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Helikopter-Unfall auf Mallorca:Zeugenberichte deuten auf menschliches Versagen hin

Crash von Flugzeug und Hubschrauber über Mallorca

Wrackteile liegen nach der Kollision in der Nähe der Absturzstelle auf einem Feld.

(Foto: dpa)

Bis zur Ermittlung der genauen Unfallursache werden wohl noch Monate vergehen. Nach ersten Befragungen von Augenzeugen deutet jedoch alles auf Pilotenfehler hin.

Nicht nur Laien, auch erfahrene Piloten fragen sich, wie es trotz besten Wetter- und Sichtverhältnissen zu einer der schlimmsten Luftverkehrstragödien in der Geschichte Mallorcas kommen konnte. Vieles deutet nun darauf hin, dass der Unfall, der sieben Menschenleben forderte, möglicherweise auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Nach der Befragung der ersten Augenzeugen gehen die spanischen Unfallermittler offenbar davon aus, dass die Piloten des Hubschraubers und des Kleinflugzeuges sich vor dem Zusammenstoß in 250 Metern Höhe wohl nicht gesehen hätten, berichteten Medien der Baleareninsel am Dienstag.

"Beide Piloten waren auf gleicher Höhe und haben sich nicht gesehen", sagte auch Biel Gomila, Präsident des Flugplatzes von Binissalem, wo das Kleinflugzeug mit zwei Spaniern an Bord gestartet war, der Zeitung El País. Vier Experten der spanischen Zivilluftfahrtbehörde, die am Montag auf der Insel eintrafen, versuchen, der genauen Unfallursache auf den Grund zu gehen. Am Dienstag nahm aber auch eine Richterin am Untersuchungsgericht in Inca Ermittlungen auf. Die Leichen sollten den Familien deshalb erst nach eingehenden Autopsien zur Bestattung übergeben werden, erklärten Justizsprecher.

Bei dem Unglück, das sich am Sonntag ereignete, waren alle sieben Insassen der beiden Maschinen ums Leben gekommen. Unter den Opfern war auch die vierköpfige Familie Inselkammer aus München, die anlässlich des 43. Geburtstages des Vaters August jun. einen Inselrundflug über Mallorca gebucht hatte. Das Ehepaar, dessen elfjähriger Sohn und die neunjährige Tochter, die zu der in Oberbayern bekannten Unternehmerfamilie gehörten, waren nach der Kollision zwischen den Orten Inca und Costitx auf der Stelle tot.

Die anderen Opfer waren der italienische Pilot des Hubschraubers der Firma Rotorflug Helicopters aus Friedrichsdorf bei Frankfurt/Main sowie zwei Spanier, die in dem Ultraleichtflugzeug unterwegs waren. Regionalpräsidentin Francina Armengol hat für die Balearen eine dreitägige Trauer bis Mittwoch ausgerufen.

Bis zur Ermittlung der genauen Unfallursache dürften aber Monate vergehen, hieß es. Ein Pilot erzählte der Zeitung "Diario de Mallorca", die Vorschriften für Hubschrauber würden vor dem Start sehr genau und streng definiert. Bei Ultraleichtfliegern werde aber wohl häufiger mal ein Auge zugedrückt. Ein weiteres Problem: Hubschrauber und Ultraleichtflieger haben offenbar wenig Möglichkeiten, sich untereinander zu verständigen, weil sie normalerweise auf verschiedenen Frequenzen funken. Deswegen sei es "am Wichtigsten, dass man das Sichtfeld unter Kontrolle behält", so der Sekretär des spanischen Ultraleichtflieger-Verbandes, Antonio Pinedo. Diese Grundregel wurde am Sonntag womöglich verletzt, mit fatalen Folgen.

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