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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Alte Synagoge wird saniert

Sie überstand Naziterror und Krieg: Die ehemalige Synagoge an der Reichenbachstraße gilt als architektonisches Juwel im Stil des Bauhauses.

(Foto: Stephan Rumpf)

Sowohl die Stadt München als auch der Bund beteiligen sich mit jeweils drei Millionen Euro an den Kosten

Die ehemalige Synagoge im Hinterhof des Anwesens Reichenbachstraße 27, seit dem Jahr 2007 ein Baudenkmal, soll als solches erhalten bleiben. Der Stadtrat hat am Mittwoch mehrheitlich beschlossen, die Sanierung voranzutreiben und mit drei Millionen Euro finanziell zu unterstützen. Die gleiche Summe hat der Bund bereits zugesagt. Derzeit ist das Gebäude für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Der bauliche Zustand schließt das aus. Seit der Eröffnung des jüdischen Gemeindezentrums auf dem St.-Jakobs-Platz im Jahr 2007 verfällt es.

Auch der Freistaat wird sich voraussichtlich mit der gleichen Summe beteiligen: Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Staatsregierung, hat am Donnerstag in einem Schreiben Staatskanzleiminister Florian Herrmann um angemessene Unterstützung gebeten: Die ehemalige Synagoge an der Reichenbachstraße sei als Werk des Modernismus ein einzigartiges Baudenkmal. Sie habe die Reichspogromnacht und den Krieg überstanden und sei im Wesentlichen noch erhalten. Er sei sehr dankbar, dass nach umfassenden Vorplanungen die notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen unternommen würden. Eine Sanierung ist bereits seit Jahren im Gespräch. Vor eineinhalb Jahren war die Rede davon, dass Stadt, Freistaat und Bund jeweils ein Drittel der Kosten übernehmen sollen. Die genaue Höhe ist laut dem Münchner Bildungsreferat offen.

Die Publizistin Rachel Salamander, die 2013 den Verein "Synagoge Reichenbachstraße", der das Gotteshaus retten soll, mitinitiiert hat, sprach nach den Voruntersuchungen von einer Summe von neun Millionen Euro. Sie sagte, dass der Bau nicht nur eine Synagoge sei, sondern auch ein architektonisches Juwel im Stil des Bauhauses. Im Jahr 1931 war die Synagoge an der Reichenbachstraße eröffnet worden - sie war die letzte, die man vor 1945 errichtete. Während der Pogrome im November 1938 wurde vieles zerstört, die Grundsubstanz blieb aber erhalten. "Es wäre nicht nur vor der historischen Gerechtigkeit an der Zeit, das, was die Nazis zerstört haben, wieder instandzusetzen", sagt Rachel Salamander.

Der Bau ist von Gustav Meyerstein entworfen worden, ein Architekt, der auch in Israel viele Gebäude im Stil der Bauhausmoderne geplant hat. Die dreischiffige Gebetsstätte bot Platz für 850 Menschen. Initiiert wurde sie von zwei Gruppen sogenannter Ostjuden, die nach der Jahrhundertwende nach München zugewandert waren, aus Österreich-Ungarn, aus Russland, später als Emigranten aus der Sowjetunion. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Synagoge noch jahrzehntelang bis zum Umzug an den St.-Jakobs-Platz von der Israelitischen Kultusgemeinde genutzt. Nach der Sanierung könne sie zur Begegnungs-, Diskussions- und Veranstaltungsstätte für alle Bürger werden, hatte Rachel Salamander im Sommer vor einem Jahr gesagt. Sie könne sich in Verbindung mit dem Jüdischen Zentrum einen "Rundgang des jüdischen Lebens" vorstellen.