Süddeutsche Zeitung

Nach Hundekot-Attacke:"Respektvoller Künstler"

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Das Bayerische Staatsballett erklärt, warum es an der Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Choreografen Marco Goecke festhält.

Von Jutta Czeguhn

Als Ballettdirektor der Staatsoper Hannover hat Marco Goecke nach seiner Hundekot-Attacke auf Journalistin Wiebke Hüster inzwischen seinem Hut genommen. Im gegenseitigen Einvernehmen und mit sofortiger Wirkung, so Hannovers Intendantin Laura Berman am Donnerstag. Bei der Frage, ob man ihn dort noch einmal als Choreografen engagiert, will sich das Haus nicht festlegen. Seine Stücke werde man allerdings weiterhin zeigen.

Auch das Bayerische Staatsballett will Goeckes Arbeiten im Programm halten. In der jüngsten Stellungnahme der Direktion aus dem Probenhaus am Münchner Platzl heißt es, dass man Goeckes tätlichen Angriff auf die Kritikerin "ausdrücklich" verurteile. "Diese Handlung ist in jeder Hinsicht inakzeptabel. Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Sie muss ohne Einschränkungen und von allen respektiert und verteidigt werden."

Das Bild, das man bislang in München von Goecke hatte, lässt sich aber offenbar nur sehr schwer mit dem zusammenbringen, was am 11. Februar im Foyer der Staatsoper Hannover geschehen ist. "Im Verlauf der Neukreation "Sweet Bones' Melody" im Frühjahr 2022 haben wir Marco Goecke als äußerst verantwortungs- und respektvollen Künstler kennen gelernt. Die tägliche Zusammenarbeit mit ihm wurde vom ganzen Ensemble sehr geschätzt", erklärt Annette Baumann, Sprecherin des Bayerischen Staatsballetts. Nach Gesprächen mit den Produktionsbeteiligten habe die Theaterleitung nun beschlossen, die beiden Werke "Sweet Bones' Melody" aus der Produktion "Passagen" und "All Long Dem Day", das im Sommer 2023 im Rahmen von "Sphären.01" zu sehen sein wird, im Programm zu belassen.

"All Long Dem Day" ist laut Baumann eine von Marco Goecke 2015 speziell für Nachwuchstänzerinnen und -tänzer geschaffene Choreografie, die von einem Ballettmeister einstudiert und vom Bayerischen Junior Ballett München präsentiert wird. Das Stück sei Teil des neuen Konzeptes des "Sphären"-Programms. Dieses ziele unter anderem darauf ab, nicht nur den choreografischen Nachwuchs zu fördern, sondern bei der aktuellen Ausgabe auch die Münchner Junior Compagnie einzubinden. Die weiteren Stücke des "Sphären"-Abends gestalten die von Marco Goecke zusammen mit Staatsballett-Direktor Laurent Hilaire im Vorfeld ausgewählten Choreografen Franz Diaz, Nicolas Paul und Ondřej Vinklát. Die Probenarbeit, so Baumann, habe bereits begonnen. Premiere von "Sphären.01" ist am Freitag, 23. Juni, im Prinzregententheater.

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