Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt Schaufenster der Wissenschaften

Nach mehr als 50 Jahren wollen die Stadtplaner das Department Geowissenschaft, das derzeit in verschiedenen Gebäuden rund um den Königsplatz untergebracht ist, im ehemaligen Klinikviertel wieder vereinen

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Gegenüber dem charakteristischen Rundbau der Anatomie, in dem Studenten Leichen sezieren, entsteht das Department für die Geowissenschaften - zwischen Schiller- und Goethestraße. An der Pettenkoferstraße wird sich für den Neuzugang im Klinikviertel wenig verändern, an der Schillerstraße 42 bis 46 wird neu gebaut. Der Neubau soll sich bis tief in den Hinterhof ziehen. Die Stadtplaner haben nun empfohlen, die Gehwege entlang der Schillerstraße zu verbreitern, auf einen Teil der bestehenden Parkplätze zu verzichten und dafür einen kleinen neuen Platz zu schaffen.

Dinosaurier, Mammut, Urelefanten: Noch kann man sie im Museeumslichthof an der Richard-Wagner-Straße 10 bestaunen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Man könne so im dicht bebauten Bahnhofsviertel einen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität und Begegnungsräume schaffen und die Freifläche im rückwärtigen Teil des Grundstücks anbinden. Acht Parkplätze sollen dafür entlang des Neubaus weichen, das entspricht etwa vierzig Prozent der Parkfläche dieser Gebäudeseite. Von einer Aufweitung des Gehwegs zu einem Vorplatz des Fakultätsgebäudes sprechen die städtischen Stadtplaner.

Das Department Geowissenschaft ist derzeit in verschiedenen Gebäuden um den Königsplatz untergebracht. Sie sollen in dem Block im ehemaligen Klinikviertel nach mehr als 50 Jahren wieder vereint werden. Auch die Staatssammlungen für Paläontologie, Geologie sowie Mineralogie sollen einziehen, sie planen an der Schillerstraße das "Schaufenster der Wissenschaften", wo sie ihre Materialsammlungen präsentieren wollen. 520 Studenten werden derzeit in Geowissenschaften ausgebildet, 140 Mitarbeiter sind an den Instituten beschäftigt.

Die Staatssammlungen für Paläontologie und Geologie werden mit den Geowissenschaften in den von Architekt Ulrich Renger entworfenen Neubau an der Schillerstraße einziehen. Visualisierung: Ulrich Renger

(Foto: )

Bei den Lokalpolitikern in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt kam die Idee, auf Kosten der Parkplätze einen Vorplatz für Studenten und Besucher zu schaffen, gut an. Nur CSU und FDP war es dann doch wichtiger, dass dort acht Autos parken können. Doch sie konnten sich mangels Mehrheit nicht durchsetzen. Barbara Turczynski-Hartje (SPD), selbst Medizinerin, wies im Gegenzug darauf hin, dass man den Platz ruhig etwas größer machen könne - auch zu Lasten von noch mehr Parkplätzen. Schließlich verließen die Studenten nicht einzeln das Gebäude, sondern "im Schwall". Außerdem eigne sich das Quartier für Aufenthalte im Freien schon wegen des schönen Blicks auf die Anatomie und auf die Gärten davor. Der Vorschlag fand im Plenum Unterstützung.

An der Schillerstraße 42 bis 46 wird neu gebaut.

(Foto: Florian Peljak)

Der Neubau soll bis 2025 für 140 Millionen Euro errichtet werden. Gebaut werden soll er nach den Plänen des Münchner Architekten Ulrich Renger, der einen europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb mit 111 Büros für sich entschieden hat. Rengers Plan sieht ein fünfstöckiges Gebäude mit 18 000 Quadratmetern hinter einer gebogenen Fassade vor, mit viel Beton, Stahl, Aluminium und Glas. Für Renger ist es der erste große Wettbewerb, den er gewonnen hat. Sein Raumkonzept soll Besuchern einen guten Einblick in die Geowissenschaften und gleichzeitig den Wissenschaftlern ein ungestörtes Arbeiten ermöglichen. Konkret sieht das so aus: Zum Platz hin sind Ausstellungsflächen, die Caféteria und die Bibliothek vorgesehen, dahinter folgt eine Bürozone, erst dann die Labore.

Der Umzug der Geowissenschaften ins Klinikviertel ist für die LMU Teil einer Rochade. Zunächst gehen große Teile der Uniklinik nach Großhadern, die Vorklinischen Institute der Medizinischen Fakultät - sie waren bislang an der Schillerstraße untergebracht - ziehen auf den Campus Martinsried. Für die LMU werden weitere Flächen frei, das Klinikviertel soll zum Campus für Medizin und Wissenschaften werden.