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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Bloß keine Schmuddelecken

Beginn Abriss Schalterhalle Hauptbahnhof München

Zugang versperrt: Wenigstens Einblick in die Bauarbeiten durch eine „Infobox“ sollten Passanten haben, finden die Hoteliers in der Nähe.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

"Die Visitenkarte der Stadt": Hotelbetreiber rund um den Hauptbahnhof beäugen die Großbaustelle und deren Auswirkungen kritisch

Es ist ein Mammutprojekt für die Bahn, und könnte bei nicht ausgereifter Planung zur immensen Belastung für Anlieger, Reisende und Passanten werden: Über zehn Jahre hin erstrecken sich die Baumaßnahmen am Hauptbahnhof, oben wie unten, bis in 40 Meter Tiefe. Dass diese möglichst reibungslos verlaufen, daran sind auch die Betreiber der umliegenden Hotels interessiert, die sich um Lärm und weite Wege für Gäste, Anlieferer und um den Ruf des Bahnhofsviertels sorgen. Der Verein der Selbstständigen, in dem viele Hotelbetreiber organisiert sind, hat sich am Dienstag von Bahnvertretern, die am Bau der zweiten Stammstrecke planen, im Hotel Cristal informieren lassen.

Die Hotelmanager interessierte nicht nur Zeitfenster, Ablauf und Verkehrsführung, sondern auch, wie wichtig die Bahn es mit Sauberkeit und Sicherheit nimmt. Bezirksvorsitzender Fritz Wickenhäuser verwies auf das Busunglück in Trudering beim Bau der U 2: "Wichtig ist, dass es nicht schlimme Überraschungen gibt, sondern dass Sie alles im Griff haben." Und dass aus dem Bau-Jahrzehnt nicht Jahrzehnte werden. Betont wurde auch, dass die Baustelle von der Projektleitung so positioniert werden solle, wie es sich für einen großstädtischen Hauptbahnhof zieme. Schmuddelecken seien dringend zu vermeiden. Der Hauptbahnhof sei das Einfallstor für München, eine Visitenkarte der Stadt, wie ein Hotelmanager es ausdrückte. Gewünscht wurde eine Info-Box, von der Besucher aus Einblick in die Baustelle und in den Baufortschritt bekommen, ähnlich der Humboldt-Box, die über Jahre als Ausstellung und Informationszentrum für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses fungierte.

In puncto Sicherheit zeigte sich der Projektleiter für den Umbau des Hauptbahnhofs, Martin Wieser, optimistisch. Dunkle Ecken gebe es nicht, die Baustelle und die Gänge für die Passanten und Umsteiger sollen hell ausgeleuchtet werden. In Sachen Müll blieben Wieser und Jörg Mader von der DB-Netz AG, Referent für Anwohner und Bürgerkommunikation, aus Sicht der Hoteliers vage. Auf der Baustelle gebe es eine Autowaschanlage, damit Laster den Baustaub nicht heraustragen, auch seien Kehrmaschinen im Einsatz, einmal am Tag solle der Müll an der Lärmschutzwand um die Baustelle eingesammelt werden.

Seit einem Jahr arbeitet die Deutsche Bahn an der Vorbereitung der Hauptbahnhof-Baustelle für die zweite Stammstrecke, derzeit noch vorwiegend im Keller beim Kabelabbau. Sie soll die zweite offene Baustelle nach der am Marienhof werden, eine dritte ist am Ostbahnhof geplant. Mitte Juli steht der Abriss der Schalterhalle mit dem "Schwammerl" an. Im kommenden Jahr soll die Baugrube umschlossen werden, ähnlich wie beim Marienhof mit Schlitzwänden. In den Jahren 2021/22 werden sechs Geschosse bis in 40 Meter Tiefe erstellt: Unter der seit Montag gesperrten Schalterhalle soll ein Tiefbahnhof für die zweite Stammstrecke angelegt werden - gekrönt von einem neuen Zugangsgebäude. Gearbeitet wird von 8 bis 20 Uhr, während des Abbruchs sollen 20 bis 25 Lkw täglich den Erdaushub abfahren, während des Aushubs der sechs Ebenen 40 bis 60 Lkw.

Misstrauisch wurden die Selbständigen aus dem Bahnhofsviertel, als Mader für eine Baustelle dieser Dimension wenig gravierende Einschränkungen für den Verkehr ankündigte. So soll lediglich der Bahnhofsplatz auf eine Fahrspur reduziert werden, in der Bayer- und der Arnulfstraße sind nur kleinere Eingriffe geplant. Die Hoteliers forderten mehr Informationen über die Koordination mit anderen Baustellen. Wickenhäuser wies darauf hin, dass auch die Stadtwerke gleichzeitige Baustellen angekündigt haben - an Tramgleisen auf dem Bahnhofsplatz und in der Bayerstraße. Nun ist eine zweite Veranstaltung geplant, auf der Vertreter der Bahn mit den Baukoordinatoren von Stadt und Stadtwerken auftreten sollen.