„Lynyrd Skynyrd“ beim Tollwood-FestivalImmer und immer wieder die alten Hits

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Das Konzert von „Lynyrd Skynyrd“ beim Tollwood-Festival gleicht einer Rock gewordenen Spiritualität.
Das Konzert von „Lynyrd Skynyrd“ beim Tollwood-Festival gleicht einer Rock gewordenen Spiritualität. (Foto: Tollwood)

Der Geist der einstigen „Lynyrd Skynyrd“ beseelt noch immer die mitreißenden Konzerte der Band. Sie ist bedeutender als ihre einzelnen Mitglieder, die sich alle als ersetzbar erwiesen haben – das zeigt sich auch in München.

Kritik von Dirk Wagner

„Fliege hoch, freier Vogel“, singen die Zuschauer in der Musikarena des Tollwood sichtbar ergriffen den Text des letzten Songs eines jeden Lynyrd Skynyrd-Konzerts mit: Free Bird. Zehn Jahre, nachdem der ursprüngliche Sänger der Band, einer ihrer Gitarristen und eine ihrer Chorsängerinnen 1977 bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen waren, hatte die Band sich mit dem neuen Sänger Johnny van Zant, dem jüngeren Bruder des verunglückten Sängers, neu formiert. Jene 13-minütige Freiheits-Hymne „Free Bird“ mit dem rasanten Gitarrenrodeo, das schließlich drei Gitarristen gleichzeitig wild und geradezu halsbrecherisch reiten, beließen die neuen Lynyrd Skynyrd in Gedenken an die verstorbenen Bandkollegen zunächst instrumental.

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Erst 1991 wagte der neue Sänger es, den Songtext wieder zu singen, der mit der Frage einsteigt: „Wenn ich morgen hier weggehe, würdest du dich noch an mich erinnern?“ Schon erstrahlt auch auf dem Tollwood wieder jene Vergänglichkeit, die seit der Wiedervereinigung der Band ohnehin deren Konzerte prägt. Mit der ständigen Reproduktion alter Hits wie „Simple Man“, „Tuesday’s Gone“ oder „Sweet Home Alabama“ scheint das Anliegen der neuen Lynyrd Skynyrd ohnehin nur darin zu bestehen, die Erinnerung an die ursprüngliche Formation aufrechtzuerhalten.

Entsprechend Ton-genau wird darum auch jene von drei Gitarristen geschaffene Gitarrenfigur in „Free Bird“ zelebriert, die die Zuschauer schließlich an den ihnen bekannten Aufnahmen der Ursprungsband messen. Auf dem vor wenigen Tagen erschienenen Konzertmitschnitt von 2022, „Celebrating 50 Years (Live At The Ryman)“, spielt mit dem Gitarristen Gary Rossington noch das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Band mit. 2023 ist dann auch er verstorben. Weil der neue Gitarrist Damon Johnson aber schon seit 2019 Rossington öfter live ersetzt hatte, wenn dieser erkrankt war, gilt er längst als festes Bandmitglied. Entsprechend muss er auf dem Tollwood auch gar nicht erst vorgestellt werden, zumal die immerhin neunköpfige Band überhaupt nur die Namen ihrer verstorbenen Kollegen nennt.

Die Band selbst ist mittlerweile bedeutender als ihre einzelnen Mitglieder, die sich alle als ersetzbar erwiesen haben, derweil der Geist der einstigen Lynyrd Skynyrd noch immer die mitreißenden Konzerte der Band beseelt. Ihr Tollwood-Konzert gleicht darum auch einer Rock gewordenen Spiritualität, als die Fans bei „Free Bird“ laut mitbeten: „Herr, hilf mir, ich kann mich nicht ändern.“

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