Mano Michael im PorträtDer Master des Massenchors

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Mano Michael, genannt „The Emotional Voice“, singt Gospel und hat ein Faible für Chöre.
Mano Michael, genannt „The Emotional Voice“, singt Gospel und hat ein Faible für Chöre. Ralph Larmann

Mit einem Massenchor gelang Mano Michael 2011 der Durchbruch: Weltrekord in der Olympiahalle. Nun will er das wiederholen.

Von Matthias Deuring

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Ein luxuriöser weißer Lexus biegt ein. Ein Mix aus Rap, R’n’B und Soul schallt aus den Boxen. Als die getönte Scheibe nach unten fährt, tönt noch kurz Michael Jacksons „Hee Hee!“ aus dem Wageninneren, bevor die HiFi-Anlage abgedreht wird. Eine über und über mit Ringen besetzte Hand erscheint zum Gruß aus dem Fenster: „Hallo, ich bin Mano Ezoh.“

So schlug Mano Michael, wie er heute heißt, noch vor fünfzehn Jahren zu Interviewterminen auf. Damals hatte er gerade einen Weltrekord in der Olympiahalle aufgestellt. Der größte Gospelchor mit 1198 Stimmen. Dieses Jahr plant er die Neuauflage.

Doch der Mensch hinter dem Projekt hat sich verändert. Rückblickend kann der Musiker über seinen Auftritt im weißen Lexus lachen. Er sei jung gewesen und für ihn hätten Hip-Hop-Attitüde und der Style einfach dazugehört. Mano Michaels gibt das Interview übers Telefon. Er sitzt in seinem Haus in Freising, komme gerade vom Sport und fühle sich nicht präsentabel. Mittlerweile fahre er einen wenig glamourösen Mercedes, habe einen kleinen Wintergarten und auch das Schmuckaufgebot sei deutlich reduziert worden. Ist das das Alter? Der Rückzug von der Bühnenpersönlichkeit? Oder die Verschmelzung mit ihr: der gottesfürchtige Gospelsänger im bescheidenen Eigenheim?

Wobei, wirklich bescheiden ist Michael auch heute nicht. Immerhin hat er den Allmächtigen im Rücken: „Gott gab mir Willensstärke und Talent.“ Wofür? „Jesus is coming back!“, das ist seine Botschaft und deren Verbreitung sein musikalischer Auftrag. Vor etwas mehr als 20 Jahren kam der gebürtige Nigerianer dafür nach Bayern. Schon als Kind habe er im Traum in einem Meer von Tausenden Menschen gesungen. In seiner Heimat gelang aber kein Durchbruch, und so kam er über Umwege nach Bayern oder genauer nach Deggendorf. Dort arbeitete er erst als Tellerwäscher in einer Burger-Kette. „Wenn Gott einen Plan für dich hat, fang klein an“, sagt Michael.

Klein anfangen, dann exponentiell steigern. Jedes Jahr ein Konzert, jedes Jahr größer, das ist Michaels erklärtes Ziel, zumindest seit dem Weltrekord 2011. Mit einem 1198 Stimmen starken Massenchor bespielte er damals die Olympiahalle. Projekttitel „The Emotional Voice“ – seither der selbst verliehene Beiname Michaels, mit dem sich auch sein weiter Gospel-Begriff gut fassen lässt. Gospel ist, wo Emotion pur drin ist, so scheint es. So wie in Michael Jacksons „Hee Hee!“, einem sogenannten Ad-lib, also einer improvisierten Textzeile oder einem bedeutungslosen Ausruf, allgegenwärtig im Rap, R’n’B und eben auch im Gospel. „Hauptsache, es gibt gute Ad-libs“, so beschreibt Michael seinen Musikgeschmack. Hauptsache also, es gibt echte Momente des charismatischen Überschwangs, so könnte man übersetzen.

Mano Michael hat sich auf Massenchöre spezialisiert. Mit 1198 Personen 2011 in der Olympiahalle knackte er sogar den Weltrekord.
Mano Michael hat sich auf Massenchöre spezialisiert. Mit 1198 Personen 2011 in der Olympiahalle knackte er sogar den Weltrekord. Ralph Larmann

Mit seinem Weltrekord habe Michael dann auch die Aufmerksamkeit einer Koryphäe der Ad-libs auf sich gezogen: Snoop Dogg. Eine Einladung in die USA hätte es gegeben. Ein YouTube-Video auf dem Kanal des Sängers bezeugt eine kurze Begegnung zwischen ihm und dem Rap-Superstar. Dabei soll es aber nicht geblieben sein. Ein gemeinsamer, bis heute unveröffentlichter Song sei entstanden (die Aufnahme liegt der Redaktion vor) und noch immer würde Snoop Dogg ihn bei gelegentlichem Kontakt „little nephew“ nennen, so Michael. Das Management des US-Musikers bestätigte dies bislang nicht.

Die Verbindung zu Snoop Dogg kann man also erst einmal nur glauben. Der bloße Glaube reicht aber selbst für einen Gospelsänger nicht aus, um über die Runden zu kommen. Gut, dass Michaels Kindheitstraum auch als Geschäftsmodell prima läuft. Auch nächstes Jahr will er wieder mit „Sing for Joy“ die Olympiahalle bespielen. Die Workshops vorab, bei denen die Songs einstudiert werden, sollen zwar diesmal kostenlos sein, allerdings wird es eine Teilnahmegebühr von knapp unter 100 Euro geben. Bei über 1000 Sängern rechnet sich das schon wieder. Und die hat Mano Michael mit seinem Charisma noch immer versammeln können.

„Sing for Joy“, Mano Michael & internationale Künstler, 24. Januar 2027 in der Olympiahalle in München. Anmeldung zu den Workshops unter manomichael.com oder mit dem Betreff „Sing for Joy – München“ an anmeldung@singforjoy-project.com.

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