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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Kahlschlag auf der Westseite

Deutsches Museum in München, 2015

Die Ufermauern des Deutschen Museums werden wasserfest gemacht. Dafür müssen Bäume und Büsche weichen.

(Foto: Robert Haas)

Weil das Deutsche Museum von Grund auf saniert wird, müssen jetzt rundherum Bäume und Büsche gerodet werden

Von diesem Donnerstag an wird kräftig abgeholzt: Wenn am 1. Oktober die Baumschutzfrist abläuft, haben Firmen, die fällen, erst einmal Hochkonjunktur. Auch auf der Museumsinsel, rund um das Deutsche Museum, sollen Bäume und Büsche fallen, am Donnerstag zunächst an der Corneliusbrücke. Die Maßnahmen sind seit Langem angekündigt. Die Westseite zum Patentamt hin muss komplett gerodet werden, sonst kann die Ufermauer nicht saniert werden. An der Ostseite, entlang der Kleinen Isar, gebe sich das Museum größte Mühe, möglichst viel stehen zu lassen, hat Dieter Lang, der Bauleiter des Deutschen Museums, in den vergangenen Monaten immer wieder beteuert.

Ob wirklich am Donnerstag mit dem Roden begonnen werden kann, wird sich noch zeigen. Denn bedingt durch den straffen Terminplan waren erst am Dienstag alle dafür erforderlichen Genehmigungen unter Dach und Fach. Da hatte die Firma, die mit der Fällmaßnahme beauftragt ist, den Terminplan bereits kurzfristig geändert. Deshalb könnte der Start auch auf den kommenden Montag verschoben werden, hieß es. Geplant ist, auf der Westseite des Museums anzufangen, eben an der Corneliusbrücke. Dann sollen sich die Fälltrupps weiter nach Norden vorarbeiten. Auch die Kastanien an der Westseite werden gefällt, die vier an der Ostseite sollen erhalten bleiben.

Insgesamt geht es um zehn Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 1,70 Meter und um acht weitere mit einem Umfang zwischen 80 Zentimetern und 1,70 Metern. Diesmal wird kein Aufschrei der Naturschützer erwartet, sie zeigen ein gewisses Verständnis für den Eingriff in die Natur. Ohne die Fällungen wäre der 90 Jahre alte Museumsbau kaum zu retten, sagen Fachleute. Die Isar unterspült ihn, immer wieder dringt Wasser in die Keller und inzwischen auch in Ausstellungsräume ein. Seit Jahren wird laufend kleinteilig renoviert, ganze Teams sind im Einsatz, um Bauwerk und wertvolle Kulturgüter trocken zu halten, immer wieder müssen die Pumpen angeschaltet werden.

An der Ostseite unterhalb der Ufer können alle Bäume stehen bleiben. Oberhalb werden einige Bäume durch spezielle Verfahren erhalten, ein Riesenahorn nahe dem Schiff im Museumsgarten kann durch eine Verlagerung der Mauer stehen bleiben. Vier Kastanien sollen durch ein besonderes Mauerbauverfahren in kleinen Abschnitten, "im Pilgerschritt" heißt es, zu retten sein. Ziel der Bauarbeiten ist es, erstmals in der langen Geschichte des Gebäudes die Hochwassersicherheit zu erreichen. Wegen der Insellage steigt der Grundwasserpegel immer dann, wenn die Isar Hochwasser führt. Das Untergeschoss steht dann stets unter Wasser, für die Kulturgüter "kein tragbarer Zustand".

Die Ufermauerbefestigung ist die erste Maßnahme zur Generalsanierung der Museumsbauten, die insgesamt zehn Jahre dauern und fast 450 Millionen Euro kosten soll. Parallel dazu werden in den kommenden neun Monaten im Innern die Exponate ausgeräumt. Vom 18. Oktober an wird dafür eine Hälfte der Ausstellungen im Museum geschlossen.