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Mao:Ikea-Style-China

Das Mao in der Schleißheimer Straße ist der etwas andere Chinese: Die Einrichtung ist nicht kitschig sondern modern und die Ente nach Canton Art steht nicht auf der Speisekarte.

Beim Betreten des chinesischen Restaurants Mao wird der Gast stutzig: Wo sind die kitschigen Tierfiguren? Wo die überladenen Bilder an der Wand? Wo die dicken Goldfische im Aquarium? Stattdessen schlichte, lange Holztische, die Wände sind fast kahl, nur ein paar Grünpflanzen stehen herum.

Der etwas andere Chinese: Schlichte, lange Holztische, die Wände sind fast kahl, nur ein paar Grünpflanzen stehen herum.

(Foto: Foto: Lisa Sonnabend)

Das Mao hat mit den chinesischen Restaurants, wie sie in den neunziger Jahren in Deutschland boomten, wenig gemein. Während diese nach und nach verschwunden und durch Thai-Imbisse ersetzt worden sind, hat das Mao erst vor drei Jahren eröffnet. Mit einem Konzept, das sich durchzusetzen scheint.

Das kleine Restaurant ist immer gut besucht, jedoch nie so voll, dass man Angst haben müsste, sich den langen Tisch mit zu vielen Fremden teilen zu müssen. Das Innere ist in den Farben Rot und Weiß gehalten. Die Gäste sitzen auf Holzbänken, die mit Bastmatten gepolstert sind. Von der Decke hängen Lampions. Würde man zu Ikea fahren, um sich asiatische Einrichtungsgegenstände für sein Zuhause zu kaufen, würde am Ende der Raum ähnlich aussehen.

Die Speisekarte im Mao bietet eine große Auswahl an Gerichten, die zwischen 7 und 14 Euro kosten. Hat man großen Hunger, ist als Vorspeise die chinesische Dim-Sum-Platte für zwei Personen (10,60 Euro) zu empfehlen. Sie wird in einem großen Bastkorb serviert, in dem Teigtaschen mit üppiger Füllung, Krebsspießchen und Garnelen liegen. Der Kellner erklärt den Gästen die Reihenfolge, wie sie zu verzehren sind: "Beginnen Sie mit den Fleisch- und Gemüsetaschen, die süßen Kugeln mit Kokos- oder Bananenfüllung sollten Sie für den Schluss aufheben." Manche sind ein wenig gewöhnungsbedürftig im Geschmack, andere einfach köstlich.

Als Hauptspeise wählten wir Ente mit Gemüse (11,50 Euro), die recht knusprig und nicht allzu fettig war. Die Ente nach Canton, wie sie in fast jedem chinesischen Restaurant angeboten wird, sucht man im Mao auf der Karte vergebens. Außerdem bestellten wir gebratene Hummerkrabben nach Alt China Art (13,90 Euro), die so reichlich waren, dass wir beinahe nicht alle Hummerkrabben hätten aufessen können. Aber ein Schluck von dem starken Pflaumenwein (5 cl, 2,90 Euro) lassen das unangenehme Völlegefühl schnell wieder verschwinden.

Ein unangenehmes Gefühl weicht allerdings bis zum Ende nicht: Die Gäste speisen unter einem großen Porträt von Mao Zedong, dem Namensgeber des Lokals und ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei in China. Mao wird in China immer noch fast überall bedingungslos geliebt, im Westen ist er wegen seiner Gewaltherrschaft umstritten. Allerdings muss man dem Mao im Restaurant zu Gute halten, dass es sich um ein Porträt-Druck von Andy Warhol handelt - und dann kann man es ja als moderne Kunst betrachten.

© sueddeutsche.de
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