Süddeutsche Zeitung

Luise-Kiesselbach-Tunnel:An welchen Stellen es noch hakt

Das Chaos der ersten Tage am Luise-Kiesselbach-Tunnel hat sich gelegt, auch weil die Stadt nachgebessert hat. Welche Behinderungen es gibt und wie lange sie bleiben. Ein Überblick.

Die Aufregung der ersten Tage scheint sich gelegt zu haben - die Automobilklubs jedenfalls sind zufrieden: "Der Start war holprig", sagt Michael Haberland von "Mobil in Deutschland" (MiD), wenn man ihn nach seiner Meinung zum Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz fragt. "Jetzt läuft es aber besser." Ähnlich urteilt Alexander Kreipl vom ADAC Südbayern: Zu Beginn hätten sich die Autofahrer zunächst orientieren müssen, "da hat man es bei einer solchen Inbetriebnahme im Grunde mit lauter Ortsfremden zu tun". Mittlerweile, 14 Tage nach dem Start, laufe der Tunnelbetrieb einigermaßen rund. Dennoch hakt es noch an einigen Stellen.

Die Südwest-Einfahrt

Den allermeisten Ärger gab es zu Beginn an der Einfahrt in den Tunnel von der A 95 kommend. Dort hatte die Stadt den Verkehr aus Sicherheitsgründen zunächst künstlich auf eine Spur verengt, weil im Heckenstallertrog noch eine Zufahrt gebaut werden muss - dieses Nadelöhr wurde aber mittlerweile aufgehoben. Laut ADAC-Mann Kreipl geht es nun von Starnberg kommend "meist ohne Stocken in den Tunnel rein". Er fährt die Strecke nahezu täglich, weil sie auf seinem Arbeitsweg liegt.

Das Tempolimit

Allerdings ist das Tempo an der A 95-Zufahrt derzeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt, was aus Sicht vieler Autofahrer dazu führt, dass der Verkehr stockt. Wird das auch auf lange Sicht so bleiben?, fragten SZ-Leser bereits. Nein, sagt Florian Schmelmer vom Kreisverwaltungsreferat (KVR). Tempo 30 werde "nur so lange aufrecht erhalten, wie es nötig ist". Aber das ist aus KVR-Sicht so lange, bis die Zufahrtsrampe von der Murnauer Straße zum Heckenstallertrog fertig ist. Und das wird laut Schmelmer erst Mitte 2016 der Fall sein.

Das Gefälle

Viele Autofahrer wundern sich auch über das achtprozentige Gefälle, mit dem man von Starnberg kommend in den Tunnel eintaucht, wenn man weiter Richtung Norden geführt wird. Muss das wirklich so steil sein? "Das ging wohl technisch nicht anders", sagt ADAC-Mann Kreipl. Das Baureferat sah sich nicht in der Lage, eine Antwort auf eine entsprechende SZ-Anfrage vom Donnerstagvormittag zu geben.

Die Überfahrt

Ebenfalls ein Punkt, über den viele Autofahrer den Kopf geschüttelt haben: Wer von Osten kommend auf die A 95 will, muss im Heckenstallertrog den Tunnel verlassen und an der Oberfläche über den Luise-Kiesselbach-Platz zur Autobahn fahren. Wieso, fragten SZ-Leser, werden die nicht unterirdisch zur A 95 geführt? Antwort: Dazu hätte man eine weitere Röhre unter den beiden bereits übereinander liegenden Tunneln graben müssen - also in der Minus-Drei-Ebene. "Das wäre kostenmäßig Wahnsinn gewesen", sagt MiD-Chef Haberland. Laut KVR soll der Verkehr künftig zweispurig über den Luise-Kiesselbach-Platz zur A 95 geführt werden. Haberland fordert zudem, die Ampeln entsprechend zu schalten. Beides zusammen dürfte die anfangs recht langen Rückstaus bis in den Heckenstallertrog zumindest mindern.

Die Lindauer Autobahn

Auch am Ende der A 96 stauen sich die Autos regelmäßig - weil sich sowohl nach Norden wie nach Süden alles auf jeweils eine Einfädelspur verengt. Das wird wohl auch in Zukunft so bleiben - die Details kennt das Baureferat. Für Haberland allerdings ist eh der Stau nach Norden gravierender: "Dort sollte die Stadt überlegen, ob sie eine zweispurige Einfädelung hinbekommt."

Die Tunneltechnik

Höhenkontrolle, Videodetektion, Rauchmelder - im Tunnel steckt eine Menge Technik. Und die kann Fehlalarme auslösen. Doch rund um den Luise-Kiesselbach-Tunnel sei das bislang nicht der Fall. Die Anlagen liefen "weitgehend störungsfrei", sagt KVR-Mann Schmelmer.

Die Unfallsituation

Seit der Tunneleröffnung hat die Polizei acht Verkehrsunfälle registriert, bei zweien gab es Personenschäden. "Meistens handelte es sich um Fahrstreifenwechsler", sagt Polizeisprecherin Marianne Gottwald. "Das ist derzeit noch mit der unbekannten Verkehrsführung zu erklären." Eine abschließende Bewertung könne man aber noch nicht abgeben. Dazu sei der Tunnel noch nicht lange genug im Betrieb.

Die Blitzer

Gleich mehrere Tempomessgeräte sollen im Tunnel dafür sorgen, dass sich die Autofahrer an die Geschwindigkeiten halten. Haberland schimpft schon über "Deutschlands Blitzmeile Nummer eins". ADAC-Mann Kreipl dagegen findet die Blitzer gut: "Im Tunnel hat Sicherheit oberste Priorität." Daher sei es notwendig, dass das vorgeschriebene Tempo unbedingt eingehalten wird. Bislang wurden ohnehin noch keine Knöllchen zugestellt. Die Anlage sei noch im Probebetrieb, sagt Polizeisprecherin Gottwald. "Verstöße werden nicht geahndet." Und bevor die Beamten die Blitz-Anlagen "scharf" schalten, werde die Polizei dies über die Medien ankündigen.

Die Baustelle

KVR wie ADAC warnen: Die Großbaustelle wird sich noch bis 2017 ziehen. Daher werde es auch immer wieder Behinderungen geben - wie aktuell an der Kreuzung der Heckenstallerstraße mit der Passauerstraße, die noch umgebaut werden muss. Anders gehe es nicht, sagt Schmelmer: "Das Projekt ist noch nicht fertig" - auch wenn mancher bei der großen Eröffnungsparty vor 14 Tagen diesen Eindruck hatte.

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Quelle:
SZ vom 10.08.2015
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