Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Tierwohl vorerst gesichert

Tauben im Hauptbahnhof können trotz Netz ein- und ausfliegen

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Nach dem Aufschrei von Taubenschützern, am Wochenende seien im Hauptbahnhof Tauben und ihre Brut hinter einem Netz eingesperrt worden und drohten zu verenden, hat sich das Veterinäramt einschaltet. Nach einer Begehung mit Vertretern der Deutschen Bahn (DB) sagte ein Sprecher der Behörde, dass aktuell keine Tierwohlgefährdung vorliege. Mindestens 15 Tauben hätten sich bei der Begehung hinter dem Netz aufgehalten, inzwischen seien Fenster und Türen geöffnet, die Tauben könnten ein- und ausfliegen und sich selbst mit Futter und Wasser versorgen. Die DB habe angegeben, sie öffne Fenster und Türen direkt wieder, wenn sie aus Sicherheitsgründen während eines Gewitters geschlossen werden müssten. "Da die DB regelmäßig den Bereich auf Nester und Eier absucht, wurden keine Jungtiere vorgefunden."

Eine Sprecherin der Bahn sagte auf Anfrage, "den Tauben geht es gut, keine Taube war gefangen". Das Netz diene der Taubenvergrämung, das alte sei wegen Löchern abgebaut und von einem DB-internen Dienstleister durch ein neues ersetzt worden. Das Bahnhofsmanagement sei nicht nur mit dem Veterinäramt, sondern auch mit dem Münchner Tierschutzverein in Kontakt. Zu den Hausverboten, die am Wochenende mindestens zwei im Hauptbahnhof wachenden Taubenfreundinnen erteilt wurden, sagte die Sprecherin, dass diese im Interesse der Reisenden und Besucher ausgesprochen werden könnten, wenn gegen die Hausordnung verstoßen werde. Die Tierschützerinnen waren nach eigenen Angaben wegen Fütterns verwiesen worden - in mindestens einem Fall für zwei Jahre -, bestreiten das Füttern aber vehement. Sie hatten zunächst die Bahn, als sie dort nicht gehört wurden, auch Feuerwehr und Bundespolizei aufgefordert, die Tauben rauszulassen oder zumindest mit Wasser und Futter zu versorgen.

Der Münchner Tierschutzverein wurde anders als von der DB berichtet, erst nachträglich involviert. Er will sich nun darum kümmern, dass ein tierschutzgerechteres Netz angebracht wird. Eigentlich habe man einen guten Draht zur Bahn, sagte dessen Sprecherin Kristina Berchtold. "Ich verstehe nicht, dass sie uns nicht von vornherein eingebunden haben." Der Tierschutzbeauftragte im Bezirksausschuss Arne Brach (Grüne), der sich am Sonntag selbst ein Bild von der Lage im Hauptbahnhof machte, sprach nach Gesprächen mit Mitarbeitern der DB Sicherheit und der Bundespolizei von "mangelnder Sensibilisierung für das Tierschutzgesetz". Er bedauerte die gestörte Kommunikation zwischen den Beteiligten und bot sich als Vermittler an. "Es sind viele Fragen offen, die dafür sorgen, dass keiner sich vertraut. Das muss im Sinne aller beendet werden." Die Situation am Wochenende hätte man sehr einfach und sofort lösen können. "Wenn man die Tiere da weg haben will, dann lässt man sie eben raus und danach keine mehr rein. Damit wäre ein ganzer Bereich gesichert und das Problem gelöst."

© SZ vom 29.07.2021
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