Marathon Das andere Rennen

Das Siegestor so nah, das Ziel noch so weit entfernt: Teilnehmer des 33. München Marathons bei ihrem Lauf durch die Innenstadt.

(Foto: Claus Schunk)

Zum 33. Mal gehen Läufer in der Landeshauptstadt auf die 42,195 Kilometer lange Runde. Die wenigsten der gut 21 000 Teilnehmer haben Spitzenleistungen im Sinn.

Von Nico Horn

Schon einige Minuten vor dem Start wuselten die Läufer auf dem Coubertinplatz umher. Marathon-Neulinge konnten da schnell den Überblick verlieren: Wer seine Mitstreiter auf der Suche nach der richtigen Startgruppe nicht verlieren wollte, nahm sich also an den Händen oder demonstrierte seine Vorfreude mittels einer improvisierten Polonaise. Einige Zuschauer hatten Plakate gebastelt und versuchten so, Bekannte oder Verwandte auf sich aufmerksam zu machen. "Go Go, Jojo" hatte eine Gruppe etwa auf ihr Schild geschrieben und damit bestimmt gleich mehrere Dutzend Teilnehmer des 33. München Marathons angefeuert.

Diese Geste fasste das alljährliche Motto des größten Ausdauerrennens in Bayern (nach dem Landtagswahlkampf) recht passend zusammen: Es ist ein Wettbewerb für Jedermann, nicht für die Elite um Weltrekordler Eliud Kipchoge, die sich seit Jahren viel lieber in Berlin versammelt. Vor dem Startschuss um 10 Uhr ging es dementsprechend fair zu. Die Ellenbogen auszufahren brachte ja auch nichts, schließlich zeigte schon der erste Anstieg nur wenige Meter nach dem Start, wer bei sich bei der anvisierten Laufzeit vielleicht etwas zu viel vorgenommen hatte. Nicht übernommen hatte sich Andreas Straßner. Niemand bewältigte die 42,195 Kilometer schneller als der Franke (2:27:58 Stunden). "Als Bayer den größten bayerischen Marathon zu gewinnen, ist schon ein Highlight", strahlte Straßner hinterher: "Das könnte auch ein New-York-Marathon nicht toppen."

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Dieses Kompliment aus Straßners Mund dürfte die Veranstalter gefreut haben. Der 39-Jährige, der für den Allgemeinen Rather Turnverein (ART) aus Düsseldorf startet, kennt sich mit Großveranstaltungen aus. Beim in der Szene teils umstrittenen, aber prestigeträchtigen "Wings for Life World Run" zeigte Straßner diesen Sommer eine herausragende Leistung. Ziel des Laufs, der von einem Getränkekonzern organisiert wird, ist es, solange wie möglich vor einem schneller werdenden Auto wegzulaufen. 76,77 Kilometer schaffte Straßner diesen Sommer in München, die weiteste Distanz in Deutschland und die zweitbeste weltweit. Trotz solcher Erfolge erfüllte sich Straßner mit der Teilnahme in München einen lange gehegten Traum. "Eigentlich wollte ich hier schon mit 15 starten, jetzt hat's halt fast 15 Jahre länger gedauert", sagte der Sieger. "Ich war dann auch ganz schön aufgeregt", gab er hinterher zu.

Dass Straßner, der Anfang des Jahres noch in Düsseldorf mit einer Zeit von unter 2:20 Stunden gewonnen hatte, eine eher mittelmäßige Zeit zum Sieg reichte, stört die Veranstalter keinesfalls. Der München Marathon richtet sich hauptsächlich an Breitensportler, sowieso startet nur knapp ein Viertel der 21 096 Teilnehmer über die volle Marathon-Distanz.

Profisportler machen auch in diesem Jahr nur einen winzigen Anteil aus

Auch diesem Umstand war es geschuldet, dass man noch um 11.30 Uhr, lange nach Beginn des Hauptrennens, in der U-Bahn eine Schar an neonfarbenen Shirts entdeckte. Natürlich waren das keine (Selbst-)Betrüger, die sich unterirdisch einen Vorteil erschummeln wollten, sondern Läufer, die sich zum Start des Halbmarathons an die Denninger Straße transportieren ließen. Die 21,097 Kilometer gehören wie die Marathon-Staffel und der Zehn-Kilometer-Lauf längst zum familienfreundlichen Programm des München Marathon. Erst zum zweiten Mal gab es dagegen den Inklusionslauf für Läufer mit Handicap. "Für uns ist es wichtig, auch Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung zu fördern", sagt Organisator Gernot Weigl. Man versuche, für das kommende Jahr neue Möglichkeiten für die Integration von Rollstuhlfahren zu finden.

So machten die Profisportler auch in diesem Jahr wieder nur einen winzigen Anteil aller Läufer aus. Doch die hohe Zahl an Hobbysportlern birgt auch Gefahren. Nicht selten kommt es zu Herz-Kreislauf-Problemen. Die warmen Temperaturen waren eine zusätzliche Belastung. Rennarzt Dr. Roger Hofmann und sein Team waren sogar vorsichtshalber erstmals mit einem speziellen Reanimationsgerät ausgestattet worden. Zu ernsten medizinischen Zwischenfällen kam es nicht. Nützlich wäre dennoch ein Gesundheitscheck für alle Teilnehmer des Marathons, wie Hofmann findet.

Noch immer unterschätzen viele Hobbyläufer und Marathon-Novizen die besonderen Belastungen eines solchen Langdistanzrennens. Selbst Susanne Schreindl, die mit Abstand schnellste Frau in München (2:49:40), plagten etwa bei der Hälfte der Strecke Krämpfe. Ganz zufrieden war die 27-Jährige von der LG Passau trotz ihres Sieges dann auch nicht: "Ich habe gedacht, dass heute noch mehr drin ist." Schreindl war im Tandem mit ihrem Mann Tobias, Sieger von 2014, gelaufen. Bis Kilometer 40 machte der Ehemann das Tempo für seine Frau, dann stieg er aus. "Das ist Liebe", kommentierte Andreas Straßner scherzhaft - und kündigte an, im nächsten Jahr gemeinsam mit seiner Freundin in München an den Start gehen zu wollen. Dann könne man ja die Familie Schreindl herausfordern.

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