Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Stühlerücken bei den Grünen

Stephan Alof an der Isar in München, 2020

Stephan Alof vor St. Maximilian, "seiner" Kirche.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Kirchenpfleger, Gastronom und Bestatter Stephan Alof gibt die zeitaufwendige Lokalpolitik nach einem Jahr wieder auf

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Stephan Alof, Münchens umtriebigster Kirchenpfleger, hat sein Amt im Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt schon nach gut einem Jahr aufgegeben. "Ich habe völlig unterschätzt, wie zeitaufwendig der Job ist." Zwei Ausschüsse, dann die Plenumssitzung - fünf Abende monatlich fielen für die politische Arbeit im Stadtviertelgremium an, zählt er auf; dazu komme, dass man sich in den Themen ständig auf dem Laufenden halten müsse. Zu viel - er habe ja bereits ein zeitfüllendes Ehrenamt als Kirchenvorstand in St. Maximilian.

Wer Alof kennt, weiß, dass er auch über die Kirchenarbeit hinaus nicht unterbeschäftigt ist. Innerhalb weniger Jahre stampfte er eine Reihe gutlaufender Gastrobetriebe mit Namen wie "Jessas", "Maria" und "Josef" aus dem Boden, derzeit will er als Bestatter vieles anders machen als seine Kollegen. Kurz vor den Kommunalwahlen, also auch kurz vor Beginn der Pandemie, hat er sich aus der Gastroszene weitgehend zurückgezogen. Das "Josef" führt er nach wie vor, ebenso die Bäckerei Alof an der Hans-Sachs-Straße - und eben, als Teilhaber, ein Bestattungsunternehmen. Im März hat er ein Buch veröffentlicht. Es handelt, so heißt es im Untertitel, "Von Särgen, Schnitzeln und der Schockstarre der Kirche". Alof schreibt darin mit Humor gegen besagte Schockstarre an.

Für Stephan Alof rückt Hubert Ströhle für die Grünen im Bezirksausschuss nach, ebenso als Mitglied in den Unterausschüssen "Öffentlicher Raum und Mobilität" und "Kultur, Jugend und Soziales". Ströhle war bereits viele Jahre lokalpolitisch unterwegs, er ist EDV-Koordinator, kennt sich in der Stadtplanung aus und setzt sich für den Ausbau von Fahrradwegen ein. Bei den Kommunalwahlen 2020 stand er zwar relativ weit vorne auf der Liste, doch zogen prominentere Grünen-Mitglieder, die erstmals kandidierten, an ihm vorbei: neben Stephan Alof auch Beppo Brem, Sportfunktionär beim Bayerischen Landessportverband, Claudia Lowitz, sie fiel auf als Gesicht des Bürgerbegehrens Radentscheid München, und Florian Petrich, Erfinder einer Samenbox, die er mit einem Pflanz-Planer für Balkon-Gemüseanbauer per Post verschickt.

© SZ vom 03.08.2021
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