll S. einem Dealer in Giesing auf offener Straße zunächst zwei Faustschläge ins Gesicht versetzt und ihm anschließend einen Schraubenzieher „mit undosierter Wucht in den linken Brustbereich“ gestochen haben, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Vor der mutmaßlichen Attacke hatte ein Freund von Jan S. bei dem Dealer ein Kilogramm Marihuana zum Preis von 5300 Euro gekauft. Doch das Gras sei „absoluter Schrott“ gewesen, so der 30-Jährige. Sein Freund soll sich deshalb bei dem Dealer beschwert und ein weiteres Treffen vereinbart haben, mit dem Ziel, das Geschäft rückgängig zu machen.

Nur gut zwei Stunden nach der Übergabe kam der Dealer zur Wohnung seines Kunden in Untergiesing. Der wartete bereits auf der Straße. Mit dabei ein Freund und Jan S. Es kam zu einem Streit über die vermeintlich schlechte Qualität des Marihuanas. Obwohl er mit dem Drogengeschäft eigentlich nichts zu tun hatte, soll Jan S. maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Situation immer mehr eskalierte.

In einer Erklärung, die sein Verteidiger, Rechtsanwalt Maximilian Pauls, für ihn abgab, räumte Jan S. die beinahe tödliche Attacke auf den Dealer ein. Da dieser sich gegenüber seinem Freund bei dem Streit über die Qualität des Marihuanas „verächtlich“ geäußert habe, sei er, so S., wütend geworden. Weil der Dealer nach den Faustschlägen auf ihn losgegangen sei, habe er diesem „spontan“ mit einem Schraubenzieher in den Bauch stechen wollen. Dass der Stich tatsächlich in die Brust ging, sei nicht beabsichtigt gewesen. Er habe in diesem Augenblick stark unter Adrenalin gestanden, behauptet Jan S. in seiner Erklärung. Außerdem habe er vor der Tat über den Tag verteilt 1,5 Gramm Kokain geraucht.

Auf die Frage von Richter Koppenleitner, warum er sich in den Streit um die angeblich schlechte Qualität überhaupt eingemischt habe, antwortete Jan S., der auffallend besonnen wirkt und es versteht, sich äußerst gewählt auszudrücken: „Es war eine Torheit.“ Nach der Attacke auf den Dealer flüchteten der 30-Jährige und die beiden anderen jungen Männer.

Jan S. ist sechsmal vorbestraft und verbüßte auch schon Haftstrafen. Bei zwei Taten ging es ebenfalls um Drogengeschäfte, bei denen er mit einem Schraubenzieher auf andere losgegangen war. Ob er nichts gelernt habe aus seinen Vorverurteilungen, wollte Richter Koppenleitner von dem 30-Jährigen wissen, worauf dieser antwortete: „Damals war ich jung, heute bin ich erwachsen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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