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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Würdevolles Erinnern an die Opfer

Bezirksausschuss will mitreden bei Erneuerung des Denkmals auf der Theresienwiese

13 Tote und etwa 200 Verletzte hat das Oktoberfest-Attentat vor beinahe 39 Jahren gefordert. Immer wieder wurde danach kritisiert, dass die Anschlagsopfer lange viel zu wenig beachtet wurden - nicht nur von Bund und Land, auch von der Stadt. Inzwischen will die Stadt eine Kultur des Erinnerns etablieren. Im Jahr 2015 hat sie die Opfer das erste Mal eingeladen. Seit vergangenen September hängt eine Tafel am Rathaus, mit der Inschrift: "Ihr unbeachtetes Leid mahnt uns zur Fürsorge." In den nächsten Monaten soll mehr folgen, was die Erinnerung wachhält - vor allem mit Blick auf den 40. Jahrestag des Anschlags am 26. September 2020.

Die Stadt möchte auch einen würdigen Erinnerungsort am Eingang der Theresienwiese schaffen. Zumindest gibt es die Absicht, das Denkmal besser einzufrieden, es sichtbarer zu machen und würdevoller zu gestalten. Deshalb hat sich nun auch der Bezirksausschuss (BA) Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt eingeschaltet. Er fordert einstimmig, dabei eingebunden zu werden. Die Opfer fühlten sich brüskiert, hieß es im BA, sie können sich nicht mit dem bestehenden Denkmal identifizieren. Es sei, mit den Einschlägen, für die Bombe angelegt, nicht für die Opfer, so sei deren Interpretation.

Der BA hatte bereits vor einigen Jahren die Stadt aufgefordert, das Denkmal, ein rostiges Halbrund aus Metall am Platz des Attentats, zersiebt von Splittern, zumindest von Müll zu säubern. Angehörige der Opfer hatten beklagt, dass das Denkmal während der Wiesn überlaufen, nicht wahrgenommen und oft verdreckt wird.

Der Anschlag gilt heute noch als der größte rechtsradikale Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Entschädigungen durch den Bund gab es nicht, auch die Stadt zeigte sich zunächst nicht daran interessiert, das Attentat und die Opfer in den Mittelpunkt zu stellen. Nicht einmal die Adressen der Betroffenen wurden in der Verwaltung einheitlich und zentral gesammelt, geschweige denn geführt. Die Kostenübernahme für die Reha wurde ihnen lange verwehrt.

Nun hat die Stadt als erste Reaktion im vergangenem Jahr und auch heuer jeweils 50 000 Euro bereitgestellt, um den Opfern zu helfen. Die Hilfe gilt auch als Reaktion darauf, dass sich Bund und Land zurückhalten. Nach 39 Jahren spürten viele Opfer die Last des erlittenen Traumas immer noch oder sogar verstärkt, brauchten psychologische Unterstützung und Hilfsmittel wie Rollstühle oder orthopädische Schuhe.