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Lokführer:Bahn frei

In der Weihnachtszeit sind keine S-Bahn-Streiks zu erwarten

Im vorweihnachtlichen S-Bahn-Verkehr wird es keine Behinderungen durch Streiks geben. Dies kündigte Claus Weselsky, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Landesversammlung seiner Organisation in Herrsching an. Obwohl am Donnerstagabend die vierte Tarifrunde mit der Deutschen Bahn (DB) in Berlin beginnen sollte, in der es vor allem um Arbeitszeitregelungen geht, wird es laut Weselsky "heuer definitiv keine Streiks mehr geben, auch keine Warnstreiks". Und er fügte hinzu: "Dass wir das können, das weiß inzwischen die ganze Republik." Damit spielte er auf die Jahre 2014 und 2015 an, als die Lokführer den Bahnverkehr in Deutschland teils lahm gelegt hatten. Vor etwa 120 Lokführern und Zubegleitern aus ganz Bayern kündigte der Gewerkschafts-Chef an, erst auf die Schlichtung zu setzen.

Es ist vor allem die Arbeitsbelastung des Zugpersonals, die die GDL senken will. Doch wie immer in Tarifverhandlungen geht es auch ums Geld. Die GDL bringt eine Standortzulage ins Gespräch, um die regional unterschiedlich hohen Lebenshaltungskosten auszugleichen. "Das ist keine Zulage, die nur fürs teure München oder Frankfurt oder Berlin gelten soll", sagt Weselsky. Die Zulage müsse auch für andere Regionen gezahlt erden, und zwar "gerecht abgestuft". Als Vorreiter soll dabei allerdings die Münchner S-Bahn dienen.

Der Mangel an Lokführern - bundesweit fehlen mehr als 1000 - führe häufig zu Verspätungen und Zugausfällen, die durch technische Probleme und die vielen Baustellen ohnehin schon sehr häufig seien. Schuld an den Verspätungen seien allerdings "keinesfalls" die Lokführer, sondern das Management der Bahn, das viel zu spät in das marode Streckennetz investiert habe. In dem Zusammenhang stieß auch die kürzlich erst beschlossene zweite Stammstrecke für die S-Bahn in München auf Kritik. "Das gesamte Geld, das in Bayern in die Infrastruktur der Bahn gesteckt wird, fließt nach München", sagte Dietmar Knerr, Geschäftsführer von Agilis. Diese Gesellschaft betreibt Zugverkehr in Niederbayern, Oberfranken und der Oberpfalz. Gerhard Knöbel, Vorstand der Länderbahn, monierte die vielen Baustellen im Bahnnetz. "Die machen uns kaputt." Und Bernd Rosenbusch, Chef der Bayerischen Oberlandbahn und der Bayerischen Regionbahn sagte, es sei ihm "ein Rätsel, wie wir in den nächsten 15 Jahren auf eingleisigen Strecken fahren sollen."

© SZ vom 18.11.2016
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