Nach Absage im NovemberLMU startet Vorlesungsreihe zu Palästina

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Von Mai bis November 2024 stand vor der LMU ein pro-palästinensisches Protestcamp. Der Nahost-Konflikt ist seit dem 7. Oktober 2023 auch an der Universität ein großes Thema.
Von Mai bis November 2024 stand vor der LMU ein pro-palästinensisches Protestcamp. Der Nahost-Konflikt ist seit dem 7. Oktober 2023 auch an der Universität ein großes Thema. Leonhard Simon
  • An der LMU startet ab 6. Mai eine dreiteilige Vortragsreihe über palästinensische Universitäten, nachdem eine ähnliche Veranstaltung im November nach Kritik abgesagt worden war.
  • Das Netzwerk jüdischer Hochschullehrender und jüdische Studierende kritisieren weiterhin die Einseitigkeit der Veranstaltung und befürchten antisemitische Deutungsmuster.
  • Die LMU-Leitung hat an der Neugestaltung mitgewirkt, um den aktivistischen Charakter zu vermeiden, und behält sich vor, bei strafbaren Äußerungen abzubrechen.
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An der Münchner Universität beginnt eine dreiteilige Vortragsreihe. Ursprünglich sollte diese die „gezielten Bekämpfung der palästinensischen Wissenschaft“ behandeln. Nach Kritik wurde sie umgestaltet. Bedenken aber bleiben.

Von Katharina Haase

Am Institut für den Nahen und Mittleren Osten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) startet am 6. Mai eine Vortragsreihe mit dem Titel „Die palästinensischen Universitäten und ihre besondere Beziehung zu Deutschland“. Es ist die Neuauflage der Workshop-Reihe „Die gezielte Bekämpfung der palästinensischen Wissenschaft“, die im November nach heftiger Kritik abgesagt worden war.

Kritik war vor allem vom Netzwerk jüdischer Hochschullehrender (NJH) gekommen, das damals einen offenen Brief an LMU-Präsident Matthias Tschöp geschrieben hatte. Bemängelt wurden einige Themenschwerpunkte, mehrere Gastredner sowie die Einseitigkeit des Programms, den Konflikt nur aus palästinensischer Sicht zu beleuchten. Die Leitung der LMU beschloss die Absage schließlich „einvernehmlich“ mit dem Veranstalter, Arabistik-Professor Andreas Kaplony, und plante, „geeignete wissenschaftliche Formate auch für derart aufgeladene Themen zu entwickeln“.

Der neue Workshop besteht aus drei Teilen. Am 6. Mai soll es zunächst um die Definition Palästinas als Sehnsuchtsort von Muslimen, Juden und Christen gehen. Am 7. Mai wird das Bild Palästinas in Deutschland und auch dessen Auswirkungen auf in Deutschland lebende Palästinenser beleuchtet. Im dritten Teil, am 21. Mai, soll es schließlich um die akademischen Verbindungen Deutschlands nach Palästinas und die derzeitige Lage der dortigen Universitäten und der Bildungslandschaft gehen.

Kaplony teilt auf Anfrage mit, er habe in „zahlreichen intensiven Gesprächen“ verstanden, wie wichtig es sei, ein solches Thema „sorgfältig zu framen und stärker zu kontextualisieren“. Die jetzigen Workshops seien in Absprache mit vielen Akteuren und der Hochschulleitung entstanden.

Sowohl das Netzwerk jüdischer Hochschullehrender (NJH) als auch eine Gruppe jüdischer und israelischer Studierender üben weiterhin Kritik an der Veranstaltung. In einem erneuten offenen Brief, der auch an die LMU-Leitung sowie Andreas Kaplony gerichtet ist, verweist das Netzwerk unter anderem auf öffentliche Aussagen einiger Gastredner, die aus Sicht des NJH die Delegitimierung und Dämonisierung Israels beinhalten.

Zudem ließen mehrere Titel der Veranstaltungsreihe „eine gewollte oder zugelassene begriffliche Rahmung“ befürchten. Die akademische Freiheit erreiche ihre Grenzen dort, „wo mit Verweis auf wissenschaftliche Arbeit Narrative verbreitet werden, die menschenfeindliche, insbesondere antisemitische Deutungsmuster reproduzieren oder legitimieren“. Die Deutsche-Israelische Gesellschaft (DIG) unterstützt den Brief.

Ein jüdischer Student, der seinen Namen aus Angst vor Reaktionen nicht veröffentlicht haben möchte, sagt, die Reihe wirke nach wie vor „wie eine Propaganda-Veranstaltung der BDS-Bewegung“. BDS steht für „Boykott, Desinvestment und Sanktionen“ und ist eine transnationale, palästinensisch geführte Kampagne, die Druck auf Israel ausübt. Er sei offen für Veranstaltungen, die den palästinensisch-israelischen Diskurs förderten. Die Veranstaltungsreihe entspreche jedoch nicht den akademischen Standards der LMU.

Fanatismus und Propaganda seien bereits in der Universität angekommen. Die gehängte Netanjahu-Puppe am Gedenktag an die Shoah sowie die Aufschrift „Kill all jews“ in einer Toilette seien nur zwei von vielen Vorfällen, so der Student. Als Jude oder Israeli fühle man sich mittlerweile an der LMU nicht mehr sicher. Man vermisse eine eindeutige, öffentliche Reaktion seitens der Hochschulleitung.

Die LMU-Leitung bestätigt auf Anfrage, dass sie erneut Kritik an der Veranstaltungsreihe erreicht habe. Jedoch habe man an deren Gestaltung mitgewirkt und „darauf gedrungen, den aktivistischen und rein politischen Charakter, den die Veranstaltung im letzten November gehabt hätte, zu vermeiden“. Bei strafbaren Äußerungen behalte man sich vor, die Veranstaltung abzubrechen.

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Stefan Jakob Wimmer, Professor für Ägyptologie, der sich mit dem Verein Freunde Abrahams für den Dialog zwischen der israelischen und der palästinensischen Seite einsetzt, ist, wie auch im November, Unterstützer der Veranstaltungsreihe. Er könne verstehen, so Wimmer, wenn Personen, die „außerhalb des akademischen Rahmens mit Fanatismus und Propaganda konfrontiert werden“, Veranstaltungen meiden, auf denen dies der Fall sein könnte. Die LMU-Veranstaltung aber sei „ein konstruktives Angebot“ und ermögliche, „sich in einem geschützten und fundierten akademischen Rahmen“ über die Israel-Palästina-Debatte zu informieren. „Wer das nicht will, will nicht wissen, sondern will Wissen verhindern“, so Wimmer.

Andreas Kaplony sagt, auch ihn habe die Kritik von jüdischer und israelischer Seite erreicht. Jedoch habe es von gleicher Seite auch viel Zustimmung gegeben, ebenso wie von christlicher, muslimischer, palästinensischer und arabischer Seite. Themen zulassen, Kritik üben und diese produktiv und fokussiert diskutieren seien das Kerngeschäft einer Universität.

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