Neues Forschungszentrum:Ideen für eine gerechtere Gesellschaft

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Fabian Pfeffer ist Gründungsdirektor des internationalen Forschungszentrums für soziale Ungleichheit an der LMU. (Foto: LMU/LC Productions)

Der Soziologe Fabian Pfeffer wird an der Ludwig-Maximilians-Universität ein internationales Zentrum zur Erforschung sozialer Ungleichheit aufbauen. Welche Rolle dabei eine US-amerikanische Stiftung spielt.

Von Martina Scherf

An der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) entsteht ein internationales Zentrum zur Erforschung sozialer Ungleichheit und von Lösungsansätzen für eine gerechtere Gesellschaft. Finanziert wird die Gründung des Munich International Stone Center for Inequality Research (ISI) von der US-amerikanischen Stone-Foundation, die zu diesem Zweck fünf Millionen Dollar spendet. Gründungsdirektor ist der Soziologe Fabian Pfeffer, der nach 19 Jahren Forschung in den USA nach Deutschland zurückgekehrt ist und 2023 auf den Lehrstuhl für Soziale Ungleichheit und Soziale Strukturen berufen wurde.

Dass amerikanische Firmen deutsche Universitäten fördern, ist nicht neu. Die Technische Universität München etwa hat in den vergangenen Jahren große Summen von Google und Facebook bekommen. Doch die Stone Foundation ist kein Wirtschaftskonzern, vielmehr hat sich die Stiftung zum Ziel gesetzt, Forschung für die Grundlagen einer integrativen, ökologischeren und gerechteren Gesellschaft zu fördern.

Das amerikanische Ehepaar James und Cathleen Stone hat dafür einen großen Teil seines Vermögens auf die Stiftung übertragen. „Der Aufbau einer globalen Gemeinschaft von Forschenden zum Thema Ungleichheit wird helfen, unsere Welt zu verbessern“, davon ist James Stone überzeugt. Er begann seine Karriere als Dozent für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard Universität, war Berater von Präsident Jimmy Carter und ist Mitglied der renommierten US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften. Reich wurde er mit der Gründung eines Versicherungskonzerns. Seine Frau Cathleen ist Anwältin für Umweltrecht.

Das Münchner Zentrum wird soziale Ungleichheit in Deutschland, Europa und global erforschen und dazu ein weltweites Netzwerk aus Wissenschaftlern knüpfen. „Die soziale Ungleichheit ist eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Momentan scheint der Reichtum weniger keine Grenzen zu kennen. Wenn es darum geht, Lösungen zu entwickeln, muss die Forschung international ausgerichtet sein und neue gesellschaftliche Modelle und politische Maßnahmen in den Blick nehmen“, sagt Fabian Pfeffer.

Zu den wichtigen Merkmalen sozialer Ungleichheit in modernen Wohlfahrtsgesellschaften zählen Bildung, Beruf, Einkommen und zunehmend auch Vermögen. In Deutschland ist laut dem jüngsten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2021 die Wahrscheinlichkeit, dass in Armut lebende Menschen auch fünf Jahre später immer noch arm sind, seit den 1980er-Jahren von 40 auf heute 70 Prozent gestiegen. Vermögensungleichheit meine aber nicht nur den Gegensatz zwischen reichen Villeneigentümern und Sozialhilfeempfängern oder Obdachlosen, so Pfeffer. Vielmehr bedeute sie auch Chancenungleichheit, schlechtere Gesundheit, weniger Bildungsmöglichkeiten in der breiten Bevölkerung.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am ISI planen, mit empirischen Daten wie etwa Steuerdaten zu arbeiten. Außerdem wollen sie mit außeruniversitären Einrichtungen wie den beiden in München ansässigen Max-Planck-Instituten für Sozialrecht und Sozialpolitik sowie für Steuerrecht und öffentliche Finanzen und mit öffentlichen Institutionen kooperieren. Durch den engen Austausch mit Studierenden, Doktoranden und Gastwissenschaftlern soll das Zentrum auch zur Internationalisierung der LMU beitragen.

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