Erstmals in Deutschland: Die Ausstellung „Luftballonwelten“Ganz schön aufgeblasen – eine Weltreise mit Ballons

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Der Ballonkünstler Wim Vogel knotet die Ballons geschickt zu einer Skulptur der Freiheitsstatue zusammen.
Der Ballonkünstler Wim Vogel knotet die Ballons geschickt zu einer Skulptur der Freiheitsstatue zusammen. Florian Peljak

Nilpferde, ein American Diner und das BMW-Hochhaus: In München eröffnet die Ausstellung „Luftballonwelten“. Was man aus 500 000 Luftballons erschaffen kann und warum sich am Ende alles in Luft auflöst.

Von Lena Matuschik

Der Eingang in die Ballonwelt führt durch einen kurzen Tunnel aus unzähligen kleinen Luftballons, die durch rote und violettfarbene Beleuchtung die Galaxie darstellen soll. Ein Globus am Ende des Tunnels dreht sich langsam um die eigene Achse und gibt den Blick frei auf vier Durchgänge in einer blauen Wand – natürlich aus Ballons.

In der alten Paketposthalle in Neuhausen-Nymphenburg, die temporär als Eventlocation unter dem Namen „Pineapple Park“ genutzt wird, haben 19 internationale Künstler und Künstlerinnen eine Welt aus mehr als 500 000 Luftballons erschaffen. Die Ausstellung, die auch zum Mitmachen einlädt, ist von 14. Februar bis 12. April zu besichtigen. Auf 3500 Quadratmetern sind Skulpturen von Wahrzeichen, exotischen Tieren und kulturellen Symbolen von fünf Kontinenten entstanden.

Welche Erinnerungen bleiben? Mit dieser Frage hat sich der niederländische Ballonkünstler Guido Verhoef beschäftigt, als er ein Thema für die Konzeption seiner „Luftballonwelten“-Ausstellung gesucht hat. „Ich wollte die ganze Welt an einen Ort bringen, weil das sind Erinnerungen fürs Leben“, sagt Verhoef bei der Vorbesichtigung der Ausstellung. Sie öffnet nach New York, Brüssel, Wien und Budapest nun zum ersten Mal in Deutschland.

Der Ballonkünstler Guido Verhoef kümmert sich als Art Director um die Leitung der zweimonatigen Ausstellung.
Der Ballonkünstler Guido Verhoef kümmert sich als Art Director um die Leitung der zweimonatigen Ausstellung. Florian Peljak

Das gesamte Areal gibt einem ein wenig das Gefühl, in einem farbenfrohen, aufgeblasenen Labyrinth gefangen zu sein. Doch der zu Beginn ausgestellte Reisepass gibt Orientierung. Neben dem Lageplan und der Möglichkeit, in jedem Kontinent einen Stempel zu sammeln, weist der Pass die Besucher und Besucherinnen auch als gebürtige „Balloonians“ aus.

Erster Durchgang links und dann gleich noch einmal links: Lateinamerika. Ein Tempel der Maya und knallpinke Flamingos stechen eindeutig aus der schieren Menge grüner Luftballons hervor, die die artenreiche Natur Lateinamerikas repräsentieren sollen.  Einige Installationen, wie der gelbe Tempel, sind begehbar, und bereits da wird klar: Hier lassen sich richtig gute Selfies machen.

Die Flamingos stechen dank ihrer Farbe besonders ins Auge.
Die Flamingos stechen dank ihrer Farbe besonders ins Auge. Florian Peljak

Einmal rechts: Nordamerika. Ein American Diner mit klassischen Milchshakes, die Lieblingsskulptur des Künstlers Verhoef, ein rosaroter Oldtimer-Schlitten mit Lenkrad und Radio und die Freiheitsstatue stechen in diesem Raum sofort ins Auge. An dem grauen Wahrzeichen New Yorks arbeitet der Niederländer Wim Vogel – bereits den dritten Tag, aber mit vier helfenden Händen.

