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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Glockenbach in Kinderhand

Die Lokalpolitiker wollen auf dem Platz vor dem Jugendhaus Kubu Autos zu Gunsten von Spielzonen zurückdrängen

Der Platz vor dem Kinder- und Jugendhaus Kunterbunt (Kubu) soll so umgestaltet werden, dass er vorwiegend und weit mehr als bislang von Heranwachsenden genutzt werden kann. Die Kinder- und Jugendbeauftragte im Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, Beate Bidjanbeg (SPD), hat diese Idee - trotz Sicherheitsbedenken vor allem wegen der dort vorbeiführenden Fahrradstraße - ohne Gegenstimme in ihrem Gremium durchgebracht. Jetzt muss die Verwaltung entscheiden, inwieweit dies möglich ist.

Im Raum steht ein Autofahrverbot. Radfahrer sollen die Straße im Schritttempo nutzen können. Der Spielabschnitt könnte mit Platten belegt werden, ebenerdig mit den vorhandenen Gehsteigen. Für den Spielbereich soll auch die Mobilitätsstation aus dem Forschungsprojekt City 2 Share weichen. Der Paketzusteller UPS hat dort eine Verteilstation eingerichtet, von der aus das Viertel per Fahrrad beliefert wird. "Wir wollen nicht City 2 Share im Weg stehen", sagte Bidjanbeg. "Und es ist nicht viel Platz, den wir wollen." Die Mobilitätsstation solle nach dem Ende des Forschungsprojektes beibehalten, aber weiter nach Norden verlegt werden.

Es gebe viel zu wenige Plätze für Kinder im Viertel, gerade für größere, begründete Beate Bidjanbeg ihren Einsatz. Seit Jahren gab es immer wieder Vorstöße aus der Kinder- und Jugendeinwohnerversammlung, eine Spielstraße sei dort aus verkehrsrechtlichen Gründen schon einmal abgelehnt worden. Derzeit steht der Bereich Am Glockenbach/Holzstraße und Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz zur Umgestaltung an, dabei könnten auch Kinder-Belange stärker berücksichtigt werden. Es wurde offenbar schon viel Vorarbeit geleistet: Vorschläge seien aus vielen Gesprächen mit Kindern und Eltern, nach Rücksprache mit dem Kubu-Betreiber Caritas und städtischen Referaten entstanden, sagte Bidjanbeg.

Der eingezäunte Platz vor dem Kubu soll auch außerhalb der Betriebszeiten des Kinder- und Jugendhauses zum Spielen zur Verfügung stehen, fordert die Lokalpolitikerin - vor allem in den Abendstunden, in den Ferien und an Wochenenden. Die Stadt soll dafür ein Betriebs- und Versicherungsmodell ausarbeiten, zum Beispiel analog zu den Schulhof-Öffnungen. Der Träger Caritas, der im Kubu mit Sozialpädagogen arbeitet, habe bereits viele Programme zu diesen Zeiten erfolgreich umgesetzt, allerdings sei mit dem vorhandenen Personal nicht möglich, alle für das freie Spiel attraktiven Zeiten abzudecken.

Ein Bürger wies auf die Bedeutung der Strecke für die Fahrradfahrer hin, er schlug vor, an der Seite des Kubu neue Spielflächen anzulegen, allerdings hatte die Stadtverwaltung dies bereits abgelehnt. Bedenken, dass Radfahrer und Kinder nach der Umgestaltung kollidieren könnten, schränkte zunächst ein Mitarbeiter des Kubu ein: Bereits jetzt nutzten Radler zur Abkürzung vielfach den Gehweg, da die Radroute an der Stelle einen Schlenker mache. Falls eben dort die Hauptroute verlaufe, müsse man diese eigentlich jetzt schon überdenken, meinte er.

So mancher Zuhörer wunderte sich über die Kollisions-Diskussion: "Wer verbietet denn Radfahren im Spielbereich?", fragte ein Anwohner der Holzstraße. Auch Fahrradfahrer können sich doch mal etwas zurücknehmen.