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LMU:"Schockierende Zustände" im Schweinestall

In der Kritik: die Schweine-Haltung der LMU.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Schweinehaltung an der LMU, über die die Süddeutsche Zeitung berichtet hat, hat große Kritik hervorgerufen.
  • Die Verantwortung sieht der tierwohlpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Paul Knoblach, bei Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU).
  • Aus dem Ministerium heißt es, die Hochschulen müssten selbst darüber entscheiden, wie sie ihre Forschungs- und Lehreinrichtungen gestalten.

Dass es den Schweinen im Forschungsbetrieb der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in Oberschleißheim gut geht, kann Paul Knoblach wahrlich nicht sagen. Er habe sich das dortige Lehr- und Versuchsgut am Dienstag einige Stunden lang angeschaut, sagt der tierwohlpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. "Es gibt großen Verbesserungsbedarf", konstatiert Knoblach. Am Mittwoch hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass Studierende dort "erbärmliche" Zustände in der Schweinehaltung erlebt hätten. Manche Tiere verbringen demnach ihr halbes Leben eingezwängt in enge Gitterkästen.

Abgeordnete der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag nannten die Zustände "schockierend". Hier handle es sich um einen "Tierschutz-Skandal", heißt es in einer schriftlichen Anfrage an die Staatsregierung. Zwar hält auch Grünen-Politiker Knoblach es für unangemessen, dass die Schweine in engen Käfigen und auf Spaltenboden gehalten werden. "Das verursacht Tierleid und sollte verboten werden", sagt Knoblach. Er sieht die Schuld jedoch nicht bei den Verantwortlichen im Versuchsgut. "Weder die Leitung noch die übrigen Mitarbeiter missachten das Tierwohl aktiv. Sie halten sich an Regeln, die sie nicht gemacht haben", sagt Knoblach.

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Die Verantwortung für die Bedingungen sieht Knoblach bei Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU). Denn: Das Versuchsgut müsse wirtschaftlich arbeiten. Zudem investiere die Staatsregierung nicht genügend, damit die Betriebe tiergerecht werden. "Auch die Planungsverfahren für moderne Ställe dauern einfach zu lange", sagt Knoblach.

Im Wissenschaftsministerium sieht man das offenbar anders. Die Hochschulen würden selbst darüber entscheiden, wie sie ihre Forschungs- und Lehreinrichtungen gestalten, "im Sinne der Eigenverantwortung". Auf SZ-Anfrage teilt das Ministerium weiter mit: "Bislang lagen uns zu dem von Ihnen geschilderten Fall keine Hinweise vor, wir gehen diesen aber in Zusammenarbeit mit der Hochschule nach."

Manfred Gareis, bis Jahresbeginn Professor für Lebensmittelsicherheit an der Tierärztlichen Fakultät der LMU, fordert eine baldige Verbesserung der Zustände auf dem Gut. Eine Chance sieht er, wenn der veterinärmedizinische Campus bald nach Oberschleißheim umzieht. Dann könne das Versuchsgut gar ein "Musterbetrieb für artgerechte Tierhaltung" werden. "Wir müssen Leitbild sein und nicht mit Methoden aus den 60er-Jahren wirtschaften." Zudem habe sich die Universität mit der Nachhaltigkeits-Initiative "LMU grün" selbst einen Auftrag erteilt. Dazu passe so ein veralteter Betrieb wahrlich nicht, sagt Gareis.

© SZ vom 05.12.2019/fema
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