Süddeutsche Zeitung

"Löwengrube"-Autor:Willy Purucker ist gestorben

  • Regisseur Willy Purucker ist im Alter von 89 Jahren gestorben.
  • Der Drehbuchautor hat über 50 Jahre lang für den Bayerischen Rundfunk gearbeitet.
  • Für die Familiensaga "Die Löwengrube" wurde er 1992 mit dem Adolph-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Von Karl-Otto Saur

Viele Münchner kennen die Löwengrube. Es ist eine kleine Straße hinter der Frauenkirche. Dort liegt ein wuchtiges Gebäude mit einem schmiedeeisernen Tor: das Polizeipräsidium der Stadt.

Die Löwengrube hieß auch die 32-teilige Fernsehserie, für die Willy Purucker das Drehbuch geschrieben hatte. Besser gesagt, er hat eine Geschichte noch einmal mit Bildern erzählt, die zuvor im Radio schon eine große Fan-Gemeinde gefunden hatte. Dort hieß sie weniger zweideutig Die Grandauers und ihre Zeit. Im Mittelpunkt der Geschichten steht die Familie des Polizeikommissars Grandauer. Grandauer war der Typ des Beamten, der auch in den politisch so wechselhaften Zeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für Recht und Ordnung sorgte. Purucker beherrschte die Kunst, die großen politischen Ereignisse mit dem Leben der kleinen Leute in Verbindung zu bringen. Jörg Hube gab dem Kommissar in der Regie von Rainer Wolffhardt eine tragische Mischung aus Anpassung und Widerstand, wie wir es im Fernsehen nur selten zu sehen bekamen.

Genaue Beobachtung des täglichen Geschehens

Das lag aber vor allem daran, dass Purucker sich die Geschichten nicht einfach einfallen ließ. Er hatte in den Archiven der Münchner Kriminalgeschichte ebenso recherchiert wie in den Akten der Nazis. Und auch seine Erinnerungen an Radio München und den BR, wo er seit 1947 arbeitete, sind zeitgeschichtliche Preziosen. Die besten Schauspieler rissen sich darum, die Rollen zu spielen, die Purucker ihnen auf den Leib geschrieben hatte - Jörg Hube, Gerd Anthoff, Christine Neubauer, Michael Lerchenberg, Franziska Stömmer, Erich Hallhuber und die Brüder Fitz.

Die Löwengrube war Puruckers Opus magnum, aber er war weit darüber hinaus ein ungeheuer fleißiger Autor, hat zahlreiche Drehbücher zu anderen Münchner Themen geschrieben. Seine letzten Fernsehfilme, die er für den Bayerischen Rundfunk geschrieben hatte, wurden unter dem Reihentitel Geschichten aus dem Nachbarhaus präsentiert. Das war es tatsächlich, was die Arbeit von Willy Purucker ausmachte: Die genaue Beobachtung des täglichen Geschehens, die Schilderungen der glücklichen und der tragischen Momente im Leben eines jeden Einzelnen.

Keine Krönung seines Werkes

Aber die Krönung seines Werkes war ihm verwehrt. Die Geschichte der Grandauers endet Mitte der 1950er-Jahre. Bis vor wenigen Jahren hat Purucker (wie viele seiner Zuschauer) gehofft, dass der Bayerische Rundfunk ihn mit einer Fortsetzung der Fernsehserie bis in die Gegenwart beauftragt. Doch die neuen Manager der Quoten waren anderer Meinung: Die Zeiten hätten sich geändert. Dabei war genau das Puruckers Thema.

Willy Purucker ist am 6. Februar im Alter von 89 Jahren in seinem Heimatort Garmisch gestorben.

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Quelle:
SZ vom 10.02.2015/ahem
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