Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt Piazza in Purpur

"Teilen schafft Raum": Auf dem Zenettiplatz wurden Parkplätze abgebaut und für Autos nur ein kleiner Teil belassen, um den Anwohnern Spielräume zu bieten. Diese, auch Gummi-Twist-Künstlerin Martha, sind begeistert.

(Foto: Robert Haas)

Die Anwohner erleben den Zenettiplatz gerade ganz neu, als große Spielfläche und Treffpunkt im Schlachthofviertel. Das Projekt soll im November enden, per Petition wird nun die Fortsetzung gefordert

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Was treibt einen dazu, sich auf einem allenfalls karg bewachsenen Platz aufzuhalten? Von zwei Seiten von vorbeifahrenden Autos halb umkreist und mit einer Großbaustelle schräg gegenüber? Am Zenettiplatz, zwischen Vieh- und Schlachthof gelegen und kürzlich vom trostlosen Parkplatz zum Anwohner-Treffpunkt umgestaltet, ist trotz dieser Ausgangslage die Lebensqualität in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen. "Piazza Zenetti", auffällig magentafarben und damit in helles Purpur getaucht, ist derzeit ein Anziehungspunkt - zum Spielen, Plaudern, für Aktionen wie ein Weißwurstfrühstück mit Vernissage. "Ich hätte nie gedacht, dass so was in unserer autolastigen Stadt so gut ankommt", sagt Anwohnerin Sandra Decius, die sich als Green-City-Mitglied dafür engagiert, dass auch das Grün auf dem Platz wächst und gedeiht.

Piazza Zenetti ist Teil des Forschungsprojektes "City2Share", und entsprechend durchgeplant: Stadtentwickler haben mit den Anwohnern ein Konzept erarbeitet und Aktionen angestoßen, Landschaftsarchitekten halfen beim Aufbau, dann kam Green City mit der Begrünung. Die Akzeptanz war groß, binnen eines Tages hatten die Anwohner das Bücherregal bestückt. Seitdem ist einiges passiert: Erwachsene trafen sich zum Yoga, Kinder zum Basteln oder zum Sport, eine Kraut-Folk-Band bespielte die Piazza. Die Unterstützer ziehen sich nun nach und nach zurück. Seit drei Wochen bespielen die Anwohner den Platz ausschließlich mit eigenen Ideen. In dieser Woche räumt auch Green City ab: Die meisten Bäume sind Wanderbäume, ihr Job ist beendet, sie sollen jetzt in die Erde, aber an einer anderen Stelle.

Bis jetzt sind die Anwohner mit Engagement und Freude dabei. Eine Mutter begrüßt, dass man am Zenettiplatz auch das Leben außerhalb von Wohnung und Innenhof mitbekomme. "Man trifft viele, die man schon kennt, und viele, die gleich um die Ecke wohnen und die man noch nicht kennt." Auch Kinder haben Spaß, hier ist Platz, zumal Treffpunkte und Spielplätze rar sind in der Gegend. Erwachsene mit magentafarbenen Gießkannen werkeln an Mini-Beeten am gegenüberliegenden Parkplatz und geben sich als "Beetpaten" zu erkennen. Der Südwestteil des Zenettiplatzes wurde als Parkraum belassen, doch nur für elektrobetriebene Fahrzeuge. Denn im Forschungsprojekt City2Share geht es um das Austesten von nachhaltiger Mobilität - MVG-Rad und BMW sind ebenfalls beteiligt. Und diese Parkplätze und Zapfsäulen würden gut genutzt, sagt Landschaftsarchitekt Felix Lüdicke.

Derzeit kann man sich auf einer Fotowand die Aktionen anschauen, die seit Mitte September geschehen sind. Und Andreas Bohnenstengel, Fotograf aus dem Viertel, hat am Sonntag eine Installation aufgestellt - eine Art Reiterstatue mit Fotos zum Pferdemarkt von 1996. Vom Zenettiplatz kann man die Baulücke sehen, die die kürzlich abgerissenen Pferdeställe auf dem Viehhof hinterlassen haben - den Platz braucht das neue Volkstheater. Sandra Decius hat nun einen Antrag gestellt und eine Open Petition eingeleitet. Sie will, dass das Projekt weitergeführt wird. Die Ursprungsplanung der Stadt sieht vor, dass das Magenta vom Zenettiplatz im November verschwindet, nach dem Winter aber, heißt es, könnte es wieder aufgebaut werden.