„Ich arbeite viel mit Link-O-Loons, diese Ballons haben ein verlängertes Ende und lassen sich an dieser Stelle gut miteinander verknüpfen. Die Ballons dieser Statue sind nicht aneinander geklebt“, so Vogel. Ballonkünstler wie er zeigen solche Tricks und Deko-Tipps auch auf Social Media und erreichen mit ihren TikToks und Reels mehrere Millionen Aufrufe. Viele von ihnen nutzen die Plattformen gleichzeitig für Werbung, da sie zusätzlich zu den Ratschlägen Ballon-DIY-Sets verkaufen.

In den amerikanischen Schlitten können sich Besucher und Besucherinnen sogar setzen.
In den amerikanischen Schlitten können sich Besucher und Besucherinnen sogar setzen. Florian Peljak

Zweimal links abbiegen: Europa. Neben einer Windmühle, dem Schiefen Turm von Pisa, der an eine übergroße Hochzeitstorte erinnert, und weiteren Wahrzeichen Europas arbeiten ein paar Künstler noch an einem neuen Teil der Ausstellung. Die vier Zylinder des BMW-Hochhauses, die noch am Boden liegen, lassen erahnen, wie das Münchner Wahrzeichen bei der Eröffnung am 14. Februar aussehen soll. Durch den Eiffelturm, in einem anderen Eck des Raumes, führt eine kurze Passage in die Workshop- und Play-Area. Hier können Klein und Groß selbst mit Luftballons kreativ werden.

Künstler und Künstlerinnen beim Aufbau des BMW-Vierzylinders.
Künstler und Künstlerinnen beim Aufbau des BMW-Vierzylinders. Florian Peljak

Wieder zweimal links: Australien. Der rot-weiße VW-Bulli zählt hier zu den Highlights. Heidi Duffner aus Ingolstadt ist dabei, ihn aufzubauen. „An der ganzen Sache gefällt mir die wertschätzende Community. Und ich finde es cool, dass diese Ballons Naturprodukte sind, aus Naturkautschuk“, erzählt sie. Daher seien die Ballone aber auch empfindlicher als Plastik und der ein oder andere zerplatze beim Arbeiten schon kurz nach dem Aufblasen.

In der Regel halten sie aber die zweimonatige Ausstellungsdauer durch. Apropos Aufblasen: Das geschieht nicht durch menschliche Lungenüberanstrengungen, sondern durch kleine elektrische Ballonpumpen.

Ballonkünstler Guido Verhoef  posiert mit einem Nilpferd im Afrika-Teil.
Ballonkünstler Guido Verhoef  posiert mit einem Nilpferd im Afrika-Teil. Florian Peljak

Dem Uhrzeigersinn folgend links, und die Besucher und Besucherinnen landen auf dem letzten Kontinent der aufwendigen und beeindruckenden Ballonwelt.

Eine Pyramide mit Pharao, eine Sphinx und ein Nilpferd samt kleinem weißen Vogel repräsentieren hier, neben weiteren Skulpturen, Afrika. Die Künstler und Künstlerinnen haben eindeutig ein Auge fürs Detail. Egal, ob Lid und Iris des Nilpferds, Euter der Kuh oder Rückspiegel des Autos, es wurde an viele Einzelheiten gedacht.

Der letzte Feinschliff an einer Ballon-Kuh, bevor die „Luftballonwelten“ ihre Türen am 14. Februar öffnen.
Der letzte Feinschliff an einer Ballon-Kuh, bevor die „Luftballonwelten“ ihre Türen am 14. Februar öffnen. Florian Peljak

Die Kunstwerke, die Verhoef und seine Künstlerkollegen und -kolleginnen geschaffen haben, bleiben nicht für die Ewigkeit. Am letzten Tag der Ausstellung können Besucher und Besucherinnen die Ballone mit Nadeln platzen lassen. Die in zehn Tagen aufgebaute Welt wird wieder zu Luft. Was bleibt, ist die Erinnerung.

Luftballonwelten, 14. Februar bis 12. April, Pineapple Park München, täglich von 10 bis 19 Uhr, Infos unter www.luftballonwelten.com

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