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LMU:Von dieser Frauenförderung profitieren jetzt auch Männer

Der Lichthof im Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die LMU München hat seit 2007 ein Mentoring-Programm zur Förderung junger Wissenschaftlerinnen.
  • Nun reformiert die Uni das Konzept: Die Mittel werden verdoppelt, und es werden auch Männer zugelassen. Aber mindestens 50 Prozent der Geförderten müssen weiter Frauen sein.
  • Doch es gibt Kritik: Ist das dann noch Frauenförderung?

Von Sebastian Krass

Eine talentierte und ambitionierte Nachwuchswissenschaftlerin kann nicht auf eine Konferenz, weil sie hochschwanger ist. Stattdessen fährt ein Kollege. Er ist es auch, der dann die Leitung eines Projekts übertragen bekommt. Eine junge Forscherin will externen Gutachtern ihre Arbeit erklären, ihr Chef redet ständig rein, obwohl er sich sonst aus dem Projekt raushält. Es gibt unzählige Geschichten darüber, wie schwierig es für Frauen ist, sich im männlich dominierten Wissenschaftsbetrieb durchzusetzen.

Um dagegen etwas zu tun, hat die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) im Jahr 2007 ein Programm namens LMU-Mentoring eingeführt: Erfahrene Professorinnen helfen jungen Wissenschaftlerinnen bei der Karriere. Uniweit standen dafür Fördermittel in sechsstelliger Höhe pro Jahr bereit. Das Mentoring war ein Baustein der Anträge für die Exzellenz-Initiative, aus der die LMU bisher sehr erfolgreich und mit dem Prädikat "Exzellenz-Uni", inoffiziell auch "Elite-Uni", herausging. Doch zum kommenden Wintersemester ändert die LMU das Programm grundlegend. Und das hat Unruhe ausgelöst.

"Das Mentoring wird - sowohl auf der Ebene der Mentoren als auch der Mentees - auch für männliche Wissenschaftler geöffnet", heißt es in einem internen Rundschreiben von LMU-Präsident Bernd Huber aus dem Frühjahr. Er ergänzt, die Mittel für das Programm würden verdoppelt, 828 000 Euro werden künftig auf die Fakultäten verteilt. Und: Mindestens 50 Prozent der Geförderten müssen Frauen sein. Rechnerisch steht also für die Förderung von jungen Wissenschaftlerinnen genauso viel Geld zur Verfügung wie zuvor.

Doch ist ein Programm, das es ermöglicht, zu gleichen Anteilen Männer und Frauen zu fördern, noch ein Frauenförderprogramm? Oder stärkt das neue Programm eher das alte System: Dass im Wissenschaftsbetrieb der männliche Nachwuchs Vorteile hat?

Es gibt Zahlen, die dieses Phänomen veranschaulichen. An der LMU zum Beispiel sind 60 Prozent der Studenten weiblich, bei den Doktoranden sind es immer noch 56 Prozent, unter den Lehrstuhlinhabern aber nur noch 17 Prozent. Studien der EU-Kommission zufolge ist es in wenigen Staaten der EU für Frauen so schwierig, Karriere in der Wissenschaft zu machen wie in Deutschland.

Forscherinnen, die ins LMU-Mentoring aufgenommen wurden, konnten Reisen auf Konferenzen, Fortbildungen oder eine studentische Hilfskraft beantragen. Es musste dabei nicht um Frauenförderung gehen, eine Wissenschaftlerin könnte auch ihre Forschung fördern lassen. Lange Zeit war Margit Weber, die zentrale Frauenbeauftragte der LMU, für das Programm zuständig. Künftig ist das Mentoring bei den 18 Fakultäten angesiedelt.

Unter den Leitern, den Dekanen, gibt es derzeit eine Frau. War die LMU-Leitung unzufrieden damit, wie das Mentoring unter Weber lief? Eine LMU-Sprecherin erklärt, das Programm habe unter Webers Leitung und "durch den engagierten Einsatz der Mentorinnen in den Fakultäten erfolgreich zahlreiche Nachwuchswissenschaftlerinnen auf dem Weg zur Professur unterstützt". Weber will sich zum Thema nicht äußern.

Es gab im vergangenen Herbst, als die Reformpläne intern die Runde machten, einen offenen Brief "Für die Beibehaltung eines expliziten Frauenförderprogramms an der LMU", adressiert an Präsident Huber und Vizepräsidentin Barbara Conradt. "Einen substantiellen Beitrag zur Förderung der Chancengerechtigkeit für Frauen in der Wissenschaft leistet dieses Programm jedoch nur, wenn dieses ausschließlich Wissenschaftlerinnen unterstützt", heißt es darin. Die Frauenförderung der LMU sei "deutschlandweit einzigartig".

In Infoveranstaltungen sollen Frauenbeauftragte die Reform hinterfragt haben. Doch geändert hat das nichts mehr. Die LMU-Sprecherin erklärt, es habe "auf vielen Ebenen" Gespräche gegeben, "das Programm wurde insgesamt sehr positiv aufgenommen".

Die Uni begründet die Reform damit, dass man das Programm in das allgemeine Nachwuchsförderungskonzept integriert habe und es "möglichst flexibel und bedarfsgerecht" weiterentwickeln wolle. Durch die Verdopplung der Mittel und die 50-Prozent-Frauenquote bleibe "der Aspekt der Frauenförderung weiterhin in vollem Umfang erhalten". Überdies gehe es im Programm künftig "auch um die Förderung von anderen Dimensionen von Diversität und Inklusion".

Inzwischen wird das Mentoring nicht mehr aus Mitteln der Exzellenz-Initiative bezahlt, sondern von der LMU selbst. Doch die Uni will mit dem neuen Mentoring auch künftig im Exzellenz-Wettbewerb punkten - und so wieder Geld von außen dazu holen.

© SZ vom 05.07.2017

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