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Maibockanstich:Dauerwerbesendung mit zwei Djangos

Beim Maibockanstich verhehlt Markus Söder seine politischen Ambitionen nicht - und Django Asül hilft ihm dabei.

Von Kassian Stroh

Da haben sich zwei gefunden, zwei Djangos. Der eine trägt das als Künstler-Vorname, der andere ist zumindest mental ein Django, ein Cowboy. Wie er da so steht: breitbeinig, federnd. Wie er sich da so gibt: cool, unerschrocken, mit dieser Wer-kann-mir-schon-was-Attitüde. Der eine ist der Kabarettist Django Asül, er hält eine umjubelte Rede beim Maibock-Anstich von Hofbräu, voll treffendem, hinterfotzigem Spott über diverse Politiker. Der andere ist Markus Söder, Finanzminister und qua Amt Hofbräu- Besitzer, der zu diesem Anlass ebenfalls als Kabarettist auftritt. Und beide haben sie ein zentrales Thema: Django Söder und sein Weg in die Staatskanzlei.

Nein, natürlich nicht so wie in den Jahren 2013 und 2014, als Söder über seinen größten Rivalen und zugleich Vorgesetzten Horst Seehofer in einer Weise herzog, dass ihr Verhältnis als "zerrüttet" zu bezeichnen eine grobe Untertreibung gewesen wäre. Am Mittwochabend nutzt Söder die Begrüßung, um mehr (Grüne) oder weniger (SPD) feinen Spott über die Opposition auszugießen, auch über seine nicht anwesende Konkurrentin Ilse Aigner, indem er daran erinnert, wie sie einst für ihn als Vorsitzenden der Jungen Union geworben haben soll ("Markus, du bist die Nummer eins, das Beste für Bayern, du sollst uns anführen").

Ansonsten macht er sich ein bisschen lustig über Seehofers Versuche, die Nachfolgedebatte in der CSU zu beenden - nicht ohne den dezenten Hinweis, dass er selber leider, leider von 2018 an sein großes Wissen als Finanzminister nicht mehr nutzen werden könne. Eine Dauereigenwerbesendung, bei der sich der Cowboy unverhohlen selbstbewusst und doch verhältnismäßig zahm gibt.

Doch da gibt es ja noch den anderen Django. Und in dessen 45-minütiger Rede spielt Seehofer, der wieder einmal nicht gekommen ist, keine zentrale Rolle, sondern zwei andere: Angela Merkel - und eben Söder. Diesen nimmt er auf feine Weise hoch: seine Ambitionen, seinen Ehrgeiz, seine Skrupellosigkeiten ("er entspricht dem Typus Politiker, der andere gern mitnimmt - wenn auch im Schwitzkasten"). Aber besser eine solche Art von Aufmerksamkeit als keine.

Der Hofnarr inszeniert die große Söder-Show

Fast ein Dutzend Mal kommt Asül auf Söder zu sprechen, jedes andere Kabinettsmitglied, das er erwähnt, vergleicht er mit Söder. Ihn den "größten Ministerpräsidenten-Aspiranten aller Zeiten" zu nennen, das nehmen die etwa 600 Zuhörer im Saal als selbstverständlich hin, nicht als Gag. Und er widmet ihm auch noch die Schlusspointe: Da habe Söder doch behauptet, nichts gewusst zu haben von den Verbindungen der Landesbank zu dubiosen Briefkastenfirmen in Panama. "Ganz ehrlich", sagt Asül, "wenn mir der Söder aufrichtig versichert, dass er keine Ahnung hat - ich glaub's ihm sofort."

Asüls Maibock-Rede ist längst eine ernsthafte Konkurrenz zum Nockherberg-Spektakel, sie ist auf alle Fälle politischer, subtiler und witziger. Dass er dies im Auftrag der Staatsfirma Hofbräu tut - nun gut, das ist das Wesen des Hofnarren. Dass sie allerdings zur großen Söder-Show gerät und dass der Kabarettist selbst im Vorfeld vom "Dream-Team" gesprochen hat, das er mit Söder bilde, ist bemerkenswert. Auch wenn seine brillante Rede diesmal diejenige des Ministers weit in den Schatten stellt.

Nur gut, dass es in den vergangenen Monaten noch ein paar andere Themen gab - und Angela Merkel. Die habe ein an sich stabiles Land zu einem "Abenteuerspielplatz" gemacht, sagt Asül mit Blick auf die Flüchtlingskrise. Je mehr ihr der Kompass verloren gehe, desto mehr Verantwortung trage Bayern, die Freiheit künftig nicht mehr am Hindukusch, sondern am Brenner zu verteidigen. Sodass die historisch einmalige Situation eingetreten sei: "Die Bundesregierung bekämpft die bayerische Staatsregierung, weil nur noch Bayern als Bewahrer deutscher Interessen auftritt." Das hätte Söder fast nicht anders sagen können.

Seehofer ließ am Mittwochnachmittag noch wissen: Wenn ihn etwas überhaupt nicht berühre, dann sei das dieser Abend. Das aber hatte sicher nichts mit Asüls Ansichten über Merkel zu tun. Nur mit seinem Finanzminister.

© SZ vom 28.04.2016/infu

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