Das Mangostin hat Schuld! Peffekoven wird nie wieder unbefangen billige Sushi am Bahnhof erstehen können. Die im Mangostin sind nämlich so köstlich, dass er sie nicht vergessen wird, etwa die passend benannte, mit einem Gastro-Preis geadelte „Master Roll“ mit Thunfisch und Lachs unter einem knusprigen Reisflocken-Mantel (11 Euro) oder die „Crispy Duck Roll“, Entenfüllung mit Frühlingszwiebeln und Peking-Enten-Soße (13,50): Fisch und Ente schmeckte man fein heraus, und schlecht beraten wäre der Gast, der die feinen Röllchen in Soja-Soße ertränkt.
Aber wir wollen nicht vorgreifen. Das Mangostin ist optisch das, was der wunderbare badische Kultur- und Gastrokritiker Wolfgang Abel einen „Platzhirschen“ nennt: ein Restaurant in beherrschender Lage, mit viel Platz und wenig Konkurrenz in der Nähe. Der Platzhirsch, wie man weiß, drängt andere Hirsche robust zur Seite. Gelegen in der Nähe der Tierparkbrücke, lockt es mit einem großen, von alten Bäumen beschatteten und hübsch in Rot bestuhlten Garten, angenehm hoch über der Straße. Nur die mannshohen Werbetafeln für den „Hummer Montag“ und andere Lustbarkeiten des Hauses trüben den mondänen Eindruck ein klein wenig ein.
Genau genommen beherbergt das Mangostin gleich mehrere Asia-Restaurants unter diesem Namen und seinem Dach. „Asia-Küche“? Ja und nein. Jahrzehntelang kochte hier die Münchner Gastro-Größe Joseph Peter. Im Frühjahr 2025 hörte er auf. Seit 1. Juli heißt der Küchenchef Jan Kuntschke. Peter sagte gern, „die“ asiatische Küche existiere so wenig wie „die“ europäische: Hier wie dort gibt es vielfältige, sich bereichernde Küchenwelten – und so ist die Speisekarte groß wie das Japanische Meer.
Im Mangostin wird der Gast begrüßt von einem sehr freundlichen Service, der an heißen Tagen gern eingerollte kühle Handtücher zur Abkühlung bringt. Die meisten Tische in den sehr unterschiedlich gestalteten Innenräumen – der eine licht und hell, der andere mit Kaminzimmercharakter, der dritte mit viel fernöstlichem Dekor – stehen angenehm weit auseinander. So kann sich die Tischrunde in Ruhe unterhalten, das ist auch in der besseren Münchner Gastronomie nicht mehr selbstverständlich.


Die Karte beginnt mit gekonnt zubereitetem Aperitif, etwa dem Mangostin Spritz aus rotem Vermouth, mit Orange, Ingwer, Limette und Ginger-Ale, dem die richtige Menge Angostura die passende Bitternote verleiht (10,50). Es lohnte, sich bei den Vorspeisen aufzuhalten (oder sich gar das Essen nur aus ihnen zusammenzustellen): Peffekoven schätzte etwa das Tom Yam Gung (13 Euro), eine pikante scharfe Suppe mit Garnele und Zitronengras, mit einer leicht scharfen Note. Angenehm: Mit der Schärfe übertreibt es die Mangostin-Küche nicht, sie soll den Geschmack der Gerichte nicht überdecken. Eine schöne Kombination aus zarter Schärfe und Säure war das Yum Wun Sen, ein pikanter Salat mit Garnelen in Glasnudeln, mit frischem Chili (18,80 Euro).
Als Höhepunkt bewertete Peffekovens Tafelrunde das Nua Pat Prik aus dem Wok, 160 Gramm sehr dünn geschnittenes Rinderfilet mit Thai-Gemüse und Duftreis (39 Euro), die, stark vereinfacht gesagt, thailändische Variante des Pfeffersteaks, freilich feiner und schärfer, mit viel Gemüse-Aroma. Einen starken Auftritt hatte auch das 300 Gramm schwere Rib-Eye-Steak „Yakiniku Wafu“ (39 Euro), nach japanischem Rezept, in dem Fleisch von hoher Marmorierung in einer Marinade von Sojasoße, Sake, Mirin und Zucker eingelegt ist, bevor es kurz gebraten oder gegrillt wird – höchst empfehlenswert.
Das Signature Curry mit hauchzartem Rinderfilet ist zwar ebenfalls stolze 39 Euro teuer, aber auch erlesen. Hier würde der Gast einen Fehler machen, nach deutscher Gewohnheit viel Reis zur Soße zu nehmen. Peffekoven empfiehlt, diese einfach auch pur zu probieren und das Fleisch damit zu würzen: Sie ist ein Gedicht, fein sämig und von ganz leichter Schärfe. Es ist das Top-Curry des Hauses, geboten werden auch grüne (etwas scharf) und rote (schärfer) Currys, mit „crispy Thai Ente“ und Ananas für 25 Euro oder mit Garnele und Mango für 29 Euro. Mit Kohlehydraten wird sich hier niemand überessen, auch der Teriyaki Lachs mit gebratenem grünem Spargel (29 Euro) war sehr gelungen und der Fisch weich und zart, von außen perfekt angegrillt.

Kritischer als das Essen selbst muss Peffekoven leider dessen Preisgestaltung bewerten. Hauptspeisen bei 39 Euro und mehr sind arg teuer, und vor allem macht das Mangostin den Münchner Gastro-Trend mit, die Getränkepreise Richtung Mond zu treiben. Drei offene Weißweine gibt es, allesamt von guter Qualität. Der 2023er Sauvignon Blanc „Petit Bourgeois“ vom alteingesessenen Weingut Henri Bourgeois, Loire, ist ausgezeichnet, sehr trocken mit erdiger Note – aber 12 Euro für 0,2 Liter sind schon arg sportlich, ganz zu schweigen von 14 Euro für ein Glas Lugana (auf der Rechnung, laut Karte waren es immer noch beachtliche 11,50 Euro). Wie vielerorts bekommt man für den früheren Preis nur noch ein 0,1-Liter-Pfützchen Wein. Und im Restaurant 4,60 Euro für 0,33 Liter Augustiner Helles zu verlangen, nähert sich dem berüchtigten Oktoberfest-Wucher.
Einschränkend muss man sagen, dass das weniger für die Flaschenweine gilt, zu denen Peffekoven daher raten würde. Die Weinkarte ist liebevoll ausgewählt und umfangreich, Peffekoven probierte einen 2023 Pinot Grigio aus Slowenien (Weingut Ralf Schumacher), einen trockenen, glasklaren Weißwein, den man nicht überall bekommt.
Fazit: Das Mangostin präsentiert sich auch unter neuer Leitung in blendender Form. Diese freilich hat ihren Preis. Aber damit ist es in München wahrlich nicht allein.
Mangostin Asia Restaurants, Maria-Einsiedel-Straße 2, 81379 München, restaurant@mangostin.de, Tel. 089 / 723 2031, Öffnungszeiten: Mo. bis Do., 14.30–0 Uhr, Fr. und Sa., 12–0 Uhr, So. 11–15 Uhr (nur Brunch), So. 15–0 Uhr
Die SZ-Kostprobe
Die Restaurant-Kritik „Kostprobe“ der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch online. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderte Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts – von München, Wissen bis zur Politik – schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fast-Food-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem, wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: sich nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen – um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können.

