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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Bärlauch vom Südfriedhof

Sicherheitsdienst soll auch auf den Naturschutz achten

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Der Bezirksausschuss (BA) Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt hat dem Anliegen der Münchner Friedhofsverwaltung, weiterhin einen privaten Sicherheitsdienst im Alten Südlichen Friedhof patrouillieren zu lassen, einhellig zugestimmt. Die Bestreifungen sollen jedoch mit geschultem Personal und in erster Linie in den Zeiten durchgeführt werden, in denen eine intensive Nutzung durch Anwohner und Besucher absehbar ist. Der BA unterstütze Bestreifungen zur Information und Aufklärung von Besuchern - und gegebenenfalls zur Unterbindung von Fehlverhalten, hieß es zusammenfassend in einer Stellungnahme in der Sitzung am Dienstag. Dem Naturschutz soll bei Patrouillen eine große Rolle eingeräumt werden.

Der BA reagierte damit auf einen Bericht der Stadt über einen einjährigen Versuch auf dem Süd- und dem Nordfriedhof. Darin hatten die Behörden dringend empfohlen, den Einsatz fortzuführen. Der Alte Südliche Friedhof hat sich dem Bericht zufolge zu einem Tummelplatz der Drogenszene entwickelt. Darüber hinaus hätten die Patrouillen "regelrechte Gelage" festgestellt, Menschen beim Urinieren gegen Grabsteine und bei "sexuellen Handlungen" ertappt. Die Brunnenanlage werde von Kindern als Planschbecken benutzt und mit Kies und Steinen verstopft.

Bestreifungen ja, man solle es aber auch "nicht übertreiben", sagte Beate Bidjanbeg (SPD), die Vorsitzende des Unterausschusses für Kultur, Jugend und Soziales. Es gehe auch um andere Aspekte als die Pietät, der Alte Südliche Friedhof sei weit mehr als ein ehemaliger Friedhof, er sei auch ein geschichtliches Zeugnis, eine Art Freilichtmuseum. Und er sei ein Biotop, lege einmaliges Zeugnis von der Zeit ab, als die Isarvorstadt regelmäßig vom Hochwasser des Flusses überschwemmt war, nur in diesem Bereich sei der Boden nie versiegelt gewesen. Beate Bidjanbeg kritisierte, dass der Naturschutz im Patrouillen-Bericht gar nicht vorkomme. Dabei berichteten Anwohner von Besuchern, die dort Blumen pflückten oder sich Bärlauch fürs Mittagessen zupften - ohne sich bewusst zu sein, dass auch die Pflanzen zu schützen seien. "Wir fordern deshalb, dass auch diese Aspekte bei einer Bestreifung als Argumente zum Schutz der Denkmäler und Ruhe transportiert werden."

© SZ vom 21.01.2021
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