Vokaljazz:Gutes Timing

Lesezeit: 2 min

Vokaljazz: Gehört trotz seiner Hintergrund-Rolle auf der Bühne zu den Masterminds der Band "Maloom": der Bassist Harald Scharf (links) mit der Sängerin Eva Ahoulou.

Gehört trotz seiner Hintergrund-Rolle auf der Bühne zu den Masterminds der Band "Maloom": der Bassist Harald Scharf (links) mit der Sängerin Eva Ahoulou.

(Foto: Thomas Heckner)

Sängerin Eva Ahoulou ist das neue Gesicht von Harald Scharfs Band "Maloom".

Von Oliver Hochkeppel

Timing ist für Jazzer essentiell, und das nicht nur beim Musizieren allein. Manchmal ist es auch entscheidend, mit wem man wann zusammenkommt und -spielt. Das zeigt sich jetzt auch bei der neuen Band Maloom des Münchner Bassisten Harald Scharf, die sich an diesem Donnerstag in der Unterfahrt präsentiert. Wie so viele der wegen ihrer Hintergrund-Rolle auf der Bühne so gerne unterschätzten Bassisten, gehört Scharf in die Kategorie der Masterminds.

Nach Klavier und Klarinette hatte der den Kontrabass seines Vaters - fürs eigene Volksmusikspiel von der Fraunhofer Saitenmusik erworben - für sich entdeckt. Nachdem der Jazz beim Schulmusikstudium an der Münchner Musikhochschule noch Nebenfach war, riss ihn das Genre dann so mit, dass er Mitte der Neunzigerjahre ein Auslandsjahr in den USA und zurück in München ein Jazz-Bass-Studium bei Paolo Cardoso anschloss. Zweigleisig machte und macht Scharf bis heute weiter: Die Musiklehrer-Tätigkeit am Luisengymnasium - aus seiner dort geleiteten King Luis Big Band gingen schon Größen wie die Pop-Soul-Sängerin Ami Warning, der Neo-Blueser Jesper Munk oder der Jazztrompeter Matthias Lindermayr hervor - hält ihm den Rücken frei für die Künstlerische Leitung des Jazzweekends Unterföhring und Projekte als freischaffender Bassist, Komponist und Arrangeur.

Auf seiner Haben-Seite haben sich Konzerte mit Stars wie Helen Schneider, Nguyên Lê oder Bobby Shew und unter anderem bei der "Ars Elektronika" aufgeführte Crossover-Projekte mit Ensembles wie den Münchner Singphonikern, dem Georgischen Kammerorchester, den Bremer Philharmonikern und dem Bruckner Orchester Linz angesammelt. Und zuletzt ein recht erfolgreiches Bandprojekt mit der vom Profi-Volleyball zum Gesang gewechselten Norisha Campbell, für das er auch alle Arrangements und Eigenkompositionen schrieb. Als dieses vor einiger Zeit auseinanderging, machte sich Scharf auf die Suche nach einer neuen Sängerin. Und traf zufällig, weil sie jetzt in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, eine ehemalige Schülerin, die ihm schon vor 15 Jahren in der King Luis Bigband aufgefallen war: Eva Ahoulou.

Die Münchnerin mit deutschen und ivoirischen Wurzeln war schon wegen ihrer Mutter, einer Tänzerin, von klein auf mit Musik in Berührung. Sie lernte klassische Gitarre und entdeckte darüber ihre Gesangsstimme. Auch wenn sie beruflich vom Einzelhandel über Medienproduktion bis zur Gastronomie zunächst andere Wege ging, dann eine Familie gründete und aktuell als selbständige Beraterin im Bereich Elternbegleitung arbeitete - Musik und Tanz als "Soulfood" wollten zumindest nebenher immer ausgelebt werden, zum Beispiel bei den Funk- und Soul-Abenden von Adriano Prechtel in der Kongressbar. Als Scharf ihr nun ein gemeinsames Projekt vorschlug, kam das zur rechten Zeit, Ahoulou war bereit, tiefer in die Musik einzusteigen.

Klassischer Jazz, Soul, Latin, aber auch die Elemente der westafrikanischen Musik mischen sich in ihrer samtigen, warmen Stimme, vereinen Vorbilder wie Ella Fitzgerald, Aretha Franklin, Lauryn Hill oder Erykah Badu. Verbunden mit einem ebenso natürlichen wie charmanten Auftreten dringt sie damit in die Ohren wie Herzen des Publikum. In die ihrer Begleiter in jedem Fall: Als Scharf sie zu einer ersten Probe seinen "Lieblingsbandkollegen" vorstellte, den sich an den Tasten abwechselnden Jan Eschke und Stephan Weiser, dem Gitarristen Michael Vochezer und dem Schlagzeuger Johannes Rothmoser, von denen sie keiner vorher kannte, waren alle schnell restlos begeistert und fragten Sie: "Hey, wo warst du die ganze Zeit?" Das dürfen nun auch die Besucher in der Unterfahrt fragen, wenn Maloom das erste Programm unter dem Titel "Gotta Be Happy" präsentiert, das für in diesen Zeiten dringend nötige Aufmunterung sorgt.

Maloom, Do., 30. Juni, 20.30 Uhr, Unterfahrt, Einsteinstr. 42, Tel. 448 27 94

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB