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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Bahnwärter Thiel auf dem Abstellgleis

"Bahnwärter Thiel" in München, 2016

Der "Bahnwärter Thiel" soll zum "Kreativkosmos" ausgebaut werden. Doch vorerst tut sich wenig.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Lokalpolitiker fürchten, dass das Kreativprojekt auf dem Viehhofgelände in diesem Jahr wegen ausstehender Genehmigungen nicht mehr starten kann

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Dem Kulturprojekt "Bahnwärter Thiel", das auf der Rampe des Viehhofgeländes geplant ist, droht für dieses Jahr das Aus. Offenbar stehen noch immer Genehmigungen aus. Lokalpolitiker aus der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt haben deshalb jetzt Alarm geschlagen. "Es wäre sehr schade für unser Viertel. Das Gebiet hinten auf dem Viehhof liegt dann einfach brach und wird mehr und mehr zugemüllt", hieß es im Unterausschuss Kultur, Jugend und Soziales. Jetzt soll die Stadt aufgefordert werden, so schnell wie möglich die fehlenden Genehmigungen zu erteilen.

Das Programm des Bahnwärters Thiel bereichere die kulturelle Vielfalt im Viertel erheblich, hieß es einhellig. "Wir unterstützen die Planung ausdrücklich", sagte die Lokalpolitikerin Beate Bidjanbeg (SPD). Sie lasse, wie in der Bürgerwerkstatt zum Viehhofgelände gefordert, ein Stück urbanes, künstlerisches Leben und Arbeiten entstehen, nehme auf die Identität des Geländes Rücksicht, mache es sicherer und zeige kreative Wege in eine neue Nutzung als Freifläche für Bürger auf. "Außerdem kann so die Rampe während der Bauarbeiten am Volkstheater zugänglich bleiben."

Daniel Hahn, Erfinder und Betreiber des Bahnwärters, will das bewährte Kultur-Programm der vergangenen Winter weiterführen. Der Bahnwärter musste einige Meter weiterziehen, denn auf dem bisherigen Areal soll das neue Volkstheater gebaut werden. Hahn hat einen Vertrag für fünf Jahre bekommen. Doch mehr als seine Sachen lagern kann er dort offenbar noch nicht. Sein Konzept hatte Hahn im Sommer vorgelegt. Demnach will er um den ehemaligen Kunstpavillon des Lenbachhauses Waggons und ein altes Bahnwärterhaus einbeziehen. Frachtcontainer sollen zwischen den Rampen versenkt und teils als Ateliers und Ausstellungsräume genutzt werden. Die Nutzer des Areals - vor allem Graffiti-Sprayer und die Mieter der Hochbeete des Südgartens - will Daniel Hahn fest einbinden.

Beate Bidjanbeg hofft darauf, dass die Stadt sich stärker "risikobereit" zeigt, kreative neue Ansätze schneller und offener angeht. Alternative Projekte könnten eine Verwaltung wohl überfordern, schließlich gebe es keine Vergleichsmaßgaben wie beim Hausbau. Doch Hahn müsse dringend loslegen und Mitstreiter für den Aufbau engagieren. Auch die Polizei plädiert für einen schnellen Start. "Wir würden begrüßen, wenn sich da etwas bewegt", sagte Polizeihauptkommissar Rudolf Stadler, Chef der zuständigen Inspektion. Es habe öfter Sachbeschädigungen gegeben in jüngster Zeit. Wenn das Areal wieder belebt sei und geregelte Veranstaltungen stattfänden, erledige sich das.

© SZ vom 17.10.2017

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