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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Alles andere als ein Konsumprojekt

Die Lokalpolitiker befürworten das Kulturkonzept des "Bahnwärter Thiel"

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Geht es nach dem Bezirksausschuss (BA) Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, kann das Kulturprojekt "Bahnwärter Thiel" auf dem Viehhof aufgebaut werden. Gegen drei Stimmen - eine von den Grünen, zwei von der CSU - hat das Plenum sich für die Einrichtung mit Pavillon und Waggons, Containern und Gewächshäusern ausgesprochen. Das Projekt ist auf fünf Jahre befristet. Jetzt steht nur noch die Baugenehmigung aus. Silvia Haas (Grüne) gelang es nicht, das Gremium zu mehr Skepsis zu bewegen. Immerhin seien wegen des Bahnwärter Thiel 16 Anzeigen bei der Polizei eingegangen, gab sie zu bedenken. Der Waggon war mit Zelten und Containern bereits in den vergangenen Wintern auf dem Gelände präsent gewesen - für Lesungen, Konzerte, den Wintermarkt und Clubnächte. Silvia Haas: "Die Anwohner befürchten, dort entwickelt sich eine Partyzone."

Ihre Fraktionskollegen machten jedoch deutlich, dass diese Bedenken nur wenige Nachbarn teilen. Gerhard Metzger und Paul Bickelbacher, selbst Anwohner, setzten sich vehement für den Bahnwärter Thiel ein. Die Nachbarschaft freue sich darauf, sagten sie, es sei ein ehrgeiziges Vorhaben, ideal für das Gelände. Helga Solfrank (Grüne) lobte, dass das Projekt Menschen verbinde, die nicht nur konsumierten, sondern kreativ und sozial Dinge angingen.

Für die CSU versuchte deren Sprecher Florian Florack vergebens, engere Rahmenbedingungen zu setzen: Das Projekt müsse limitierter befristet sein, es dürfe keinesfalls eine Bebauung des Areals verzögern. In Bezug auf Lärm riet er seinen Kollegen, "nicht blauäugig" zu sein. Schließlich biete es sich für Besucher des Bahnwärter Thiel an, zur Müllerstraße zum Feiern weiterzuziehen. "Es wird bestimmt nicht so laut, wie einige befürchten, aber es wird mit Sicherheit insgesamt lauter sein."

Beate Bidjanbeg (SPD), Vorsitzende des Unterausschusses Kultur, verwies auf die Besonderheit des Bahnwärter Thiel, dass viele Menschen dabei mitmachen und mitgestalten könnten. "Partykultur ist dagegen ein Konsumprojekt." Sie plädierte dafür, Betreiber Daniel Hahn nun nach den vielen Vorgesprächen doch anfangen zu lassen. Mit ihm könne man auch noch reden, wenn etwas daneben gehe. "Wir schauen immer neidisch nach Silicon Valley - bei uns wäre so etwas nicht so leicht möglich. Aber dort hat man auch nicht die Einstellung: oh Gott, was kann alles passieren."

Auch für den Betrieb der MS Utting, des ehemaligen Dampfschiffs, das Daniel Hahn im Februar aus dem Ammersee geholt und auf den Gleisen über der Lagerhausstraße zwischen Viehhof- und Großmarktgelände abgesetzt hat, liegen die Einwilligungen der Lokalpolitiker vor. Der dort zuständige Bezirksausschuss Sendling hat kürzlich dem Sicherheits- und Lärmkonzept zugestimmt. Danach soll die MS Utting bis 1 Uhr geöffnet haben dürfen, draußen im Freien können Besucher bis 23 Uhr sitzen.

© SZ vom 27.10.2017

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