Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt Neuer Schwung

Im zweiten Anlauf akzeptiert die Stadtgestaltungskommission den Entwurf für das Nachfolgegebäude des ehemaligen Postlerwohnheims an der Baaderstraße. Auch der Bezirksausschuss-Vorsitzende reagiert positiv

Von Alfred Dürr, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Neustart für eines der umstrittensten Bauvorhaben im Viertel: Nachdem das Erscheinungsbild für den Komplex mit Eigentumswohnungen, der anstelle des ehemaligen Postlerwohnheims an der Baaderstraße entstehen soll, Ende Mai auf heftige Kritik in der Stadtgestaltungskommission gestoßen war, liegt nun ein gänzlich anderer Entwurf für das Projekt vor. Dieser lehnt sich deutlicher an die Strukturen des bestehenden Komplexes an, als dies das erste Konzept für den Neubau getan hatte. Das nahmen die Architekturexperten der Kommission, die den Stadtrat beraten, jetzt auch wohlwollend zur Kenntnis.

Das noch nicht einmal 30 Jahre alte Haus mit seiner bogenförmigen Kontur und der besonderen Gliederung der Fassade gehört zu den herausragenden Beispielen der Nachkriegsarchitektur in München. Der Abbruch, beklagte Stadtheimatpfleger Gert Goergens, wäre ein Verlust für die Baukultur in München. Das Gebäude sei so gut, sagte Bayerns oberster Denkmalpfleger, Generalkonservator Mathias Pfeil, dass er es sofort unter Schutz stellen würde - aber dafür sei es leider noch zu jung.

Abriss nach 30 Jahren: das frühere Postlerwohnheim an der Baaderstraße.

(Foto: Picasa)

Die modern ausgeprägte Fassade, die zunächst der Architekt Andreas Bayer für den Neubau konzipiert hatte, fand keine Akzeptanz in der Stadtgestaltungskommission. Der Urheber der Entwurfs für das Postlerwohnheim, Christoph Sattler, ist selbst Mitglied des Gremiums. Als Betroffener hielt er sich in der Mai-Sitzung keineswegs dezent zurück, sondern kritisierte das Neubau-Konzept. Es füge sich nicht in die Umgebung und sehe aus wie eine Hochgarage, sagte Sattler. Die Kommission entschied einstimmig, dass der Entwurf überarbeitet werden müsse.

Der Investor, die Heisig & Heisig Projektentwicklungs GmbH aus Irschenberg, entschloss sich für einen geschickten Schachzug und beauftragte das Büro Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht, einen besseren Vorschlag zu machen. Dieser wurde nun am Dienstag in der jüngsten Sitzung der Kommission präsentiert.

Christoph Sattler und seine Kollegin Rita Ahlers plädieren auch für einen Abriss. Das alte Gebäude erfülle im Bereich der Energieeffizienz nicht mehr die heutigen Anforderungen. Außerdem könne man in den bestehenden Strukturen keine Wohnungen mit unterschiedlichen Größen unterbringen. Man setze auf eine Weiterentwicklung des bestehenden Erscheinungsbildes und wolle dabei keinen harten Kontrast zur Umgebung.

Gut zitiert: Das Erscheinungsbild des künftigen Wohnkomplexes lehnt sich an das des bestehenden Baus an.

(Foto: Hilmer Sattler Architekten (Simulation))

Die Gliederung der neuen Fassade soll sich an jener des Vorgängerbaus anlehnen. Das Motiv der hohen Pfeiler an der runden Ecke ist auch am Neubau zu erkennen. Die Form der Fenster und die Abfolge der Erker sollen ebenfalls Erinnerungen an das ehemalige Postlerwohnheim wecken. Es gibt keine glatte Front aus Stahl und Glas, sondern eine massive Ziegelfassade. Bemerkenswert ist die Erdgeschoss-Zone mit Läden und Gastronomie.

Das sind alles Faktoren, die die Kommission durchaus begrüßt hat. Obwohl etwas Neues entstehe, könne man sich doch an das Alte erinnern, hieß es in der Debatte. Dass die Architekten eine Neuauflage ihres alten Entwurfs präsentierten, sei eine glückliche Fügung, sagte Stadtheimatpfleger Gert Goergens. Und für den Vorsitzenden des Bezirksausschusses, Alexander Miklosy (Rosa Liste), ist die Belebung des Erdgeschosses positiv, für ihn passt das zum Viertel.