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Lochhausen:Viel mehr als eine Grundschule gibt's nicht

Stadtrat beschließt ein Strukturkonzept für Lochhausen. ÖDP spricht von einer "dünnen" Vorlage

Von Ellen Draxel, Sebastian Krass, Lochhausen

Lochhausen soll mithilfe eines integrierten Strukturkonzepts fit für die Zukunft gemacht werden. Der Planungsausschuss des Stadtrats hat am Mittwoch einstimmig einer entsprechenden Vorlage des Planungsreferats zugestimmt. Das Konzept soll "die Themen Verkehr, Landschaftsplanung, soziale Infrastruktur, Versorgung und Siedlungsentwicklung in einen Zusammenhang stellen und eine Perspektive für die zukünftige teilräumliche Entwicklung aufzeigen". Einfließen in die Analyse werden dabei auch die für Mitte 2020 erwarteten "ersten Ergebnisse" eines Verkehrskonzepts für den gesamten Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied sowie einer Machbarkeitsstudie, die die Vor- und Nachteile einer Unterführung zwischen der Alto- und der Lochhausener Straße untersucht. Auch die Bürger sollen innerhalb eines Dialogs eingebunden werden. Dass Lochhausen dringend einer verbesserten Infrastruktur bedarf, darin sind sich Politiker und Verwaltung seit Jahren einig. Der Stadtteil wächst, drei neue Wohngebiete mit zusätzlich rund 2300 Wohnungen entstehen allein in diesem Viertel des mit 3400 Hektar größten Münchner Stadtbezirks, zu dem auch Freiham gehört. Bislang aber gibt es in Lochhausen lediglich eine Grundschule - eine zweite fehlt ebenso wie Supermärkte, Versammlungsräume für Gruppen und Vereine, eine Mehrzweckhalle, Kindertagesstätten und eine Einrichtung für ältere Menschen. Problematisch ist zudem der Verkehr: Hauptschlagader ist die völlig überlastete Lochhausener Straße, die den Stadtteil in zwei Teilbereiche aufsplittet.

"Der Oberbürgermeister hat es ja gerade erst bei einem Hearing zur autofreien Innenstadt gesagt: Wer in Lochhausen oder Langwied wohnt, braucht ein Auto", kritisierte Stadtrat und Bezirksausschuss-Mitglied Johann Sauerer (ÖDP) bei der Debatte im Rathaus. Bei der ÖPNV-Anbindung und der sonstigen Infrastruktur fehle es "noch gewaltig": Um einzukaufen, seien die Leute gezwungen, in die benachbarte Gemeinde Gröbenzell zu fahren. Ein zweiter Grundschulstandort sei "allenfalls vage angedacht". Lochhausen, konstatierte Sauerer, stehe derzeit "an der Schwelle von einem Stadtbezirk, der noch am Schlafen ist, zu einem, in dem massiv nachverdichtet wird". Die "dünne Vorlage der Verwaltung zum Strukturkonzept" müsse deshalb "dringend ausgeweitet werden". Ansonsten sehe er "große Probleme bei der Entwicklung in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren" auf den Stadtteil zurollen.

Weniger dramatisch schätzt dagegen Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher, von Beruf Verkehrsplaner, die Lage ein. "Ganz so schlimm ist es nicht, es gibt in Lochhausen immerhin einen S-Bahn-Anschluss mit einer neuen Bike-and-Ride-Anlage". Im Übrigen könne man auch in Lochhausen und Langwied vieles mit dem Fahrrad erledigen. Könnte man, entgegnete Sauerer. "Das ist aber lebensgefährlich, weil es so wenige sichere Wege für Radler gibt."

Für eine offene Betrachtungsweise wirbt Stadtrat Paul Bickelbacher außerdem beim Thema Bürgerdialog. Die Stadt München sollte, findet er, an der Debatte zur Zukunft Lochhausens und Langwieds "nicht nur Leute beteiligen, die schon dort wohnen und möglicherweise vieles ablehnen". Besser sei es, auch künftige Bewohner und deren Ideen mit einzubinden. Finden könne man diese Leute etwa über Genossenschaften.

© SZ vom 17.01.2020
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