Malteser Hilfsdienst:Vor Gericht wird es peinlich

Dreißig Minuten strittige Arbeitszeit nach Mitternacht - klingt das nicht wie die Geschichten von Verkäuferinnen, die gehen sollen, weil sie den falschen Pfandbon für ein paar Cent einlösten oder ins verbotene Brötchen bissen?

"Es war ein kündigungsrelevantes Verhalten", beharrt der Geschäftsführer. Einen Zusammenhang mit der Arbeit der beiden in der Mitarbeitervertretung habe es selbstverständlich nicht gegeben.

Ist es üblich, dass die Münchner Geschäftsführung einen anderen Geschäftsführer beauftragt, Mitarbeitervertreter bis um halb zwölf in der Nacht zu beobachten? "Ich kann nicht sagen, wie diese Konstellation zustande kommt", sagt Friedrich, das sei jedenfalls bei den Maltesern "nicht üblich". War es ein Fehler? "Grundsätzlich gibt es das bei uns nicht. Mehr kann ich dazu nicht sagen."

Vor Gericht jedenfalls wurde es einigermaßen peinlich für den Verband. Der angeblich so glaubwürdige Beobachter sagte zunächst, Merkner habe in der strittigen Nacht um 22 Uhr das Haus verlassen, da sei er sich "zu 90 Prozent sicher". Später hieß es, Merkner sei wie sein Kollege um halb zwölf gegangen. Am Schluss sprachen die Malteser wieder von 22 Uhr. Dem christlichen Hilfsverband gelang es jedenfalls nicht, den Arbeitszeitbetrug der Mitarbeiter zu belegen.

Die beiden wiederum haben den Verlauf jenes Septemberabends minutiös aufgelistet - sie hätten letztlich ihrem Arbeitgeber sogar Zeit geschenkt, sagen sie. Am Ende schlossen die Malteser einen Vergleich. Die beiden Gekündigten erhielten eine ordentliche Abfindung.

Das Thema ist damit nicht erledigt: Zahlen die Malteser Niedriglöhne, gar Dumpinglöhne? Der Streit geht vor allem um die Teilzeitbeschäftigten im Rettungs- und Fahrdienst sowie beim Essens-Service. Die Teilzeitbeschäftigten sind längst schon in der Mehrheit in der Branche: Von den 3521 Beschäftigten bei den Maltesern in Bayern sind nur noch 859 hauptamtlich, 2488 sind geringfügig beschäftigt, hinzu kommen 147 Studenten oder Absolventen eines Freiwilligendienstes.

Die hauptamtlichen Rettungssanitäter verdienen gemäß der kirchlichen Arbeitsvergütungsrichtlinien (AVR), um die ging der Streit nicht. Doch was ist mit den vielen Teilzeitkräften im Rettungsdienst? Sie alle verdienen mehr als 7,50 Euro in der Stunde, argumentierten die Malteser. Sie alle bekommen zu wenig, hielten die Mitarbeitervertreter dagegen. Die Gewerkschaften fordern inzwischen einen Mindestlohn von 8,50 Euro - und rechne man den Stundensatz der Hauptamtlichen um, müssten sie etwa zwölf Euro bekommen.

Noch dramatischer sei die Lage bei jenen, die im Fahrdienst zum Beispiel behinderte Kinder zur Schule bringen und wieder abholen oder Essen an Senioren liefern: Hier zahlten die Malteser oft nur fünf oder sechs Euro Stundenlohn. Wir können nicht mehr, hielten die Malteser dagegen. Beim Fahrdienst setzen uns die Kommunen unter Kostendruck, beim Essen können sich die alten Leute einfach nicht mehr leisten, wenn wir den Preis pro Mahlzeit erhöhen.

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